STRÖSSENDORF

Strössendorf: Ein Gottesdienst über, mit und für die Liebe

Gemeinsam gestalteten Pfarrerin Bettina Beck und Diakon Rainer Daum einen ökumenischen Gottesdienst zum Thema „Liebe“ am Samstag Abend in der Kirche St. Katharina in Strössendorf. Foto: CorinnA Tübel

Mit kraftvollen Texten, modernen Liedern, Gebeten und einer Segnung feierten die katholische und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Altenkunstadt am Samstag Abend in der Kirche St. Katharina in Strössendorf einen ökumenischen Gottesdienst zum Thema „Liebe“. Welche Arten von Liebe es gibt und wie Gott die Menschen mit seiner Liebe wieder stärken kann.

Nur einen kleinen Augenblick erscheint es fremd, die Klänge des Liedes „You?ll Be in My Heart You?ll Be in My Heart“ von Phil Collins in einem Gotteshaus zu hören. Löst man sich schnell von diesem altmodischen Denken und lässt sich treiben, kommt eine ganz wunderbare Stimmung auf. So haben es die katholische und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Altenkunstadt im Vorfeld angekündigt, und so ist es am Samstag Abend beim ersten ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Katharina in Strössendorf dieser Art eingetreten.

Aus Anlass des Valentinstags m Sonntag waren alle „Paare und Verliebten“ unter dem Thema der „Liebe“ versammelt. In ihren ersten Worten machte Pfarrerin Bettina Beck aber klar, dass an diesem Tag alle Menschen willkommen seien, die Liebe in sich tragen: auch Verwitwete, auch bewusst oder unfreiwillig Allein-Gebliebene, auch Freunde.

Patron der Liebenden und Befreundeten

Nachdem die Gottesdienstbesucher ihre Wünsche und Hoffnungen zur „Liebe“ im Stillen vor Gott gebracht hatten, segnete Di... Foto: Corinna Tübel

Denn der „Valentinstag“ bedeute seiner Namensherkunft „valere“ aus dem Lateinischen nach lediglich oder insbesondere „stark sein“. Der den rund 25 Gottesdienstbesuchern bekannte Priester „Valentin“ aus dem frühen Rom habe sich zwar mit großer Hingabe den Liebenden und deren manchmal verbotenen Trauungen gewidmet, habe beispielsweise aber auch den Zusammenhalt einer Schiffsmannschaft vor einem aufziehenden Sturm gepredigt und bestärkt.

Diakon Rainer Daum nannte ihn deshalb den „Patron der Liebenden und Befreundeten“, der dazu ermutigen soll, für die Partnerin oder den Partner einzustehen.

Kerzenschimmer, Blumenschmuck und eine ganz persönliche Atmosphäre prägten den ökumenischen Gottesdienst zum Thema „Lieb... Foto: Corinna Tübel

Dass das, gerade auch in Zeiten der Corona-Krise nicht immer einfach ist, wurde ebenfalls im Gottesdienst thematisiert: Beziehungen brauchen Pflege, Stärke und Ermutigung ebenso wie Treue und Zuverlässigkeit. In vielen Gebeten brachten die Gläubigen ihre Wünsche und Hoffnungen vor Gott. Durch historische Textstellen aus der Bibel, wie dem Hohen Lied der Liebe aus dem Korinther-Brief, das an diesem Tag nicht fehlen durfte, und dem gleichzeitigen Bezug zum 21. Jahrhundert wurde den Gottesdienstbesuchern bewusst, dass die Liebe etwas Epochen- und Widerständeüberdauerndes aus – in welcher Form sie auch in Erscheinung treten mag.

Dass in anderen Sprachen viel mehr Begriffe zum deutschen Wort „Liebe“ existieren, scheint manchmal sinnvoll: Im Griechischen etwa werden für die Liebe zwischen Freunden, die leidenschaftliche Liebe und die göttliche Liebe verschiedene Begriffe verwendet. Wir dagegen sprächen von „Ich liebe Schokolade“, „Ich liebe meine Arbeit“, „Ich liebe meinen Partner“ oder auch „Ich liebe diesen Fußballverein.“

Hohe Lied der Liebe im 21. Jahrhundert

Während dies manche Frauen und Männer unter ihren Masken sichtbar zum Schmunzeln brachte, rief die einfache Übertragung der bekannten Phrasen aus dem Hohen Lied der Liebe Verwunderung und Bestätigung hervor: „Wenn ich mein zu Hause zu einem gemütlichen Heim machte und meine Liebsten verwöhnen würde, hätte aber die Liebe nicht, dann wäre das nichts wert“, formulierte Pfarrerin Bettina Beck.

Wenn man in allen sozialen Netzwerken vertreten und aktiv wäre, hätte aber die Liebe nicht… Diese Gedanken, die jeder Gläubige für sein eigenes Leben durchspielen konnte, fanden ihren Abschluss in der Hoffnung: „Heute wollen wir aus dem Alltag und dem Trott herauskommen, um die Liebe zu spüren, um unseren Liebesspeicher an der Quelle aufzufüllen um mit neuer Liebe durchzustarten“, erklärte die Pfarrerin.

Auch im Scheitern und in der menschlichen Unvollkommenheit sei Gott für die Menschen da und mache aus den teils zerrissenen und beschädigten Teilen des Lebens wieder ein großes Ganzes.

Moderne Liede und der Segen

Zu den wundervollen Klängen Elton Johns „Your world“ waren die Besucher eingeladen, über ihre eigene Liebe nachzudenken: „Was brauchen wir, was brauche ich gerade für unsere Liebe? Wo ist bei uns ein leeres Gefäß, das Gott auffüllen kann?“ Mit dem Anzünden der bereitgestellten Teelichter an der Osterkerze und der anschließenden Segnung brachten sie ihre individuellen Bitten im Stillen vor Gott. Die Fürbitten am Ende des Gottesdienstes gingen auf alle Liebenden ein: auf diejenigen, die es gerade schwer haben, auf diejenigen, die in einer Beziehung gescheitert sind, auf diejenigen, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben, aber auch auf diejenigen, die gerade die Kraft und Liebe Gottes für ihre bestehende Beziehung brauchen.

Wunderschön mit vielen Rosen geschmückt

Der Abend in der wunderschön mit vielen Rosen geschmückten und illuminierten Kirche fand in Begleitung des Klassikers „Can you feel the love tonight“ einen gefühlvollen Abschluss. Der Gottesdienst schenkte statt einem Gefühl der Leere, das wohl in vielen Menschen derzeit auf Grund von familiärem Stress, Hektik und Belastungen herrscht, großes Verständnis, Hoffnung und vor allem: Liebe. Auf dem Weg bekamen die Gottesdienstbesucher deshalb noch eine kleine Botschaft auf Papier für den Valentinstag, aber auch die Zukunft mit: „Die Liebe trägt das Böse nicht nach.“

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