Seit rund 30 Jahren läuten vier Glocken in Strössendorf

STRÖSSENDORF

Seit 30 Jahren hängen vier Glocken in Strössendorfer Kirche

Für die einen sind sie nichts weiter als lästige Ruhestörer, während andere hingegen ihren vertrauten, harmonischen Klang nicht missen möchten. Seit über 1000 Jahren lassen Glocken als „musikalische Botschafter der Kirche“ ihren Ruf ertönen. Sie laden zu Gottesdienst und Gebet, läuten bei Taufen und Hochzeiten und begleiten Verstorbene auf ihrem letzten Weg. Die vier Glocken der evangelisch-lutherischen Sankt-Katharina-Kirche in Strössendorf wurden in den 1990-er Jahren in Bronze gegossen und sind damit noch fast neu.

Das Gotteshaus, dessen Ursprung in die Zeit um 1400 zurückreicht, wurde Anfang des 17. Jahrhunderts um einen Turm erweitert. Folglich sind diese Klangkörper nicht die ersten der alten Mutterkirche.

Erste Glocke im Jahr 1685 gegossen

So berichten die Kirchenbücher von einem dreistimmigen Geläute, von dem eine Glocke 1685 gegossen wurde, während die beiden anderen 1746 entstanden. 1927 erhielt die Kirche ein neues Glockenensemble. Die drei Klangkörper mit einem Durchmesser von 103, 85 und 75 Zentimetern trugen die Inschriften „Ein feste Burg ist unser Gott“, „Mein tönend Erz ruft himmelwärts das Menschenherz“ und „An Gottes Segen ist alles gelegen“.

1942 während des Zweiten Weltkriegs wurden die Glocken vom Turm geholt und zu Waffen umgeschmolzen. Am 18. März 1951 konnten schließlich vom damaligen Pfarrer Adolf Müller drei neue Glocken eingeweiht werden. Sie wurden von der Gießerei Schilling in Heidelberg gefertigt, läuteten in der Tonfolge g – b – c und trugen die Namen „Glaube“, „Hoffnung“ und „Liebe“.

In einem Gemeindebrief aus dem Jahr 1968 schreibt der frühere Pfarrer Leonhard Meyer dazu: „Der festliche Zug der Gemeinderäte und Bürgermeister von Strössendorf, Weidnitz und Neuses sowie des Bürgermeisters von Burgkunstadt führte vom Pfarrhaus zur geschmückten Kirche, in der die Gemeinde stolz und dankbar den Choral `Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren? sang“. Die neuen Glocken waren aus Guss-Stahl, was deren Lebensdauer von vornherein einschränkte.

Immer wieder kostspielige Reparaturen nötig

Aufgrund starker Schäden, die immer wieder kostspielige Reparaturen erforderten, schaffte die evangelische Kirchengemeinde in den 1990-er Jahren unter dem damaligen Pfarrer Gerhard Zellfelder ein neues Geläute mit erstmals vier Glocken an. Diesmal wurden die Klangkörper aus Bronze gegossen. Die alten Stahlglocken wurden aber nicht verschrottet, vielmehr begann für sie eine neue Ära. Konnte man sie hoch oben im Kirchturm bislang nur hören, so waren sie jetzt zu sehen.

Nach gründlicher Restaurierung wurden die Glocken in drei Ortschaften der evangelischen Kirchengemeinde auf öffentlichen Plätzen an speziellen Vorrichtungen montiert. Die größte Glocke mit einem Gewicht von 730 Kilogramm schmückt den Vorplatz der Strössendorfer Sankt-Katharina-Kirche, während die 420 und 300 Kilogramm schweren Klangkörper den Dorfplatz in Neuses und den Widencer Platz in Weidnitz zieren.

Kleine Solo-Glocke kommt auf dem Friedhof zu neuen Ehren

173 Jahre alt ist die kleine Glocke, die ursprünglich im Turmhelm der Kirche hing und dort lange Zeit eine Art Schattendasein führte. Da sie klanglich nicht mit dem Hauptgeläute harmonierte, wurde sie lediglich für Solo-Einsätze verwendet wie etwa beim „Vater Unser“-Läuten im Gottesdienst oder als Sterbeglocke bei Beerdigungen. Als Anfang der 1980-er Jahre zwei Glocken des Hauptgeläutes diese Aufgaben übernahmen, verstummte das 1848 gegossene Glöcklein mit der lateinischen Inschrift „Soli Deo Gloria“ vollends.

Mitte der 1990-er Jahre kam es zu neuen Ehren. Auf vielfachen Wunsch der Gläubigen errichtete die evangelische Kirchengemeinde in ihrem Friedhof in Strössendorf einen kleinen Turm, in dem natürlich auch geläutet werden sollte. Im Kirchenvorstand erinnerte man sich der Glocke im Turmhelm der Kirche, die daraufhin nach gründlicher Restaurierung in den Friedhofsturm umzog und von nun an mit ihrem hellen Klang verstorbene Gemeindeglieder auf ihrem letzten Weg begleitete.