WOFFENDORF

Woffendorf: Flaschenpost nach 50 Jahren am Ziel

Brigitte Geyer freute sich, dass die Flaschenpost nach 50 Jahren wieder zu ihr zurückkam. Dafür bedankte sie sich beim Finder Luan Ritzel mit einem Geschenk. Foto: Dieter Radziej

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben. Aus allen Wolken fiel Brigitte Geyer, geborene Hopfenmüller, aus Woffendorf, als sie jetzt einen Flaschenpost zurückbekam, die sie vor einem halben Jahrhundert in Erlach in die Weismain geworfen hatte. Ihr Freude über diese schöne Kindheitserinnerung war groß.

Als Kind spielte Brigitte Hopfenmüller, die in Erlach aufgewachsen ist, gerne an der Weismain, deren kristallklares Wasser durch den Weismainer Stadtteil fließt. Unzählige Stunden verbrachte sie mit ihren Freunden am Wasserspiele. Ein beliebtes Spiel war es, Flaschen mit einem kleinen Briefchen zu versehen und zur Beförderung dem Wasser zu übergeben. Lange sahen die Kinder den Wellen nach, die das luftdicht verschlossene Gefäß davontrug und malten sich aus, wo ihre Nachricht irgendwann einmal an Land gespült werden würde. Noch spannender war die Frage, ob ihre Botschaft von einem Menschen gefunden werden würde.

Erinnerungen an unbeschwerte Tage an der Weismain werden wach

Dass ihre Flaschenpost aus den 1970-er Jahren allerdings jetzt noch unterwegs sein würde, hätte sich Brigitte Hopfenmüller in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Umso mehr staunte sie, als der zwölfjährige Luan Ritzel ihr die Flaschenpost zurückbrachte, die sie damals wohl in ähnlichem Alter den Wellen anvertraut hatte.

Um zu fotografieren, ging Luan Ritzel zusammen mit Sandra Fuchs vom Sportgelände in Woffendorf aus an der Weismain entlang. Beim Blick auf das Wasser fiel ihm eine grüne Flasche auf, die das Wasser auf einen Stein gespült hatte. Als er sah, dass etwas Helles durch das Glas schimmert, entschloss sich Luan Ritzel genauer nachzusehen und holte die Flasche aus dem Bachbett. Erstaunt stellte er fest, dass in der trotz ihres Alters noch gut verschlossen Flasche ein kleiner Brief mit einer Adresse steckte. Darauf stand die Bitte, der Finder möge der Absenderin antworten.

Diese Bitte erfüllte Luan Ritzel gerne und schrieb einen Brief. Doch der kam zurück, weil es die Adresse „Erlach 5“ nicht mehr gibt. Das Elternhaus von Brigitte Geyer war inzwischen abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt worden. Dennoch gelang es dem kleinen Detektiv, mit Hilfe seiner Familie die heutige Adresse ausfindig zu machen. Umso mehr staunte er bei der Feststellung, dass die Absenderin der Flaschenpost nicht weit von ihm entfernt in Woffendorf wohnte.

„Ich hätte nie gedacht, dass meine Flaschenpost für die Strecke von Erlach bis nach Woffendorf, die vielleicht fünf bis sechs Kilometer lang ist, fast ein halbes Jahrhundert unterwegs sein würde.“
Brigitte Geyer, Woffendorf
Bei Erlach hatte Brigitte Geyer vor fast 50 Jahren eine Flaschenpost den Wellen der Weismain übergeben. Foto: Dieter Radziej

Als er ihr die Flasche brachte, war die Überraschung perfekt. „Ich hätte nie gedacht, dass meine Flaschenpost für die Strecke von Erlach bis nach Woffendorf, die vielleicht fünf bis sechs Kilometer lang ist, fast ein halbes Jahrhundert unterwegs sein würde“, staunte Brigitte Geyer. In dieser Zeit hätte sie vielleicht sogar die Welt umrunden können. Glückstrahlend betrachtete Brigitte Geyer die Flaschenpost, die schöne Erinnerungen an ihre Jugend weckte und revanchierte sich bei dem Finder mit einem Geschenk.

Geschichten über Flaschenpost haben die Menschen schon seit langem fasziniert. So gibt's beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg sogar eine Flaschenpost-Sammlung.

Schon Columbus schickt in Seenot eine Flaschenpost

Früher, als die Seefahrt mangels Kommunikationsmöglichkeiten noch sehr gefährlich war, diente eine Flaschenpost Schiffbrüchigen, die an einsamen Stränden gestrandet waren, oft als einzige Möglichkeit, um Hilfe zu rufen. Der Seefahrer Christoph Kolumbus soll schon bei schwerer See im Jahre 1493 diese Möglichkeit genutzt haben, ein Fläschchen mit einer Nachricht an den König Ferdinand II. und dessen Ehefrau Isabella I. zu schicken. Ob die Post auf diesem Wege angekommen ist, darüber wurde nichts bekannt. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Flaschenpost interessant, um die Richtung und Geschwindigkeit der Meeresströmungen zu erforschen. Einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde war eine Flaschenpost wert, die von einer deutschen Südpol-Expedition 1903 bei Tasmanien ausgesetzt und am 19. März 1955 in Neuseeland angespült worden war.

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