BURKHEIM

Keltern in Burkheim: Wo der goldene Saft entsteht

Keltern in Burkheim: Wo der goldene Saft entsteht
„Wir sind komplett ausgebucht“, freuen sich (von rechts) Hendrik Eggert, Gottwald Siebert, Helmut Ohnemüller und Reinhold Kestel, die die Obstpresse im alten Feuerwehrhaus in Burkheim bedienen. Neben Äpfeln werden hier auch Birnen und Quitten verarbeitet. Foto: Bernd Kleinert

Es ist halb acht Uhr morgens, als Gottwald Siebert das alte Feuerwehrhaus in Burkheim betritt. Keine halbe Stunde später nimmt die Obstkelterei in dem kleinen Gebäude auch schon ihren Betrieb auf. „Es wird ein langer Tag“, ist sich der Ehrenvorsitzende des örtlichen Gartenbauvereins sicher. Es ist der erste Keltertermin in dieser Saison und die Liste der Anmeldungen ist lang. Tatsächlich dauert es nicht lange und es herrscht Hochbetrieb.

Doch für Gottwald Siebert, der zusammen mit Reinhold Kestel, Helmut Ohnemüller und Hendrik Eggert die Kelterei betreut, ist dies kein Problem. Sie sind ein eingespieltes Team. Und dank sorgfältiger Planung gibt es auch keine allzu langen Wartezeiten. Das angelieferte Obst wird gewogen, gehäckselt und bei einem Druck von 380 atü gepresst. Das Konservieren und Abfüllen des Saftes erfolgt im Saftmobil des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, das vor der Kelterei parkt.

Gepresste Flüssigkeit wird erhitzt

Hier wird die gepresste Flüssigkeit auf 82 Grad Celsius erhitzt und nach dem „Bag in Box“-System in aus Folienbeutel und Kartons bestehende Gebinde zu fünf oder zehn Litern abgefüllt. „Geschlossen hält sich der Saft mindestens ein Jahr, geöffnet immerhin etwa drei Monate“, weiß Michael Stromer. Der Kreisfachberater und Leiter der Umweltstation Weismain hat mit dem Abfüllen alle Hände voll zu tun.

Keltern in Burkheim: Wo der goldene Saft entsteht
Bevor das Obst verarbeitet werden kann, muss es erst gewogen werden. Mit einer schlichten Küchenwaage ist es da nicht ge... Foto: Bernd Kleinert

Für die aus dem Allgäu stammende, mit Gas beheizte Anlage ist es die elfte Saison. „Der Kreisverband hat sie gekauft, um Kleinstrukturen zu fördern und kleinere Keltereien zu erhalten“, erläutert Stromer. In dieser Saison wird das Saftmobil in neun Ortschaften des Landkreises Station machen. Im Durchschnitt werden hier an einem Tag 1500 Liter abgefüllt. Gesunder Saft ohne jegliche Chemie und künstliche Zusatzstoffe. Das moderate Erhitzen zur Konservierung hat den Vorteil, dass Vitamine und Nährstoffe erhalten bleiben.

„Und der Kunde kann sicher sein, dass er tatsächlich Saft von dem Obst erhält, das er angeliefert hat.“
Michael Stromer, Kreisfachberater

Und der Kunde kann sicher sein, dass er tatsächlich Saft von dem Obst erhält, das er angeliefert hat“, erklärt Stromer. Aber welche Obstsorten werden hier eigentlich gepresst? „Zu 90 Prozent sind es Äpfel. Daneben verarbeiten wir auch Birnen und Quitten“, erzählt der Kreisfachberater.

Dass es hauptsächlich Äpfel sind, unterstreicht nicht zuletzt deren Beliebtheit. Das Obst, von dem der Bundesbürger durchschnittlich 17 Kilogramm pro Jahr verzehrt, ist reich an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen und hat dabei nur wenig Kalorien. Und glaubt man dem Spruch „An apple a day keeps the doctor away“, ist die Frucht äußerst gesund. So soll schon ein Apfel am Tag den Besuch beim Arzt ersparen.

Aber wie sieht es so allgemein mit der Obsternte aus? „Die fällt heuer sehr gut aus“, stellt Michael Stromer fest. „Der Burkheimer Gartenbauverein hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Hundert Obstbäume auf gemeindlichen Grundstücken gepflanzt“, fügt der Ehrenvorsitzende Gottwald Siebert hinzu. Und betrachtet man die Mengen, die angeliefert werden, muss es tatsächlich ein gutes Erntejahr sein. In der Burkheimer Obstkelterei, die die Gemeinde Altenkunstadt mit Unterstützung mehrerer Gartenbauvereine 2013 im FFW-Gebäude eingerichtet hat, wird die gesamte Frucht verarbeitet.

Keltern in Burkheim: Wo der goldene Saft entsteht
Vor dem Feuerwehrhaus parkt das Saftmobil des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege. Zur Konservierung erhitzt Kr... Foto: Bernd Kleinert

Die Pressrückstände, den sogenannten Trester, werden in Fässer gefüllt und dienen Damwild im Winter als Futter. „Es wird also alles verwertet und nichts weggeworfen“, betont Stromer. Am Nachmittag wird es im alten Feuerwehrhaus langsam ruhiger. Doch für das Kelterteam ist damit noch lange nicht Feierabend. „Es muss aufgeräumt und geputzt werden. Alles muss wieder blitzen“, erklärt Siebert. Denn Hygiene ist auch für die Kelterei-Mitarbeiter das A und O.

Viel Arbeit für das kleine Team

Viel Arbeit für das kleine Team, dem nach Ansicht von Kreisfachberater Michael Stromer etwas ehrenamtliche Unterstützung nicht schaden könnte. Wer also in der Burkheimer Obstkelterei mithelfen möchte, ist immer willkommen. Noch einmal in dieser Saison öffnet die Kelterei des Golddorfs ihre Pforten. „Den Termin müssen wir aber nicht in die Zeitung schreiben. Wir haben schon so viele Anmeldungen, wir sind komplett ausgebucht“, verkündet Gottwald Siebert nicht ohne Stolz.

 

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