BURGKUNSTADT

Rekordergebnis: Baur-Gruppe schafft die Umsatz-Milliarde

Die Baur-Logistik in Altenkunstadt: Hier wird für rund 150 Millionen Euro ein vollautomatisches Shuttle-Lager errichtet. Der symbolische Spatenstich ist für 2. Mai geplant. Foto: red

Mit einem Umsatzplus von acht Prozent hat die Baur-Gruppe erstmals in ihrer 97-jährigen Geschichte die Milliardenschwelle überschritten. Mit einer Bilanzsumme von 1,001 Milliarden Euro (Vorjahr: 993 Millionen Euro) präsentierte Stephan P. Elsner, der seit 15. November Vorsitzender der Geschäftsführung ist, zum Debüt ein Rekordergebnis. Um dieses Wachstum zu stemmen, stellte das auf Onlinehandel und Dienstleistungen spezialisierte Unternehmen im Geschäftsjahr 2021/22, das Ende Februar endete, 408 neue Mitarbeitende ein. Damit stieg die Zahl der Beschäftigten auf 5047, davon 4627 in Oberfranken.

„Guter Handel hat noch eine lange und erfolgreiche Zukunft“
Stephan P. Elsner, Vorsitzender der Baur-Geschäftsführung
„Ich bin gekommen, um zu bleiben“, sagt Stephan P. Elsner, Vorsitzender der Baur-Geschäftsführung. Foto: red

„Wir haben erneut verantwortungsbewusstes Handeln und Gesundheitsschutz mit wirtschaftlichem Erfolg in unseren unterschiedlichen Geschäften vereint“, betonte Elsner in einer digitalen Pressekonferenz zusammen mit Finanz-Geschäftsführer Hans-Christian Müller am Mittwoch. Auch das Ergebnis übertreffe die Erwartungen, nähere Angaben machte er jedoch nicht. Trotz großer wirtschaftlicher Unsicherheiten durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine, Inflation und steigende Energiekosten zeigte sich Elsner zuversichtlich, den Umsatz auch im neuen Geschäftsjahr über der Milliardenschwelle zu halten.

„Guter Handel hat noch eine lange und erfolgreiche Zukunft“, betonte er. Die Baur-Gruppe setze verstärkt auf Digitalisierung und die Verbesserung des Kundenkontakts, um ein reibungsloses Einkaufserlebnis zu garantieren. Rund 97 Prozent des Geschäfts erfolge online. Daher werde der traditionelle Katalog im Juni zum letzten Mal verschickt.

Das Baur-Verwaltungsgebäude in Weismain. Foto: red

Zugpferd des Erfolgs ist der Online-Shop baur.de. Auch wenn die coronabedingte Nachfrage im Internethandel in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahrs nachgelassen habe, entsprach das Wachstum mit einem Umsatzplus von 19 Prozent fast dem des Vorjahres (22 Prozent), so Elsner. So bestellten 140 Millionen Besucher mehr als zehn Millionen Artikel. Der Bereich „Home“ (Möbel- und Einrichtungsgegenstände) sei mit fast 40 Prozent das umsatzstärkste Segment, gefolgt von „Technik/Freizeit“, während die Zuwächse bei der Mode geringer ausfielen.

Die Tochter Unito, die mit ihren Online-Marken Otto, Universal, Quelle, Ackermann und Cascana in Österreich, Deutschland und der Schweiz aktiv ist, habe trotz sieben Prozent Umsatzrückgang höhere Ergebnis als vor der Corona-Pandemie erzielt.

33 Prozent Zuwachs in der Logistik, BFS-Callcenter noch in der Schwebe

Die Logistik in Weismain. Foto: red

Rekordmengen habe die Dienstleistungssparte trotz der wegen der Pandemie erhöhten Sicherheitsvorkehrungen in den Logistikbetrieben sowohl für die Gesellschaften der Otto-Gruppe als auch für externe Kunden abgewickelt, so der Baur-Chef. Mit einem Zuwachs um 33 Prozent wurden rund 120 Millionen Teile versandt. Auf hohem Niveau sei die Sortiermenge im Logistikcenter Altenkunstadt mit rund 61 Millionen Sendungen geblieben.

