BURGKUNSTADT

Verbundenheit trotz Abstand bei Kerwa der Christuskirche

Verbundenheit trotz Abstand bei Kerwa der Christuskirche
Trotz Abstand verbunden sein – diese Botschaft bekamen die Besucher des Kirchweih-Gottesdienstes vermittelt, der aufgrund der Corona-Lage erstmals nicht in der Christuskirche gefeiert werden konnte. Der symbolischen Ausdruckskraft des Gottesdienstes tat dies keinen Abbruch. Foto: Matthias Schneider

Seit 85 Jahren hat die evangelische Christuskirche ihren festen Platz in der Rangengasse und somit über den Dächern Burgkunstadts. Und dennoch kam es am vergangenen Sonntag zu einer echten Premiere: Noch nie hatte die Kirchengemeinde das Kirchweihfest ihrer Christuskirche unter freiem Himmel im Schatten des Gotteshauses gefeiert. Das sonnige Wetter, aber vor allem die inhaltliche Botschaft ließ schnell vergessen, dass die Gemeinde um Pfarrer Heinz Geyer aufgrund der aktuellen Corona-Lage zu diesem Schritt gezwungen war. Stattdessen wurde der Festgottesdienst zu einem eindrücklichen Bekenntnis der inneren Verbundenheit in Zeiten der räumlichen Trennung.

„Es ist ein wunderschönes Bild und ein großes Geschenk zugleich, dass wir heute trotz Abstandsregeln und Masken so zahlreich im Atrium des Gemeindehauses zusammenkommen und unsere Christuskirche angemessen feiern können“, verlieh Pfarrer Heinz Geyer zu Beginn des Festgottesdienstes seiner Freude Ausdruck. Genauso sahen dies Bürgermeisterin Christine Frieß sowie Dekanin Stefanie Ott-Frühwald, die mit ihrem Kommen die Bedeutung des Kirchweihfestes unterstrichen.

„Es ist ein wunderschönes Bild und ein großes Geschenk zugleich, dass wir heute trotz Abstandsregeln und Masken so zahlreich im Atrium des Gemeindehauses unsere Christuskirche angemessen feiern können.“
Heinz Geyer, Pfarrer

Gleiches galt für die musikalische Gestaltung durch die Chöre der Gemeinde: Neben dem von Thomas Meyer dirigierten Posaunenchor trat auch der Chor „QuerBet“ in Aktion und absolvierte unter der Leitung von Katharina Flierl erstmals seit dem Lockdown im Frühjahr wieder einen öffentlichen Auftritt. Die Freude darüber war nicht nur dem Chor, sondern auch dem begeisterten Publikum anzumerken. Der Gottesdienst wurde live über das Internet übertragen.

Verbundenheit trotz Abstand bei Kerwa der Christuskirche
Indem Gemeindemitglied Thomas Weber den symbolischen roten Faden der Liebe Gottes von den Gottesdienstbesuchern im Atriu... Foto: Matthias Schneider

In seiner Predigt schaffte es Pfarrer Heinz Geyer eindrucksvoll, unter Bezugnahme eines Kinderbuches die besonderen äußeren Umstände des Kirchweihfestes in eine Trost und Hoffnung spendende Botschaft umzuwandeln: „Wenn wir in der Liebe Jesu Christi verbunden sind, dann sind wir ganz nahe beieinander“, erklärte der Geistliche.

Geradezu greifbar wurde diese Botschaft, als sich ein roter Faden durch das Halbrund des Atriums spannte. „Dieser rote Faden, den wir nun alle in der Hand halten, zeigt uns auch in Corona-Zeiten: Wir sind auf Abstand, aber dennoch in der Liebe Gottes verbunden.“ Zusätzliche Ausdruckskraft erhielt dieser Gedanke, als der rote Faden über das Atrium hinweg bis zum Kreuz an der Außenwand der Christuskirche getragen wurde. „Unsere Christuskirche ist seit 85 Jahren genau der Ort, an dem unsere Gemeinde diese Liebe erfahren darf“, erläuterte Pfarrer Geyer die symbolische Kraft hinter diesem Bild.

Weitere Zeichen der inneren Verbundenheit folgten, indem beispielsweise nach dem Gottesdienst liebevoll abgepackte Kirchweih-Muffins an alle Gottesdienstbesucher verteilt wurden. Kirchenvorsteherin Renate Hofmann hatte sie gebacken. „Wenn Sie heute Mittag zu Hause diesen Leckerbissen genießen, dann ist das zwar kein Ersatz für unser sonst immer so fröhliches und ausgelassenes Kirchweihfest, aber dennoch die Möglichkeit, aneinander zu denken und so Gemeindeleben erfahrbar zu machen“, erläuterte Pfarrer Heinz Geyer diese originelle Idee.

Aus der Not eine Tugend machen – unter diesem Motto verlief auch das traditionelle Kirchweihkonzert in der Christuskirche am Abend. Denn weil aufgrund der geltenden Hygieneregeln ein gemeinsamer Auftritt aller Chöre der Gemeinde undenkbar war, hatte man eine deutlich kleinere, aber dafür außergewöhnliche Kombination bei begrenzter Besucherzahl für Sonntagabend in die Christuskirche eingeladen: ein Trio aus Saxofon, Orgel und Kontrabass.

Drei Vollblutmusiker spielen Werke vom Barock bis zum Gospel

Und die Saxofonistin Christine Balig aus Nürnberg sowie der schwedische Bassist Anders Grop lieferten zusammen mit Thomas Meyer an der Orgel ein denkwürdiges Konzerterlebnis ab, das neben seiner ungewöhnlichen instrumentalen Zusammensetzung vor allem durch das abwechslungsreiche Programm begeisterte. So führte die anfängliche Reise in die Welt der Romantiker wie Guilmant, Bossa, Berthomieu, und Dubois und der Barockzeit schließlich zu einem mitreißenden Abstecher in den Gospel und den Jazz, als die drei Vollblut-Musiker vom Altarraum aus alle Register ihres Könnens zogen.

Eigentlich hätte dieses Konzerterlebnis eine komplett gefüllte Christuskirche verdient gehabt. „Doch wir vertrauen darauf, dass wir der Christuskirche zu ihrem 86. Geburtstag wieder ein Ständchen im gewohnten Rahmen präsentieren können“, blickte Pfarrer Geyer am Ende eines etwas anderen Kirchweihtages optimistisch in die Zukunft.

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