WEISMAIN

Rechnet sich ein städtisches Nahwärmenetz für Weismain?

Wie soll das Weismainer Rathaus nach der Sanierung beheizt werden? Eine Möglichkeit wäre der Bau einer Holzhackschnitzel... Foto: Gerhard Herrmann

Im Zuge der Sanierung benötigt das Weismainer Rathaus eine neue Heizung. Denkbar wäre der Bau einer Holzhackschnitzelheizung, mit der über ein Nahwärmenetz auch weitere Gebäude in der Kernstadt versorgt werden könnten. Sechs verschiedene Heizungsarten stellten dem Stadtrat am Dienstagabend Geschäftsführer Thomas Vizl vom Planungsbüro Orf + Vizl aus Schweinfurt und Energietechniker Andre Hofbauer vor. Eine Entscheidung ist in der Aprilsitzung geplant, damit die Sanierung sich nicht verzögert.

Einen Wärmebedarf von 130 KW haben die Planer für den Verwaltungssitz errechnet. Ausreichend sei eine Heizung ohne Warmwasserbereitung, erläuterte Thomas Vizl. Für den Altbau seien Heizkörper vorgesehen, weil in dem denkmalgeschützen Gebäude die Fußböden und Decken erhalten werden müssen. Für den Neubau (Apothekerhaus) ist eine Fußbodenheizung angedacht. Die Heizungszentrale könnte im Keller des Neubaus eingebaut werden.

Weil bei der Renovierung eines öffentlichen Gebäudes ein Teil des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden muss, kommen eine Gasheizung oder ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk eher nicht in Betracht, gab Vizl zu bedenken. Dagegen spreche auch die wegen der Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine unsichere Entwicklung des Gaspreises. Eine Luftwärmepumpe wäre zwar wegen der niedrigen Kosten und der Nutzung erneuerbarer Energie günstig, sei aber wegen des Denkmalschutzes problematisch und in Altbauten wegen der niedrigen Vorlauftemperaturen kaum wirtschaftlich. Das gleiche gelte für eine Erdwärmepumpe.

Das Wärmenetz müsste 2025 fertig sein und dauerhaft betrieben werden

Auf dem Gelände des Bauhofs könnte eine Holzhackschnitzelheizung zur Versorgung des Rathauses und weiterer Gebäude erric... Foto: Gerhard Herrmann

Als wirtschaftlichste Lösungen empfahl Thomas Vize entweder eine Holz-Pelletheizung oder eine Holzhackschnitzelheizung. Für eine Pelletheizung spreche die Verwendung von Holz als regenerativem Brennstoff, stabile Preise und die Möglichkeit des Einbaus im Keller des Neubaus. Sie bräuchte mehr Platz als eine Gasheizung wegen des Pelletlagerraums und wäre in der Anschaffung und im Betrieb teurer. Die größere Lösung wäre eine Holzhackschnitzelheizung, die ebenfalls CO2-neutral arbeite. Die laufenden Kosten seien niedrig, doch die Baukosten höher, da ein separates Gebäude für die Heizung und ein Hackschnitzelbunker gebaut werden müssten. Außerdem müsste ein Wärmenetz mit Leitungen in den Straßen errichtet werden. Sie wäre nur wirtschaftlich, wenn weitere Nutzer angeschlossen würden. Denkbar wären zwei Standorte im vorderen und hinteren Bereich des Bauhofgebäudes. Die Holzhackschnitzelheizung beim Kindergarten sei zu klein, um das Rathaus anzuschließen.

„Ein innovativer Ansatz, der es ermöglicht, den Bürgern erneuerbare Energien anzubieten.“
Janine Brunecker, Stadträtin (GUB)

Die große Lösung mit einer Holzhackschnitzelheizung hätte den Vorteil, dass weitere Gebäude in der Kernstadt mit erneuerbarer Energie geheizt werden könnten, da dort wegen des Denkmalschutzes weder Photovoltaikanlagen noch Wärmepumpen zulässig seien, erläuterte Bürgermeister Michael Zapf. Die Verlegung der Leitungen wäre im Zuge der 2024 und 2025 geplanten Kanalsanierungen möglich. Holz aus dem Staatswald und den städtischen Wäldern (300 Hektar) sei genug vorhanden. Allerdings würde die Stadt das Risiko eingehen, das Nahwärmenetz zum geplanten Termin 2025 fertigstellen zu müssen, damit die weiteren Nutzer nicht im Kalten säßen. Offen sei auch, ob alle Interessierten angeschlossen werden könnten. „Die Frage ist, was dauerhaft rentabel ist und ob wir dauerhaft liefern können, denn der Betrieb wäre eine Herausforderung“, gab Zapf zu bedenken.

