ALTENKUNSTADT

Wasch- und Garagenplatz Thema im Bauausschuss Altenkunstadt

Wasch- und Garagenplatz Thema im Bauausschuss Altenkunstadt
Die Erschließungsarbeiten für das Gewerbegebiet in Woffendorf schreiten voran. Ob dort einmal Wohnmobile in einem Garagenhof abgestellt werden dürfen, steht noch in den Sternen. Foto: Stephan Stöckel

In Zeiten der Pandemie haben immer mehr Deutsche das Reisen im Wohnmobil für sich entdeckt. Laut ADAC wurden in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres 62 575 Reisemobile und Caravans neu zugelassen. Das sind 14,9 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2020. Marco Freitag aus dem Weismainer Ortsteil möchte aus diesem Trend Kapital schlagen.

Im Gewerbegebiet Woffendorf, das derzeit zwischen den Altenkunstadter Gemeindeteilen Röhrig und Woffendorf erschlossen wird, will er einen Garagenhof mit 40 Wohnmobilstellplätzen, acht PKW-Garagen, drei Lagerhallen und einem überdachtem Selbstbedienungs-Waschplatz errichten. Wie schon in der vergangenen Bauausschusssitzung sprangen auch diesmal die Mitglieder des Gremiums nicht vor Freude an die Decke.

„Ich tue mich schwer damit, Platz im Gewerbegebiet für Stellplätze zu opfern. Schließlich kostet die Erschließung des Areals der Gemeinde viel Geld.“
Marco Weidner, Zweiter Bürgermeister

„Ich tue mich schwer damit, Platz im Gewerbegebiet für Stellplätze zu opfern. Schließlich kostet die Erschließung des Areals der Gemeinde viel Geld“, sprach Zweiter Bürgermeister Marco Weidner von der Jungen Wähler Union (JWU) so manchem im Gremium aus der Seele. Weidner schlug dem Antragsteller vor, auf bereits bestehenden Flächen einen solchen Garagen- und Waschplatz zu errichten. Freitag zeigte sich offen für die Idee.

Das Projekt wurde allerdings nicht von allen kritisch beäugt. Während Weidner, Georg Deuerling von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) und Karl-Heinz Hofmann (SPD) sich mehr Platz für produzierende Betriebe und Handwerksfirmen wünschten, hegten Frank Manzer, Gunther Czepera und Bürgermeister Robert Hümmer (alle CSU) durchaus Sympathie für das Vorhaben.

„Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass die Firmen kommen und auf 60 000 Quadratmetern 250 Arbeitsplätze schaffen.“
Gunther Czepera, CSU-Gemeinderat

„Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass die Firmen kommen und auf 60 000 Quadratmetern 250 Arbeitsplätze schaffen“, meinte Czepera. Allerdings goss auch er Wasser in den Wein. Das vorgestellte Konzept bezeichnete er aufgrund der zu dichten Bebauung innerhalb des Wasch- und Garagenparks als nicht schlüssig.

Im Unterschied zur vorherigen Sitzung war der Antragsteller der Bauvoranfrage diesmal persönlich anwesend. Mit viel Herzblut und ebenso vielen Argumenten versuchte der 33-Jährige den Mitgliedern des Bauausschusses sein Projekt schmackhaft zu machen. In seiner PowerPoint-Präsentation ließ er jede Menge Bilder und die statistische Entwicklung für sich sprechen. Sie signalisierten den Zuhörern, dass ein Bedarf nach Stellplätzen für Wohnmobile vorhanden ist.

Marco Freitag kann die Nachfrage zuhause nicht mehr befriedigen

Wo parken diese derzeit in Altenkunstadt und Umgebung? In Gärten und auf der Straße, wovon zahlreiche Fotos zeugten. Oder bei ihm zu Hause in Wunkendorf, wo er vor einigen Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb von seinen Eltern übernommen hat. In die landwirtschaftlichen Hallen und Gebäude haben sich Fahrzeugbesitzer aus nah und fern eingemietet. „20 Wohnwagen und 30 Autos stehen dicht an dicht. Die Nachfrage bewegt sich im zweistelligen Bereich.“

Diese kann der Wunkendorfer derzeit nicht befriedigen. Die landwirtschaftlichen Flächen seiner Eltern habe er verpachtet, berichtete Freitag. Als Nichtlandwirt ist er somit nicht privilegiert, im Außenbereich von Wunkendorf neue Hallen zu errichten. So kam er auf die Idee, im Woffendorfer Gewerbegebiet einen Wasch- und Garagenpark zu bauen.

Indoor-Waschanlage soll auch an Sonn- und Feiertagen offen sein

Die Garagen könnten auch, so der Referent, als Lager für Privatpersonen und Gewerbetreibende genutzt werden. Mit seiner Waschanlage will Freitag vor allem Besitzer größerer Fahrzeuge ansprechen, wie Wohnwagenfahrer, Landwirte, Fuhr- und Bauunternehmer. Neben dem Antragsteller würden ein Buchhalter und ein Hausmeister in Vollzeit in der Wasch- und Garagenpark GmbH arbeiten. Zudem plant Freitag, auf dem Gelände einen Handel für technische Ersatzteile mit insgesamt 15 Mitarbeitern einzurichten, was Gemeinderat Frank Manzer positiv aufnahm.

Dass seine Indoor-Waschanlage auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet sein soll, wurde im Gremium kritisch gesehen. Auf Nachfrage von Czepera räumte Freitag ein, dass das Waschen an diesen Tagen für ihn wirtschaftlich eine gewichtige Rolle spiele.

Warum es mit der Zustimmung des Bauausschusses nicht getan wäre

Das letzte Wort in der Angelegenheit hat der Gemeinderat, der für den Verkauf von Grundstücken zuständig ist. Baurechtlich hätte das Gremium der Bauvoranfrage das gemeindliche Einvernehmen erteilen können. Damit hätte Freitag aber nichts gewonnen. Der Grund und Boden auf dem das Gewerbegebiet entstehen soll, gehört der Gemeinde. Der Gemeinderat wird in nichtöffentlicher Sitzung über eine Veräußerung entscheiden.

Nach Auskunft Hümmers gibt es bereits weitere Interessenten für das Gewerbegebiet. Einer von ihnen ist Diplomingenieur (FH) Marco Krug, der in Lichtenfels bereits eine Prüfstelle für Haupt- und Abgasuntersuchungen sowie Unfallgutachten betreibt. Im Woffendorfer Gewerbegebiet soll eine weitere LKW- und KFZ-Prüfstelle entstehen und ein Werbepylon aufgestellt werden. Wegen Planungsänderungen wurde das Vorhaben auf Wunsch des Antragstellers zurückgestellt.

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