WEISMAIN

Weismain: Der Dorfbrunnen war der Treffpunkt

Der schmucke Brunnenplatz in Seubersdorf erinnert an die Zeiten, als die Bewohner ihr Wasser aus der Zisterne schöpf- ten und sich zu einem Plausch trafen. Foto: Otto Arnold

Naturbedingt waren die Menschen des Görauer Angers in den höher gelegenen Orten von Görau, Zultenberg und Seubersdorf bis in Mitte des letzten Jahrhunderts über Generationen hinweg sehr von der Wassernot betroffen. So galt es früher in Dörfern, bei höchster Sparsamkeit mit dem täglichen Bedarf an Wasser für Mensch und Tier in den Haushalten und Betrieben umzugehen.

Bereits in den vergangenen Jahrhunderten hatte man hierzu in den Dörfern Zisternen angelegt und dabei tief zu graben, um Grundwasser zu finden, weil die wenigen Quellen auf den Jurahöhen meist nur spärlich flossen. Daher waren die Menschen vor allem in Sommer- und Trockenzeiten auch auf Weiher und sogenannte Hühlen in der Flur zur Tränke ihres Viehes angewiesen. Diese Teiche zählten zum Wasservorrat.

Im Görauer Schlossbrunnen war oft kein Wasser

Görau, der größte Ort auf den Angerplateau hatte zwar auf Grund seiner Lage mehrere Brunnen, jedoch waren diese in ihrer Ergiebigkeit alle mehr als spärlich. So war auch der Schlossbrunnen des Dorfes, wie überliefert, meistens leer. Beim Wasserholen musste man hier über eine Leiter zur Quelle hinabsteigen, um das spärliche Nass direkt vom Boden abzufangen. Wenig Hoffnung machte auch der im Buchholz existierende Kalkbrunnen, der in einen Tümpel floss.

Aus Wassermangel waren die Menschen auf dem Weismainer Jura auf solche Weihner oder Hühlen zum Tränken des Viehs angewie... Foto: Otto Arnold

Ergiebiger hingegen war der Holzbrunnen, dessen Wasserstelle um 1750 erschlossen wurde. Allerdings lag er 900 Meter vom Dorf entfernt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stürzte das Gewölbe über der Wasserstelle ein. In n zweijähriger Arbeit wurde er von den Görauern wieder renoviert. Die Quelle besteht heute noch.

Zwei mal in der Woche wurde Wasser aus dem Hydranten verteilt

Zur Abhilfe wurde um 1908 eine erste Wasserleitung zur Versorgung des Orts von der Kalkgrube aus verlegt. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die Quelle nicht ausreichte, um alle Häuser gleichmäßig mit Wasser zu versorgen. So war man gezwungen, das Wasser zweimal in der Woche in Rationen vom Ortshydranten aus an die Haushalte zu verteilen.

In einen weiteren Projekt des Dorfes grub man 1956 von Hand eine neue Leitung von Niesten aus zum Hochbehälter auf die „Görauer Höh.“ Erst durch diese Leitung verbesserte sich die Wasserversorgung in der Nachkriegszeit für Görau merklich.

Der Görauer Holzbrunnen wurde bereits um 1750 erschlossen. Foto: Otto Arnold

Zultenberg hingegen hatte nur seinen Bergbrunnen, der etwa. 200 Meter unterhalb des Dorfes direkt am ersten Felsauslauf entsprang. Die Quelle war in ihrer Schüttung allerdings mehr als dürftig. So mussten die Dorfbewohner oft lange anstehen, um das ersehnten Nass zu erhaschen.

Doch um 1900 ergab sich für den Ort die Möglichkeit, von einer Kasendorfer Brauerei, deren am Friesenbach über eine Turbine angetriebene Pumpanlage zu übernehmen. Mit der Kraft des Wassers von dieser und der Erschließung einer nahen förderstarken Quelle gelang es schließlich, bei einer Überwindung von 206 Höhenmetern, das Wasser auf den Jura zu fördern. Hierzu verlegten mehr als 100 Helfer in Handarbeit in nur zwei Jahren Bauzeit auf 3,2 Kilometer Länge die ersehnte Leitung nach Zultenberg. Zugleich wurde ein Hochbehälter errichtet.

Seubersdorf, das in der Runde seiner beiden Angernachbarn zur früheren Gemeinde Neudorf – jetzt Weismain – gehörte, war in der Not, keine eigenen Quellen zu besitzen. Stattdessen verfügte das Dorf über eine eigene tiefe Brunnen-Zisterne. Der schmucke Brunnenplatz errinnert an jene Zeiten, als die Vorfahren dort einst ihr Wasser schöpften und sich zu einem Plausch trafen.

Auch die Seubersdorfer entschlossen sie sich 1906 zum Anschluss an die 2,5 Kilometer entfernte Wasserversorgung Zultenbergs. Dafür wurde ein eigener Hochbehälter gebaut.

Der Zultenberger Hochbehälter wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Foto: Otto Arnold

Der Zuzug von Flüchtlingen und mehr Vieh verstärkten die Wassernot

Das Wasserproblem war der drei Juradörfer war damit ab Mitte des 20. Jahrhundert nicht dauerhaft gelöst. Denn durch den Zuzug von Flüchtigen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie durch die Modernisierungswelle in den Haushalten und wachsende Viehbeständen in den landwirtschaftlichen Betrieben kam es weiterhin oft zu Enpässen in der Wasserversorgung der Dörfer.

Erst ab den 1970-er Jahren nach der Gemeindegebietsreform mit neuen Verwaltungsgebieten und dem verstärkten Bau von Ring- und Fernwasserleitungen wurden auch die Juradörfer an die neuen Versorgungsnetze angeschlossen. Seitdem ist die Wassernot am Görauer Anger Geschichte.

 

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