BAIERSDORF

Wie die von Schaumberg Erbkämmerer in Eichstätt wurden

Wie die von Schaumberg Erbkämmerer in Eichstätt wurden
Martin von Schaumberg, der einst in Eichstätt Bischof war. Foto: Roland Dietz

637 Tage waren vergangen seit der letzten Präsenzveranstaltung der Ortsgruppe Weismain des Geschichtsvereins „Colloquium Historicum Wirsbergense“. Das sagte deren Vorsitzender Christian Klose im Hotel-Gasthof Fränkischer Hof mit etwas Wehmut, aber auch etwas Freude: Thomas Schwämmlein hatte nämlich zum Vortrag geladen. Genauer gesagt: zum Präsenz-Termin. Sein Thema: „Beim Einzug eines neuen Bischofs ... - Die Herren von Schaumberg als Erbkämmerer des Bistums Eichstätt (1580–1878)“.

Obwohl das CHW mit inzwischen über 1900 Mitgliedern der größte Geschichtsverein in Nordbayern ist, waren an diesem Abend nur wenige angemeldete Personen zugelassen. Das war sehr schade, denn der Vortrag des Thüringer Bezirksheimatpflegers und Journalisten wäre das Kommen wert gewesen. Thomas Schwämmlein sicher ist sicherlich einer der größten Kenner der ehemaligen Adelsfamilie derer von Schaunberg. „Ohne die Herren von Schaumbergs keine fränkische Geschichte“, stellte er gleich zu Beginn heraus. Es sei in Franken oder Thüringen kaum möglich, Geschichtsforschung zu betreiben ohne mit dieser Adelsfamilie in Kontakt zu kommen.

Weit verbreitet in Nordbayern und auch in Südthüringen

Von 1580 bis 1878 waren derer von Schaumbergs zum Beispiel sogenannte Erbkämmerer im Erzbistum Eichstätt, und das, obwohl viele Mitarbeiter des Amtes schon ein Bekenntnis zum lutherischen Glauben hatten. Diese Tatsache zeige einmal mehr die weite Verbreitung in Nordbayern und Südthüringen.

Erbkämmerer zu sein, hatte vor allem etwas mit Prestige für den Adel der damaligen Zeit zu tun, so Schwämmlein. Wirtschaftliche Vorteile hatte dies zumeist nicht. Und trotzdem hatte das Amt in einem Domkapitel eine große Bedeutung, die sicherlich darin ihren Höhepunkt fand, als bei einer Kaiserkrönung der Erbkämmerer das Zepter tragen durfte.

Sie gehörten zum niederen Adel und hatten ritterschaftliche Gebiete

Ähnlich war dies bei Einzügen eines neuen Bischofs. Da konnten die Kämmerer Pferde, Waffen und Gefolge zur Präsentation nutzen. Auch war es so mit Liegenschaften und Ämtern. Verbunden war dies damit dem Lehensystem im alten Reich. Diese Lehen konnten die ansässigen Erbkämmerer nutzen.

Die herrschenden Bischöfe hatten in den Domkapiteln kaiserliche Höfe nachgebaut. Derer von Schaumberg wiederum gehörten zum niederen Adel und hatten ritterschaftliche Gebiete.

Die Herren von Schaumberg lassen sich laut Schwämmlein erstmals um 1200 nachweisen. Seit diesem Zeitpunkt ist eine Burg Schaumberg belegt. 1216 nannten sie sich erstmals „von Schaumberg“, nach ihrer neu erworbenen Burg im thüringischen Schalkau. Die Besitzungen der Herren von Schaumberg umfassten mehrere Reichslehen. 1315 wurde mit der Stammburg der Herren von Schaumberg die Burg bei Schalkau belehnt.

Die sogenannte Lehenspflicht war eine Verpflichtung gegenüber der Rittergutsbesitzer, die Ländereien zu bearbeiten. Mit den Lehnsherren und dem Ritterkreisen entstanden „Ritterkantone“. 1632 tauchten in Burgkunstadt und Strössendorf erstmals der Namen derer von Schaumberg auf.

Die Schaumberger übten großen Einfluss auf den fränkischen Raum aus. Das Adelsgeschlecht hatte inzwischen in den Hochstiften Bamberg, Würzburg und Eichstätt Einzug gehalten. Selbst Bischöfe gingen aus dem Geschlecht derer zu Schaumburg hervor. In Eichstätt wurde um 1424 Peter zu Schaumburg zum Erzkämmerer ernannt, der später sogar zu Kardinalswürde verliehen bekam.

Martin von Schaumberg war Fürstbischof des Hochstifts Eichstätt

Bekanntester Vertreter des Geschlechts war Martin von Schaumberg (* 1523 in Nassenfels; † 28. Juni 1590 in Eichstätt). Er war Bischof des Bistums Eichstätt und Fürstbischof des Hochstifts Eichstätt von 1560 bis 1590. Martin von Schaumburg studierte 1533 in Ingolstadt, 1539 in Wien und 1544 in Bologna. Zur Aufstockung seiner Einkünfte erwarb er 1549 ein Kanonikat in Bamberg und 1550 ein weiteres in Würzburg. 1555 wurde er Domkantor in Eichstätt, 1559 Domdekan.

Wie die von Schaumberg Erbkämmerer in Eichstätt wurden
Thomas Schwämmlein bei seinem Vortrag Foto: Roland Dietz

Am 17. Juli 1560 wählte ihn das Domkapitel zum Bischof von Eichstätt. Auch er übertrug das Erzkammeramt 1580 weiter an seine Familie. Diese Nachkommen waren also schon mit dem Erbkämmerertitel geboren.

Das zwei Drittel des Kapitels protestantisch geworden waren, war auch in deren Familien zu spüren. So gab es Vertreter der Reformation und der Gegenreformation gleichermaßen. Änderungen gab es dann mit dem Beginn der Säkularisierung, als radikale Reformationspolitik herrschte. Reichsritter und Reichsadel gab es dann nicht mehr. Dennoch kamen mit der Zeit die alten Hofrituale, katholische Rechte und Zeremonien zurück. König Ludwig I. von Bayern ernannte 1829 Anton-Ludwig von Schaumberg als letzten Erbkämmerer von Eichstätt.

Online-Veranstaltungen in der kalten Jahreszeit

Wie geht es weiter mit den Veranstaltungen des CHW? Ortsgruppenvorsitzender Christian Klose sagte, dass es in der kalten Jahreszeit wieder Online-Vorträge geben werde. Wie es grundsätzlich weitergehen werde, hänge von der Entwicklung der Pandemie ab.

 

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