Als „innovativen Ansatz, der es ermöglicht, den Bürgern erneuerbare Energien anzubieten“, würdigte Janine Brunecker (GUB) die große Lösung mit der Hackschnitzelheizung. Eigene Stadtwerke müssten dafür nicht gegründet werden, sagte Thomas Vizl auf Frage von Rudi Dück (CSU). Denkbar wäre die Gründung einer GmbH etwa zusammen mit einem Stromversorger oder eine Lösung wie bei der Wasserversorgung.

Denkbar wäre ein Betrieb als GmbH, etwa mit dem Stromversorger

Ob eine solche Investition angesichts der Finanzmisere der Stadt genehmigungsfähig wäre, wollte Johanns Ruß (CSU) wissen. Darin sah Zapf kein Problem, da der Betrieb die Kosten und die Investitionen finanzieren könne. Chancen durch einen Anschluss von Firmen wie der Gärtnerei Kunstmann und der Püls-Bräu sah Bernd Detsch (BB).

Den Bau eines Pelletlagers im hinteren Bereich des Rathaushofs regte Michael Dreiseitel (SPD) an. Denkbar wäre die Kombination mit dem Gebäude für die Lüftungsanlage, bestätigte Vizl.

Aus dem Stadtrat: Der Haushaltsplan ist genehmigt

Gute Nachrichten aus dem Landratsamt verkündete Bürgermeister Michael Zapf: Der Haushaltsplan für 2022 ist genehmigt. Somit können die geplanten Vorhaben in Angriff genommen werden.

Eine gute Nachricht für die Bürger ist ein Überschuss von fast 29.000 Euro im Jahresabschluss der städtischen Versorgungsbetriebe (Wasserversorgung und Photovoltaikanlagen) für 2020. Die Bilanzsumme beträgt 4,36 Millionen Euro. Somit wäre eine Erhöhung der Gebühren nicht erforderlich, falls die heuer anstehende Kalkulation nicht zu einem anderen Ergebnis führe, erläuterte Zapf.

Die Chance zur Ausweisung eines Wohngebiets bietet das Gelände zwischen dem Wasserspielplatz und der Ortsumgehung im Ans... Foto: Gerhard Herrmann

Gut stehen auch die Chancen auf Erschließung eines Wohngebiets mit 13 bis 17 Bauplätzen zwischen Wasserspielplatz und Umgehungsstraße (insgesamt 13.000 Quadratmeter). Die Stadt habe eine mündliche Zusage für den Kauf eines zentralen Grundstücks, die Mittel dafür seien im Haushalt bereits eingeplant. Da auch die ersten Einschätzungen für ein Lärmgutachten positiv seien, könnte bald ein Aufstellungsbeschluss gefasst werden.

Die Unterbringung der Flüchtlinge aus der Ukraine und ihre Integration werde zentral über das Landratsamt organisiert, um Überschneidungen zu vermeiden, erklärte Zapf. Daher sollte sich Bürger, die mit Wohnraum oder Leistungen helfen wollten, beim Landratsamt melden. Die Stadt helfe, indem sie die angebotenen Wohnungen innerhalb von zwei Tagen begutachtet habe, damit die zur Erstaufnahme genutzten Turnhallen nicht zu lange belegt sind. Da rund 100 Flüchtlingen pro Woche zugewiesen werden sollen, wären die Kapazitäten bald erschöpft. Daher sei es wichtig, sechs bis acht Wochen vorauszuplanen. Er habe dem Landkreis seinen Rat aufgrund beruflicher Erfahrungen angeboten, sagte Michael Zapf.

Eine Auswahl von Materialien, die bei der Neugestaltung der Innenstadt verwendet werden sollen (von Pflaster bis Mülleimern) wird in der nächsten Bauausschusssitzung präsentiert. Ziel ist eine einheitliche Gestaltung. Begonnen werden soll mit dem Grundstück Kolpingplatz 4 und der Von Rudhartstraße bis zum Oberen Tor.

Eine Planung, welche größeren Projekte in den nächsten fünf Jahren begonnen werden sollen, will der Bürgermeister in der nächsten Stadtratssitzung besprechen lassen. Vorgesehen ist eine Prioritätenliste für Vorhaben wie Dorferneuerungen, Straßensanierung, den Flächennutzungsplan oder die Aktualisierung des ISEK.

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