Kräftig steige auch der Umsatz bei Baur Fulfillment Solutions (BFS), deren Logistik mehr als 19 Millionen Warenstücke versandte und deren Kunden-Service mehr als fünf Millionen Kontakte für Mandanten leistete. So betreute BFS auch die Corona-Impfhotline und übernahm die Verwaltung der Pandemie-Schutzartikel für den Landkreis. Noch nicht abgeschlossen sei die Umstrukturierung bei den BFS-Callcentern (rund 500 Mitarbeiter), deren Bestand das Unternehmen davon abhängig macht, von den 96 Mitarbeitern mit besser dotierten Altverträgen 67 kündigen. Das Freiwilligen-Programm mit Abfindungen sei anfangs gut angenommen worden, doch das reiche noch nicht. „Wenn sich bis 30. Juni keiner mehr melden würde, wäre das Programm gescheitert“, warnte Stephan Elsner.

Der E-Commerce-Dienstleister empiriecom arbeite zunehmend auch für Kunden außerhalb der Otto Group wie den Zahlungsdienstleister Computop. Ebenso die Baur-Fotostudios.

Blick in die Baur-Logistik in Sonnefeld. Foto: red

Eine Großinvestition zur Sicherung des Logistikstandorts Altenkunstadt planen Baur und die Otto-Tochter Hermes Fulfillment mit dem Bau eines vollautomatischen Shuttlelagers für rund 150 Millionen Euro. Der symbolische Spatenstich ist am 2. Mai geplant, der Betrieb soll im Frühjahr 2024 anlaufen. Betrieben wird das Shuttlelager, in dem vor allem die Logistik für den Kunden About You abgewickelt werden soll, von der neugegründeten Gesellschaft Baur Hermes Fulfillment (BHF). Sie werde rund 1900 Mitarbeiter übernehmen. Das Leuchtturmprojekt diene der langfristigen Sicherung von Arbeitsplätzen, doch durch die Automatisierung werde für die gleiche Warenmenge weniger Personal benötigt, räumte Stephan Elsner ein.

Die 408 neuen Arbeitsplätze seien vorwiegend in der Logistik geschaffen worden, auch drei Flüchtlinge aus der Ukraine arbeiteten dort. Gesucht würden auch ständig Fachkräfte im IT-Bereich. Nachdem 90 Prozent der Belegschaft zwei Jahren im Home-Office waren, werde zurzeit an einer Struktur für die Rückkehr in die Büros gearbeitet, erklärte Hans-Christian Müller. Denkbar sei eine hybride Struktur: „Für die kreativen Prozesse in der Firma und für die Routine vom Anywhere-Office aus.“

Pilotprojekt mit Technikartikeln zum Mieten

Baur-Finanzgeschäftsführer Hans-Christian Müller. Foto: red

Fortschritte mache die Baur-Gruppe beim Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden. So stamme bereits ein Drittel der benötigten Energie aus eigenen Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken. Seit vergangenem Jahr werde an allen Standorten nur noch Ökostrom genutzt. Ein Pilotprojekt zur Nachhaltigkeit sei das Angebot, auf baur.de rund 600 Technikartikel zu mieten anstatt sie zu kaufen – von Smartphones über Laptops bis zu Kameras und Beamern.

„Auf starken Wurzeln wachsen wir gemeinsam jeden Tag über uns hinaus“, laute der Leitsatz für das auf Nachhaltigkeit und Rentabilität ausgerichtete Wachstum des Konzerns, betonte Stephan Elsner. Nach mehr als fünf Monaten fühle er sich in Oberfranken bereits heimisch. Er pendele bewusst nur jedes zweite Wochenende zu seiner Familie nach Italien, um sich in der Region besser einzuleben. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, betonte er.

Die Baur-Gruppe

Die Baur-Gruppe mit Sitz in Burgkunstat ist ein Unternehmensverbund, der sich auf Online-Handel und Dienstleistungen konzentriert. Kernunternehmen ist Baur mit dem Online-Shop baur.de. Ergänzt wird das Geschäftsfeld Online-Handel durch den Mode- und Schuhspezialisten I‘m walking. Zudem verantwortet die österreichische Tochter Unito Marken wie Universal, Otto Österreich, Quelle in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Ackermann. Zum Geschäftsfeld Dienstleistungen zählen BFS Baur Fulfillment Solutions, der Logistikdienstleister 2. HTS sowie der E-Commerce-Dienstleister empiriecom. Seit 1997 ist Baur ein Mitglied der weltweit aktiven Otto Group. Zweiter Gesellschafter ist die Friedrich-Baur-Stiftung. Die Baur-Gruppe steht für einen Außenumsatz in Höhe von einer Milliarde Euro  (Vorjahr 993 Millionen Euro). Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beträgt 5047.
 

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