BURGKUNSTADT

Kultursonntage: Nur neue Künstler in der Alten Vogtei

Kultursonntage: Nur neue Künstler in der Alten Vogtei
Sie freuen sich auf das neue Programm der Kultursonntage: (v. li.) Marion Konrad, Vorsitzende der Kulturgemeinde Burgkunstadt, Andrea Buder als Vertreterin der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Otmar Fugmann, Geschäftsführer der Friedrich-Baur-GmbH und Erste Bürgermeisteri... Foto: Corinna Tübel

Weit über die Landkreisgrenzen hinaus sind die Kultursonntage der Friedrich-Baur-Stiftung bekannt. Corona bedingt fanden seit März jedoch keine Veranstaltungen in der Alten Vogtei in Burgkunstadt statt. „Das war für die Künstler, aber auch für uns nicht leicht“, blickt Otmar Fugmann, Geschäftsführer der Friedrich-Baur-GmbH, zurück. Gerade deswegen und „um ein Zeichen für die Zukunft zu setzen“ wird es in der kommenden Saison – wie in den Vorjahren – acht kulturelle Darbietungen geben sowie eine Feierstunde zur Verleihung des Chamisso-Publikumsstipendiums der Stiftung.

Das Hygienekonzept der Veranstaltungen ist dabei so durchdacht, dass der Kulturgenuss nicht leidet, sondern sogar persönlicher werden kann: In den Friedrich-Saal können bis zu 42 Personen Platz finden, sofern diese überwiegend paarweise kommen und einem gemeinsamen Hausstand angehören. Kommen ausschließlich Einzelpersonen, dürften 27 den Darbietungen folgen.

Die Stühle im Raum wurden im gesetzlichen Mindestabstand großzügig arrangiert, die Bühne dafür in der Mitte des Saales platziert. Auch vor der Tür befinden sich noch Sitzgelegenheiten.

Ausweichmöglichkeit: Regens-Wagner-Kirche

Doch die Friedrich-Baur-Stiftung hat noch einen Trumpf im Ärmel: Die Verantwortlichen können für die Aufführung auch in die benachbarte Regens-Wagner-Kirche ausweichen. Dies werde den Gästen aber rechtzeitig mitgeteilt, so Marion Konrad, Vorsitzende der Kulturgemeinde Burgkunstadt.

Ansonsten werden die Hygienevorschriften dem Publikum nicht fremd sein: Bis die Frauen und Männer an ihrem Platz sitzen, tragen diese eine Mund-Nase-Bedeckung. Ebenso wird um die gültige Hust- und Niesetikette gebeten. Mit diesem professionellen Hygienekonzept sei ein Kulturbesuch möglicherweise sogar sicherer als so manche Zusammentreffen in Gastwirtschaften oder bei privaten Feiern, so Fugmann. Er weiß auch: „Die Kultursonntage in dieser Zeit bieten auch die Chance, auf neue Gedanken zu kommen.“

Vielen fehlt der Austausch über das Geschehene

Kultursonntage: Nur neue Künstler in der Alten Vogtei
Noch sind die Plätze leer, die viel Abstand zwischen den Gästen garantieren: An den „Kultursonntagen“ soll sich dies änd... Foto: Corinna Tübel

„Ich kenne viele, denen auch der Austausch über das Gesehene fehlt“, fügt Andrea Buder von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste an, die die Künstler für das vielfältige Programm auswählt und einlädt – in diesem Jahr sind sie alle neu. Niemand von ihnen war vorher schon einmal in der Alten Vogtei zu Gast.

Die neue Saison der Kultursonntage eröffnet am 4. Oktober ein junger Künstler aus Litauen, der mit internationalen Preisen vielfach ausgezeichnete Pianist Vadim Chaimovich. In der einstigen Sowjetunion galt er als Wunderkind und beeindruckt durch sein brillantes Schauspiel in Werken von Chopin, Rachmaninow, Grieg und Buxtehude.

Am 8. November steht der Abend unter dem Stern „Hommage á Offenbach“. Das Duo Ralphaela Gromes am Violoncello und Julian Riem am Klavier gibt Werke von Jacques Offenbach, Richard Strauss und Gioacchino Rossi zum Besten geben und sich den Namensgeber als Cellovirtuosen besinnen. Seine Musik könne auch in schweren Zeiten unglaublich viel Hoffnung und Freude geben, so Gromes über diesen.

