WEISMAIN

Seit 20 Jahren als Sankt Martin hoch zu Ross durch Weismain

Hoch zu Ross führt der Heilige, dargestellt von Maria Gerber, den Weismainer Martinsumzug an. Foto: Roland Dietz

Der Weismainer Martinsumzug ist etwas Besonderes. Seit 20 Jahren wird er von Maria Gerber in der Rolle des heiligen Martin hoch zu Ross angeführt. Ein sehr schöner und lebendiger Brauch, denn weder Maria Gerber noch die Kinder und ihre Eltern missen möchten.

Vor 20 Jahren hat die damalige Kindergartenleiterin Ute Geßlein gefragt, ob Maria Gerber nicht mitmachen wolle, da sie ja ein Pferd besitze, erinnert sich die Reiterin. Spontan war sie bereit, mitzumachen. Da half dann auch die faszinierende Erinnerung an die eigene Kindheit als der Martinszug noch mit einem Lagerfeuer im Kastenhof endete.

Manchmal wird sie von den Kindern als Sankt Martin angesprochen

Maria Gerber setzt dabei zwei Pferde ein, die Schimmel „Amir“ und „Shary.“ Hatte sie zunächst noch Bedenken, dass die Tiere angesichts der vielen Menschen nervös werden und außergewöhnlich reagieren könnten, zerstreute sich diese Sorge rasch. Beiden Pferden machte der Trubel nichts aus. „Ich wollte auch nichts dafür haben – leuchtende Kinderaugen waren immer der schönste Lohn für mich“, erzählt Maria Gerber.

Sankt Martin mit der Gans als Skulptur am westlichen Außenportal der Weismainer Stadtparrkiche. Foto: Roland Dietz

Zu Beginn endete der Zug mit einer kleinen Feier im Kastenhof, wo ein kleines Schauspiel zur Legende des Mantelteilens für den Bettler aufgeführt wurde. Auch zum Altenheim zogen die Kinder mit ihren Laternen vom katholischen Kindergarten aus, um die älteren Bürger mit dem Martinsspiel zu erfreuen.

„Es war dann interessant, wenn man Kinder unter der Woche wieder traf und sie mich als Heiligen Martin angeprochen haben“, erinnert sich Maria Gerber mit einem Lächeln. In ihren ersten Jahren als Sankt Martin wurden die Laternen der Kinder noch mit Kerzen beleuchtet. Und wenn dadurch eine Laterne mal Feuer fing, war das Weinen der Kinder groß. Maria Gerber hat es immer Freude gemacht, in der Rolle von Sankt Martin den Zug durch die historische Altstadt anzuführen. Die beleuchteten Straßen, die strahlenden Laternen und die Martinslieder, die die Kinder sangen, begleitet von der Weismainer Blasmusik, sind für sie ein besonderes Erlebnis.

Auch dazu fällt ihr eine Geschichte ein. So waren vor 30 Jahren kaum Notensätze für Martinslieder für die Blasmusik erhältlich. Daher wurde der inzwischen verstorbene Dirigent Ludwig Will selbst tätig und schrieb mehrstimmige Noten. Diese verwendeten die Musiker lange, bis es gedruckte Notensätze gab. Wenn es möglich war, hat eine Jugendgruppe der Blasmusik gespielt. „Der Höhepunkt war, als es in einem Jahr zum Martinszug sogar schneite“, berichtet Maria Gerber begeistert. Auch der Besuch der Kinder im ASB-Seniorenheim mit Liedern und Gitarrenbegleitung sei immer sehr stimmungsvoll.

Das Wahrzeichen der Weismainer Altstadt ist die Stadtpfarrkirche Sankt Martin. Foto: Roland Dietz

„Es ist ein besonderes Erlebnis, auf das sich die Kinder schon lange vorher freuen“, sagt Karin Vonbrunn, die Leiterin des katholischen Kindergartens Sankt Anna. Leider könne das Martinsspiel wegen der Corona-Vorschriften nicht im Haus gezeigt werden. So wird die Aufführung der Mantelteilung in der Pfarrkirche Sankt Martin stattfinden. Obwohl der Aufwand deshalb größer sei als sonst, freuen sich dennoch alle auf den Martinszug.

