Udo Langer mit neuem Projekt: Rock'n Pop meets Classic

Udo Langer und seine Musiker sind schon lange fleißig am üben. Foto: Markus Häggberg

Burgkunstadt/Trebgast

„Moin Männer“, schreibt Udo Langer grüßend in einem Mail vom November an die Mitglieder seiner Band „Klangfeder“. Er fragt bei dieser Gelegenheit an, welchen von drei Terminen sie für einen Auftritt in der Naturbühne Trebgast bevorzugen würden. Das Traurige dabei: Aus den Terminen wurde nichts, denn die E-Mail stammt nicht vom November 2021, sondern vom November 2019. Dann aber kam Corona, ließ Ideen platzen und machte definitive Planungen unmöglich. Zwei Jahre lang. Am 5. Juni 2022 aber findet auf der Naturbühne eine angedachte Idee Erfüllung: Open Air – Rock'n Pop meets Klassik. Szenen von einer langen Geburt, aus einer heißen Phase und von musikalischem Neuentdecken.

Udo Langer versendet immer noch fleißig E-Mails. Eine stammt vom vergangenen Donnerstag, ist an alle Mitwirkenden adressiert und beinhaltet die Setlist, also die Reihenfolge der Lieder und Auftritte an jenem 5. Juni, ab 20 Uhr. Zwei Programmhälften, ein Zugabeblock, summa summarum 24 Titel. Doch die Setlist ist anders als sonst, die instrumentelle Vielfalt ist größer als bei üblichen Klangfeder-Produktionen. Blechbläser sind dabei und das tatsächlich zu den Holzblasinstrumenten zählende Saxophon.

Schließlich und endlich sogar ein viele Köpfe zählender Chor. Der Clou dabei: Es handelt sich um einen katholischen Kirchenchor, der noch nie mit Rockmusikern auf einer Bühne stand. Die Frau, die dem Chor vorsteht, ist Sabine Behr. „Cantora“, so der Name des im Kulmbacher Raum bekannte Gesangsformation, hat nun jüngst die erste Probe mitsamt Band, anderen Instrumenten als einer Orgel und reichlich Dezibel hinter sich.

„Es ist toll für mich zu sehen, wie (zumeist) ältere Sänger darauf eingehen. Aber Behr, die studierte Musikerin ist, erklärt auch, was den Übungsaufwand nötig macht. Denn man kann nicht einfach einen Chor und eine Band zusammenlegen, so, als wäre das das Einfachste von der Welt. „Der Chor ist vierstimmig und Udo ist einstimmig – das muss gesetzt werden“, so die junge Frau.

Einmal pro Woche, aber außerhalb der Schulferien, probe man seit Januar 2022 und die Arbeit gehe gut voran, wenngleich die Sänger auch „ins kalte Wasser“ geworfen worden seien. Doch Udo Langer sei allwöchentlich dabei. So fährt der Burgkunstadter Langer allwöchentlich auch von seinem Heimatort nach Kulmbach. „Was ist Zeit?“, „Stahlstadt“, „Dein Pfad“ und „Komm', meine Seele“ u.a. hat der Chor mit auszugestalten, sieben Songs, die vornehmlich aus Langers Produktionen „Lass uns lauschen“, „Ponina“, „Die Reise ins Grünbergland“ oder „Jules Vernes Abenteuer“ stammen.

Songs, die zu Projekten gehören, die mitunter sogar mit dem Deutschen Rock und Pop Preis prämiert wurden. Doch wie steht die in der klassischen Kirchenmusik beheimatete Behr zu Langers Rock und Pop? „Die Klangfarben“, sagt sie und sie sagt zu diesen Farben noch mehr: „Es ist unglaublich, wie sie Menschen in ihrer Emotionalität erreichen.“ Zudem achtet sie die Texte des 59-Jährigen für ihre „Tiefgründigkeit“. Doch wie kam es überhaupt zu der Vermählung zwischen der Kirchenmusik und der Popmusik?

Es ist nun bald zwei Jahre her, da ging Behr, die im östlichen Lichtenfelser Landkreis lebt, spazieren. Udo Langer kannte sie eher weitläufig, doch als er ihrer angesichtig wurde, fuhr er mit dem Auto nah an sie heran, ließ das Fenster herunter und sagte: „Ich brauche einen Tenor, kennst du wen?“ Nach ihrer Antwort verabschiedete er sich, fuhr davon und – kehrte gleich wieder. Wieder senkte sich die Scheiber herunter, um eine Frage zu stellen: „Du hast doch auch einen Chor...?!“ Was ihm mehr oder weniger leise anfragend vorschwebte, war ein Crossover-Projekt.

Udo Langers Idee wird wahr: Rock'n Pop meets Klassik heißt es bald bei einem Open-Air. Foto: Markus Häggberg

Bis Jericho und Jerusalem reichen die Wurzeln zurück. Die der Posaunenchöre zumindest. So steht es auf der Webseite von KlosterBlech, einem Bläserensemble aus Himmelkron. Auch sie gerieten in die Vorstellungskraft von Langer. Aber das taten sie schon vor Corona in Himmelkron. Ihnen wohnte Langer während eines Konzerts bei und war mehr als nur beeindruckt. „Ich war begeistert, sie haben ja mit Dylan-Songs und Abba-Liedern schon Crossover gemacht – das hat mir gefallen.“ Neben dem Chor und der Band Klangfeder, werden am 5. Juni ab 20 Uhr auch KlosterBlech auf der Bühne stehen. Damit nicht genug, denn das tun auch Kurt „Dixi“ Schleicher von Saitenwynd, das einstige Klangfeder-Mitglied Walter Wachter, sowie Nadja Jaye und Una Langer. Auch von Überraschungsgästen ist die Rede.

Udo Langer schreibt immer noch Mails und setzt Mitstreiter in Kenntnis. Dazu, dass am Montag Probe mit Cantora in Kulmbach ist, dass am Dienstag mit „Una, Nadja und Dixi“ geprobt wird, und dazu, dass am Mittwoch KlosterBlech in Himmelkron proben. Immer ist auch er vor Ort. Auch am Pfingstsamstag im Burgkunstadter Bandproberaum mit Walter Wachter am Saxophon.

Nur dann nicht, wenn jedes Bandmitglied außerdem noch für sich selbst probt. Es ist eben die heiße Phase und besonders intensiv gelebte Zeit. Aber das war sie vorher im Grunde auch, zumindest was die Achterbahnfahrt der Hoffnungen anbelangt. Der angedachte Auftritt auf der Naturbühne war 2020 anvisiert, fiel dann flach, kam als Hoffnungsschimmer 2021 zurück und erstarb erneut. Doch einmal wird es noch spannend. Eine gemeinsame Probe auf der Naturbühne selbst, wird es erst wenige Stunden vor der eigentlichen Aufführung geben.

Karten gibt es noch unter www.dienaturbuehne.de oder an allen bekannten Vorverkaufsstellen der Naturbühne Trebgast.

 

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