Gerd Anthoff liest Geschichten zur Winterzeit

Hin zum Text wendet sich am 13. Dezember der bekannte Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler Gerd Anthoff. In seiner stimmgewaltigen Lesung „Anthoff liest … Geschichten zur Winterzeit“ bringt er unterhaltsame, aber auch ungewöhnliche stille oder unheilige Prosa- und Lyrikwerke bekannter Autoren mit.

„Mit Fantasie und Tanz durch die Welt“ geht es in?s neue Jahr: Am 17. Januar 2021 bietet das Calliope Duo mit Artashes Stamboltsyan an der Violine und Sarah Stamboltsyan Werke unter anderem von Corelli, Wagner und Schumann dar. Die Kombination von kurzen Werken aus unterschiedlichen Ländern und einprägsamen Melodien versprechen einen harmonischen Konzertgenuss.

Wiener Klassik am 7. Februar

Am 7. Februar lädt das Trio Oreade mit „Lockruf“ dazu ein, die Wiener Klassik mit Werken von Mozart, Beethoven, Schubert und Rameau neu zu erleben. Die Preisträger Yukiko Ishibashi (Violine), Ursula Sarnthein (Viola) und Christine Hu (Violoncello) haben sich zum Ziel gesetzt, diese Musik wieder neu hörbar zu machen. „Das Publikum soll während des Konzerts auf der Stuhlkante sitzen und wirklich erleben, was in den Kompositionen steckt“, so die Organisatoren.

Wortgewaltig wird es wiederum am 14. März mit dem Friedrich-Baur-Preisträger Michael Lerchenberg, der den grandiosen Humoristen, Komiker, Schauspieler, Autor und Filmkomponisten Karl Valentin und seine Partnerin Liesl Karlstadt porträtiert: „Karl Valentin – Abgründe eines Komikers“.

„Eventuell fühlt es sich ja wie ein besonderes Privileg an, in einer solch kleinen Runde einen Kulturabend zu erleben. Man fühlt sich direkt angesprochen.“
Andrea Buder, Bayerische Akademie der Schönen Künste

Mit der „Entdeckung der Blauen Blume“ werden Musik und Text am 18. April miteinander verbunden: Musik der Romantik für Flöte und Klavier bekannter Komponisten treffen auf Texte aus Novalis‘ „Heinrich von Ofterdingen“ und Gedichte aus der Feder Joseph von Eichendorffs. In diese Welt entführt das Duo Mattick-Huth mit Christian Mattick an der Flöte und Mathias Huth am Klavier sein Publikum. Lieder mit und ohne Worte, in sprechenden und dennoch sinnlichen Interpretationen versprechen die Künstler.

Mit der „Schubertiade“ am 9. Mai endet das Programm der Kultursonntage. Katharina Flierl, die in Burgkunstadt aufgewachsen ist, und The Quints, fünf ehemalige Sänger der Würzburger Domsingknaben, erweisen dem österreichischem Liederfürsten Franz Schubert die Ehre – mit jugendlichem Charme und ungebremsten Drive, wie ein Kritiker eines früheren Konzerts begeistert schreibt. Unterstützt durch den Pianisten Diego Mallén endet das diesjährige Programm. Beinahe.

Feierstunde zur Verleihung des Chamisso-Publikumsstipendiums

Denn auch eine Feierstunde zur Verleihung des Chamisso-Publikumsstipendiums der Stiftung ist geplant. Wie schon im Vorjahr soll ein Schriftsteller aus Syrien die Chance erhalten, sein Werk hier in Deutschland zu veröffentlichen. In diesem Jahr wird Ahmad Katlesh die Auszeichnung erhalten.

„Eventuell fühlt es sich ja wie ein besonderes Privileg an, in einer solch kleinen Runde einen Kulturabend zu erleben. Man fühlt sich direkt angesprochen“, beschreibt Andrea Buder. „Sicher ist es eine andere Atmosphäre als sonst, aber nicht unbedingt schlechter.“

Auch die Erste Bürgermeisterin der Stadt Burgkunstadt, Christine Frieß, freut sich auf die kommenden Veranstaltungen – auch im Hinblick auf die Situation vieler Künstler, deren Arbeitsplätze durch die Corona-Krise in Gefahr sind.

Der Kartenvorverkauf findet im Moment nur über die Friedrich-Baur-Stiftung/Friedrich-Baur-GmbH oder die Kulturgemeinde Burgkunstadt statt. Platzreservierungen sind unter Tel. (09572) 750011 oder Tel. (09572) 3246 ebenfalls möglich. Informationen gibt es zudem unter www.baur-stiftung.de

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