„Die Erzählung veranschaulicht, dass jeder von uns jeden Tag ein Wohltäter ganz im Sinne Sankt Martins sein kann.“
Gerhard Möckel, Pfarrer

„Die Geschichte um Sankt Martin zeigt wie Hilfe und Nächstenliebe aussehen können, besser kann man es Kindern kaum erklären“, weiß Pfarrer Gerhard Möckel. „Die Erzählung veranschaulicht, dass jeder von uns jeden Tag ein Wohltäter ganz im Sinne Sankt Martins sein kann.“

Und auf eine Sache freuen sich auch alle. So gibt es für die Kinder kleine gebackene „Martinsmännchen“ mit Zuckerglasur. Ob Kinder oder Schaulustige – es wird auf jeden Fall wieder etwas Besonderes werden mit dem heiligen Martin auf einem Schimmel. „Solange die Pferde mitmachen können, werde ich gerne dabeisein“, verspricht Maria Gerber.

Die Geschichte des Heiligen Martin ist aktueller denn je. Auch in einer wohlhabenden Gesellschaft wie in Deutschland ist es keineswegs selbstverständlich, Menschen die sind oder gar in Not geraten sind, selbstlos zu helfen. Das zeigen die aktuellen politischen Debatten.

Die Stadtpfarrkiche ist dem Heiligen geweiht

Die Weismainer Stadtpfarrkiche ist dem Heiligen Martin geweiht. Diese Patrozinium deutet auf ein hohes Alter der Pfarrei hin.

Laternenumzüge und Gänsebraten – diese Bräuche werden oft mit dem 11. November, dem Martinstag, verbunden. Doch wer war Sankt Martin? Und was hatte er mit Laternen und Gänsen zu tun? Martin war ein römischer Soldat, der um das Jahr 316 nach Christus geboren wurde. Der Legende nach ritt er an einem kalten Wintertag an einem hungernden und frierenden Bettler vorbei. Der Mann tat ihm so leid, dass Martin mit dem Schwert seinen warmen Mantel teilte und dem Bettler eine Hälfte schenkte.

In der Nacht erschien Martin der Bettler im Traum und gab sich als Jesus Christus zu erkennen. Nach diesem Erlebnis ließ sich Martin taufen und im christlichen Glauben unterrichten. Später baten ihn die Menschen der Stadt Tours (heute Frankreich), ihr Bischof zu werden. Doch der bescheidene Martin hielt sich des Amtes nicht für würdig und versteckte sich – einer Überlieferung zufolge – in einem Gänsestall. Die schnatternden Vögel verrieten ihn allerdings und er wurde doch zum Bischof geweiht. Einer anderen Legende nach waren die Gänse in die Kirche gewatschelt und hatten mit ihrem Schnattern Martins Predigt gestört – zur Strafe wurden sie danach gebraten.

Prächtig erstrahlt die Weismainer Stadtparrkiche nachts. Sie ist dem Heiligen Martin geweiht. Foto: Roland Dietz

An Sankt Martin endet das bäuerliche Wirtschaftsjahr

Der Grund scheint aber ein anderer zu sein. Der Gedenktag des heiligen Martin war seit jeher ein besonderer Tag im Bauernjahr. Am Martinstag endete das bäuerliche Wirtschaftsjahr, Löhne, Zinsen und Steuern wurden gezahlt, Tiere wie Gänse wurden geschlachtet damit man sie nicht über den Winter füttern musste. Nach dem 11. November begann eine strenge Fastenzeit vor Weihnachten. So hatten die Menschen nochmals die Gelegenheit, sich bei diesem Festmahl mit Gänsen satt zu essen. Das Martinsgansessen ist auch in Franken sehr verbreitet, gilt das gebratene Federvieh doch vielen als Delikatesse.

Sankt Martin ist der Schutzpatron etlicher Berufsgruppen, etwa der Winzer, Weber und Schneider. Außerdem kümmerte er sich der frommen Überlieferung nach um Bettler, Soldaten und um Menschen denen es nicht so gut geht.

 

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