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Leserforum: JA zum Lehrschwimmbecken – aber bitte realistisch

Zum Leserreaktion zum Artikel „Aus für das Lehrschwimmbecken Altenkunstadt“ und zum dazu gehörigen Leserbrief „An den Kosten kann die Ablehnung eines Hallenbades nicht gelegen haben“ von Thomas Schneider erhielten wir folgende weitere Lesermeinung:

„JA“ zum Lehrschwimmbecken, aber mit zukunftssicherem Konzept in puncto Finanzierung. Denn sonst wird die Freude über dieses Projekt nicht lange währen und das frische Wasser des Beckens schneller wieder abgelassen werden als uns allen lieb ist.

Offenbar interessieren die finanzielle Basis und die Sicherstellung des Baus eines Lehrschwimmbeckens nur die von Herrn Schneider „politisch-ideologisch“ genannten Gemeinderäte.

Ich persönlich schätze es sehr, dass es Mitglieder im Gemeinderat gibt, die ihre Aufgaben ernst nehmen und nicht nur den Finger heben, sondern ihre Ideen, Meinungen und Bedenken äußern.

Und diese Bedenken sind in diesem Fall, wie bereits zum Beispiel von unserem Kämmerer Stefan Deuerling und dem Finanzfachmann Frank Novotny (SPD) vorgebracht, absolut begründet.

Denn es sind nicht nur die Kosten für den Bau, sondern auch Kosten für den Unterhalt des Bades, die sich zusätzlich auf mindestens 240 000 Euro pro Jahr belaufen werden, auch wenn die DLRG ehrenamtlich die Badeaufsicht übernehmen würde.

Auch sollte man sich von erträumten und unrealistischen Kostensteigerungen von derzeit veranschlagten sieben Prozent verabschieden. Denn um diese Fehleinschätzung zu erkennen, braucht man sich nur die Kosten für den Bauabschnitt 1 der Grundschule anzusehen oder auch einen amüsanten Tag im Baumarkt verbringen.

Es mag plausibel sein, dass bei steigenden Kosten auch der Betrag der Förderung steigt, jedoch wird die Logik ignoriert, dass so auch der Kostenanteil für Altenkunstadt steigt. Stand liegt der 60-prozentige Anteil von Altenkunstadt bereits jetzt bei 1,7 Millionen Euro.

Daher sollte auch der Klärung der Frage der Aufteilung von eventuellen Mehrkosten mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wenn nicht sogar dem ganzen Thema Kostenteilung.

Und NEIN! Dass Altenkunstadt noch keine überdurchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung in Bayern aufweist, ist keineswegs ein Grund, diesen Weg einzuschlagen.

Man sollte sich diesen Themen stellen statt Milchmädchenrechnungen aufzumachen um Bürgerinnen und Bürger zu einer Ja/Nein-Antwort zu bewegen.

Denn „Wenn ich das Bad will, kann ich es mir auch leisten“ (Robert Hümmer, Bürgermeister Altenkunstadt, CSU) ist eine sehr locker formulierte, nicht durchdachte Aussage. Solange es nur die Kasse der Allgemeinheit betrifft und nicht den persönlichen Geldbeutel.

Das große Engagement für das Projekt Lehrschwimmbecken ist absolut lobenswert. Egal ob von Spendern, Unterstützern wie der DLRG oder dem Verein für kommunale Zusammenarbeit und auch Einzelnen wie dem ehemaligen Gemeinderat Otto Schuhmann (SPD), der seit Beginn für ein Lehrschwimmbecken kämpfte.

Wir brauchen dieses Bad! In diesem Punkt gebe ich Herrn Schneider Recht.

Jedoch müssen die Finanzierung und das damit verbundene Risiko klar, gerecht verteilt und berechenbar sein. Die Kosten können nicht leichtfertig überwiegend auf Altenkunstadt abgewälzt werden und langfristig zu einer erheblichen Belastung werden.

Doch vielleicht sollte man hier zurückkehren zu Kommunikation und Transparenz und einen Teil Egozentrik ablegen, um dieses – unser aller Projekt – gemeinsam zum Erfolg zu bringen. Speziell für unsere Schüler, Kinder und Rentner wünsche ich mir das von ganzem Herzen.

Patrick Paravan Altenkunstadt