WEISMAIN

Stadtrat Weismain kritisiert Bauherrn

Stadtrat Weismain kritisiert Bauherrn
Der Hausbaus auf dem Gebiet Heinrichshöhe wurde wegen fehlender Unterlagen und Planüberschreitungen vom Landratsamt gesperrt. Foto: Roland Dietz

Es ist schon etwas ungewöhnlich, dass ein Bauantrag nicht im Bauausschuss abgearbeitet wird, sondern in der Stadtratssitzung. Der Grund dafür war, dass es sich nicht um einen Neuantrag handelte, ganz im Gegenteil.

Zum Antrag zum Bau eines Einfamielienwohnhauses mit einer Doppelgarage mit Abstellraum auf der Heinrichshöhe sollte ein Tektur-Plan nachgereicht werden. Tektur-Pläne werden dann benötigt, wenn die im Bauantrag überreichten Pläne nachträglich verändert und genehmigt werden sollen. Alle Änderungen an bereits dem Bauamt vorgelegten Plänen müssen nachgereicht werden.

Gebäudestandort weicht um elf Meter vom Bauplan ab

Anhand des Lageplan war zu sehen, dass sich der Gebäudestandort nach dem gemeindlichen Einvernehmen verändert hat. Im Verhältnis zum dem in der Aufstellung befindlichen Bebauungsplan ist eine Überschreitung der Baugrenze durch eine Drehung an der südlichen Seite von 1,98 Metern festzustellen. Die Höhe des Gebäudes hat sich im Zuge der bereits geleisteten Baumaßnahme ebenfalls verändert, es wird 0,84 Meter niedriger.

Nach Baubeginn wurde festgestellt, dass der Gebäudestandort um elf Meter von den Vorgaben abweicht. Demzufolge muss für einen Weiterbau ein Tekturantrag gestellt werden. Ein erneutes Einvernehmen der Stadt Weismain ist dazu erforderlich.

Kein Absteckungsprotokoll, keine Absteckbescheinigung

Der Weiterbau wurde inzwischen vom Landratsamt eingestellt. Im Bescheid des Landratsamtes wurde auch vermerkt, dass vor Baubeginn die Grundfläche der baulichen Anlage durch ein Schnurgerüst abgesteckt und ihre Höhenlage festgelegt sein muss. Es darf erst mit Arbeiten begonnen werden, wenn dieses Gerüst eingemessen wurde. Erforderlich ist weiter, dass dafür ein Absteckungsprotokoll der ausführenden Firma oder des Architekten die Übereinstimmung mit den Bauantragsunterlagen bestätigt.

Ergibt sich im Hangbereich ein Meter Gefälleunterschied, ist eine Absteckbescheinigung nach der ersten Genehmigung vorzulegen. Auch gibt es erhebliche Bedenken wegen des Naturschutzes – zu nah am Wald beziehungsweise möglicherweise eine weitere nötige Rodung, was aus naturschutzfachlicher Sicht gar nicht zulässig ist.

Bürgermeister Zapf: Mit weiteren Problemen ist nicht zu rechnen

Es wird darüber nachgedacht, im Bereich der Baumfallzone Auflagen für einen verstärkten Dachstuhl und ein Verbot für Aufenthaltsflächen zu machen. Nach Aussage der Firma Dechant steht der Bauherr bereits in Verhandlungen mit dem Waldbesitzer. Dabei müssten die Auflagen der Unteren Jagdbehörde beachtet werden.

Stadtrat Weismain kritisiert Bauherrn
Das Gebäude sieht nicht so aus, wie vom Bauausschuss genehmigt. Foto: Roland Dietz

Bürgermeister Michael Zapf zeigte sich nicht gerade zufrieden mit dem Verlauf, beschäftigt dieser Antrag den Stadtrat und die Verwaltung doch schon länger. Es habe sich gezeigt, dass mehr Beteiligte die Sache nicht leichter machen. Sie müssten die Stadt besser informieren. Da im Moment kaum mit weiteren Problemen zu rechnen sei, befürwortete er, dem Antrag zuzustimmen.

Ursula Gommelt: Kann nicht guten Gewissens zustimmen

Michael Dreiseitl (SPD) meinte dazu, dass schön geredet werde, was da passiert ist. Elf Meter außerhalb der Norm seien nicht hinnehmbar. Auch seien schützenswerte Bäume dabei kaum ins Gewicht gefallen.

Stadtrat Weismain kritisiert Bauherrn
Die Baustelle wurde versiegelt. Wer das Siegel bricht, macht sich strafbar. Foto: Roland Dietz

Ursula Gommelt (Die Grünen) macht deutlich dass sie keinerlei Vorbehalte gegen den Bauherrn oder die Baufirma hätte. Dass aber auch der Förster Vorbehalte habe, was die Baumfallgrenze betreffe, müsse bei Bebauungsplänen mehr ins Gewicht fallen. Auch Schutzgebiete für Natur und Allgemeinheit seien kaum eingeplant worden. Sie könne mit ruhigem Gewissen dem Tekturplan nicht zustimmen.

Janine Brunecker: Alle haben sich an die Regeln zu halten

Michael Bienlein (CSU) vertrat die Meinung, dass der Wille, den eingereichten ersten Plan zu erfüllen, nicht da war. Er forderte, in Zukunft bei derartigen baulichen Verfehlungen einen Tekturplan nach bereits vollzogenen baulichen Schritten nicht mehr nicht zu genehmigen.

Bernd Detsch (GUB) sagte, dass immer eine Einbeziehungssatzung der Stadt nötig sein sollte. Auch Janine Brunecker sprach von einer unschönen Sache. Es gebe Regeln, an die sich alle zu halten haben, betonte sie. Trotz aller Vorbehalte wurde der „Tekturantrag“ mit einer Gegenstimme von Ursula Gommelt bewilligt.

Aus dem Stadtrat

• Kämmerin Carmen Bezold stellte die Jahresrechnung für das Haushaltsjahr 2020 vor. Demnach schließt der Verwaltungshaushalt in Einnahmen und Ausgaben mit 12 161 618,81 Euro, der Vermögenshaushalt mit 7 989 300,28 Euro. Am 31. Dezember 2020 betrug die Pro-Kopf-Verschuldung 3733,12 Euro. Der Rechnung wurde zugestimmt.

• Wegen der Corona-Pandemie waren bereits im Januar die städtischen Märkte in Weismain abgesagt worden. Diese Verfügung sollte nun bis zum 31. Juli verlängert werden. Stadtrat Jochen Schäfer CSU schlug angesichts der ständigen gesetzlichen Änderungen und Neuerungen im Zusammenhang mit der Pandemie erst mal nur bis Juni zu verlängern. Dies wurde vom Gremium einstimmig beschlossen. Auf die Frage, ob ein grüner Markt in Weismain möglich wäre, erklärte Bürgermeister Michael Zapf, dies prüfen zu lassen. Es solle mit heimischen Ausstellern und Verkäufern gesprochen werden und der Kontakt ausgeweitet.

• der Umzug der Stadtverwaltung nimmt Konturen an. Hauptumzugszeit werde die Woche vom 14. bis 18. Juni sein. (rdi)

 

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