WEISMAIN

Klaus Schmidt: Über Umweg zum Forstwirt daheim

Klaus Schmidt: Über Umweg zum Forstwirt daheim
Mit einer Spaltaxt schlägt Forstwirt Klaus Schmidt einen Fällkeil in den Fällschnitt. Der Keil drückt den Baum in die vorgegebene Richtung. Foto: Stephan Stöckel

Mit fachmännischem Blick bemustert KIaus Schmidt eine Fichte am unteren Heurangen zwischen Weismain und dem Altenkunstadter Ortsteil Baiersdorf. Oben sind die Nadeln noch grün, doch die abfallende Rinde verrät ihm sofort: „Hier haben wir es mit frischem Käferbefall zu tun.“ Der 53-jährige Forstwirt aus Weismain schiebt das Schutzvisier seines Helmes nach unten. Die Motorsäge surrt durch das Holz und bildet einen Fallkerb. „Er bestimmt die Fallrichtung des Baumes und dient dazu ein Kippen in die gewünschte Richtung zu ermöglichen“, erläutert der Fachmann.

Klaus Schmidt: Über Umweg zum Forstwirt daheim
Dann schneidet der Weismainer mit seiner Säge bis zur Bruchleiste, dem Scharnier, das den Baum beim Fallen führt. Foto: Stephan Stöckel

Bei der Arbeit an der frischen Luft ist der Weismainer in seinem Element. Die Winterzeit mit ihrem frostigen Boden ist eine gute Zeit, um Bäume zu fällen. Schon beim Gedanken, bei eiskalten Temperaturen arbeiten zu müssen, schüttelt es andere Menschen. Nicht so Schmidt. Bei Graden um den Gefrierpunkt und leichtem Frost komme er erst so richtig auf Betriebstemperatur, findet der 53-Jährige, der feststellt: „Beim Bewegen wird man warm.“ Für den gebürtigen Baiersdorfer gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung. Zudem lerne man alle Jahreszeiten hautnah kennen. „Wenn der Huflattich zu blühen beginnt, dann hat der Frühling Einzug gehalten“, nennt er ein Beispiel.

Schon als Kind war der Wald sein Revier

Schon als Kind war der Wald sein Revier, das er mit Freunden durchstreifte. Mit einem Augenzwinkern weist er darauf hin, dass die Einwohner seines Geburtsortes Baiersdorf landläufig als „Pfifferfresser“ gelten. Auch er habe als Steppke gerne Beeren und Pilzen gesammelt, erzählt Schmidt.

Seine Frau hat ihn zur Umschulung ermuntert

Klaus Schmidt: Über Umweg zum Forstwirt daheim
Jetzt wird der Fällkeil noch weiter in den Baum getrieben. Sobald sich der Baum neigt, entfernt sich der Forstwirt aus d... Foto: Stephan Stöckel

Ein kleiner Umweg führte ihn zum Beruf des Forstwirtes. Bereits nach der Schule wollte er zum Waldarbeiter werden. Nach seiner Lehre am Forstamt Lichtenfels hätte er damals allerdings in das Revier Rehau im Landkreis Hof wechseln müssen. Für den heimatverbunden Weismainer kam das nicht in Frage. Und so absolvierte er von 1982 bis 1985 zunächst einmal eine Lehre zum Schreiner bei der Burgkunstadter Schreinerei Kübler – was ja auch mit Holz zu tun hat. Aus seinen Erinnerungen kramt er den Auslöser hervor, der ihm dann doch noch zu seinem Lieblingsberuf verhalf. Als die Winterstürme Vivien und Wiebke 1990 über Deutschland hinwegfegten und auch im Landkreis Lichtenfels eine Schneise der Verwüstung hinterließen, ermunterte ihm seine damalige Freundin und jetzige Ehefrau Silvia, zum Forstwirt umzuschulen.

Nach zwei Jahren hatte er das Ausbildungszeugnis in der Tasche und einen Arbeitsplatz vor der Haustüre. Von seinem Arbeitgeber, der Forstbetriebsgemeinschaft Coburg-Rothenkirchen, wird er vornehmlich im Revier Weismain eingesetzt.

Angst bei der Arbeit kennt Schmidt nicht

Klaus Schmidt: Über Umweg zum Forstwirt daheim
Der Weismainer Klaus Schmidt ist ein Forstwirt vom Scheitel bis zur Sohle, der die Arbeit an der frischen Luft liebt. Foto: Stephan Stöckel

Für Schmidt ist Forstwirt ein abwechslungsreicher Beruf. Vom Pflanzen kleiner Baumsetzlinge über das Bauen von Wildschutzzäunen und Hochsitzen für Jäger bis hin zum Ernten von Bäumen reiche das Spektrum seiner Arbeit. Diese ist nicht ganz ungefährlich. Forstwirte können im unwegsamen Gelände leicht stürzen, sich mit der Motorsäge schwer verletzen oder von einem Ast oder Baum erschlagen werden.

Angst bei der Arbeit kennt Schmidt nicht, denn die ist für ihn ein schlechter Ratgeber.

Der 53-Jährige spricht vielmehr von Respekt. „Man hat Respekt vor einem Baum, wenn man ihn fällt.“ Schließlich wisse man genau, was beim Fällen eines Baumes passieren könne, wenn man es an Sorgfalt und Sicherheit mangeln lasse.

Schmidt arbeitet zumeist im Team mit zwei Kollegen. Sollte er einmal getrennt von seinen Kollegen tätig sein, dann hat er sein Digitalfunkgerät mit „Totmannschaltung“ dabei. „Letztere sorgt dafür, dass bei einem Unfall meine Kollegen alarmiert werden“, erläutert der Experte.

Die Arbeit im Wald geht Schmidt und seinen Kollegen nicht aus. Sie wirken mit am Umbau zu klimatoleranten Wäldern. Seit Jahrzehnten pflanze man, so Schmidt, überwiegend Laubbäume, gelegentlich auch Tannen und Douglasien. In den vergangenen drei trockenen Jahren habe man viel Käferholz fällen und bearbeiten müssen.

Waldarbeiter sind im unwegsamen Gelände unerlässlich

Seit einigen Jahren haben tonnenschwere Ungetüme, die sogenannten Harvester, Einzug in die Waldarbeit gehalten. Dass die Erntemaschinen seine Arbeit überflüssig machen könnten, glaubt der Weismainer nicht. Im unwegsamen Gelände sei der Waldarbeiter weiterhin unerlässlich. Die Bäume würden von den Forstwirten in Richtung Rückegasse gefällt und dann von den Greifarmen des Harvesters aufgehoben und bearbeitet.

Bei der Frage, was er sich für seine berufliche Zukunft wünsche, zeigt Schmidt auf ein Logo seiner Arbeitshose. Es zeigt einen hochgestreckten Daumen und ein Haus, was für den Weismainer so viel bedeutet wie: „Um heil nach Hause zu kommen, geht Sicherheit vor Schnelligkeit.“ Schließlich möchte Schmidt seinen Ruhestand im Kreise seiner Familie gesund verbringen und bis dahin noch viele erlebnisreiche Stunden im Wald verbringen.

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