BURGKUNSTADT

Von starken Frauen am Obermain

Susanne Bock von Wülfingens Herz schlägt auch für die Freiwillige Feuerwehr Burgkunstadt. Sie ist Vorsitzende. Foto: Heinz Fischer

Wenn sie die Säge oder die Bohrmaschine in der Hand hat, kann Susanne Bock von Wülfingen gut vom Alltagsstress abschalten. Sie mag es handfest und bastelt in der heimischen Garage gerne mit Holz. Vogelhäuschen und Rankgitter für den Garten hat die 49-Jährige schon gefertigt. Anpacken ist ihre Devise. Eine starke Frau aus Burgkunstadt. Im schmucken Anwesen mit Blick auf das Maintal wohnt sie mit ihrem Gatten Horst.

Geboren in Kronach, besuchte Susanne Bock von Wülfingen nach einigen Jahren in Bayreuth, wo der Vater bei der Bundeswehr stationiert war, ab der zweiten Klasse die Grundschule in Altenkunstadt. Obwohl sie erst mit 18 nach Burgkunstadt zog, fühle sie sich hier verwurzelt.

Die Lizenz zum Bestellen

Bereits mit 15 Jahren entschied sich Susanne Bock von Wülfingen für den Beruf der Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Baur-Gruppe. Dem Unternehmen ist sie seit 32 Jahren treu geblieben und arbeitet als technische Einkäuferin. „Wir haben die Lizenz zum Bestellen“, scherzt sie. Denn ihre Abteilung ist zuständig für alle Anschaffungen, die das Unternehmen braucht – vom Kugelschreiber bis zu den Kartons für das Versandgeschäft. An dem Versandhändler schätzt sie nicht nur das gute Arbeitsklima und die netten Kolleginnen und Kollegen, sondern auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. So hat sie zahlreiche Abteilungen durchlaufen und war ein dreiviertel Jahr beim Mutterkonzern der Otto-Gruppe in Hamburg.

Das Wohl ihrer Heimatstadt Burgkunstadt war ihr neben allen beruflichen Verpflichtungen schon immer ein Anliegen. Das mag wohl an den familiären Wurzeln liegen, war doch Vater Heinz Petterich 18 Jahre lang Bürgermeister der Schuhstadt. So ist es nicht verwunderlich, dass es auch sie schon bald für die Freien Wähler in die Kommunalpolitik zog. Für diese engagiert sie sich seit 2012 auch im Kreisverband. Und natürlich in der Stadtratsfraktion im Burgkunstadter Rathaus.

Dieses Engagement gipfelte in der Kandidatur für das Bürgermeisteramt im Jahre 2020. Nur knapp unterlag sie damals in der Stichwahl, immerhin 48 Prozent der Stimmen konnte sie erringen. Enttäuscht war sie nicht über die Niederlage, zumal sie die Kollegen beim Versandhaus danach wieder herzlich aufnahmen. Als lachende Zweite hat sie sich gesehen. Nun ist sie ehrenamtlich als Zweite Bürgermeisterin tätig. Viel gab es für sie in dieser Eigenschaft noch nicht zu tun, sie würde sich gern noch viel mehr einbringen.

Womöglich eine auch zweite Kandidatur

Horst Bock von Wülfingen ist die Schnur am Luftballon, wenn Susanne davonfliegen will. Foto: Heinz Fischer

Ohne Parteibrille, mit vielen guten Ideen ihre Stadt mit ihren 6500 Einwohnern voranbringen, das ist ihr Wunsch, dafür kämpft sie. Würde sie in vier Jahren bei der nächsten Kommunalwahl noch mal für das Bürgermeisteramt antreten? „Wenn ich spüre, dass die Bürgerinnen und Bürger von Burgkunstadt das wollen, trete ich noch mal an“ meint sie bescheiden.

Doch nicht nur in der Kommunalpolitik steht Susanne Bock von Wülfingen ihre Frau. Auch mitten in einer sonst reinen Männerdomäne ist sie aktiv. Seit 2017 ist sie erste Vorsitzende des Vereins der Freiwilligen Feuerwehr Burgkunstadt. Die Herren um sie herum, so sagt sie augenzwinkernd, akzeptieren sie als Organisationstalent und Vereinsleiterin. Die Technik überlässt sie dann lieber den Feuerwehrmännern. Gleichwohl versucht sie immer, bei Bränden und anderen Katastrophen, die einen Feuerwehreinsatz notwendig machen, helfend mit vor Ort zu sein.

Wie funktioniert das alles?

Wie schafft man das, Ehrenamt und Familie unter einem Hut zu bringen? Gatte Horst bringt es auf den Punkt: Er und seine Susanne seien eine ideale Partnerschaft, findet er und sieht sich dabei in der Rolle des Beraters, des Unterstützers in der zweiten Reihe. Wobei er auch in der Feuerwehr als Aktiver dabei ist und den technischen Teil abdeckt. „Wenn Susanne dabei ist mit ihren Ideen davon zu schweben, bin ich die Schnur am Luftballon, die sie wieder auf den Boden zurückholt“, charakterisiert er sich selbst.

„Wenn Susanne dabei ist mit ihren Ideen davon zu schweben, bin ich die Schnur am Luftballon, die sie wieder auf den Boden zurückholt.“
Horst Bock von Wülfingen, Ehemann

Susanne Bock von Wülfingen sieht sich selber nicht unbedingt als die besonders starke Frau. „Ich tue, was ich kann, und es gibt gewiss in der Region noch viel stärkere Frauen, die ihr Leben in Familie und für die Allgemeinheit meistern.“ Über solche Frauen soll auch in Zukunft noch berichtet werden.

Eine starke Frau in Burgkunstadt: Susanne Bock von Wülfingen, geborene Petterich. Foto: Heinz Fischer

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