LICHTENFELS

Im Landkreis Lichtenfels fertigen Geflüchtete Masken an

Im Landkreis Lichtenfels fertigen Geflüchtete Masken
In Weismain näht Mary Osas Masken für die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft. Foto: Landratsamt

„Wir haben hier vieles empfangen, als wir nach Deutschland gekommen sind. Jetzt haben wir eine Möglichkeit, zum Ausdruck zu bringen, wie dankbar wir dafür sind“, unterstreichen Geflüchtete und Migranten ihre Motivation, mit der sie seit einiger Zeit in verschiedenen Orten im Landkreis Lichtenfels Nase-Mund-Schutz-Masken nähen. Sie möchten damit zeigen, dass auch sie gerne einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise leisten können und möchten, weiß die Integrationslotsin des Landkreises Lichtenfels, Karin Pfeiffer.

Damit die Produktion begonnen werden konnte, sammelten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, allen voran Gaby Berg von den Aktiven Bürgern Lichtenfels und Angelika Geyer von der evangelischen Kirchengemeinde Burgkunstadt, Material, wie beispielsweise Baumwollstoff, der bei 60 Grad waschbar ist, Gummibänder, Nähgarn und natürlich Nähmaschinen. Karin Pfeiffer half ebenfalls mit. Die drei Frauen wissen, wie sehr es den Geflüchteten am Herzen liegt, Unterstützung zu leisten.

Nach der Arbeit an die Nähmaschine

Eine große „Nähstube“ findet man in Burgkunstadt: Dort wurden innerhalb von zehn Tagen etwa 1000 Masken gefertigt – viele auch für den Bedarf in den Unterkünften für Geflüchtete.

Azad Schekho, der aus Syrien stammt und seit vier Jahren in Deutschland lebt, kommt täglich nach der Arbeit in einem Textilbetrieb, um dann ehrenamtlich weiter Mund-Nasen-Schutz zu nähen.

Zwei Syrerinnen sitzen den ganzen Tag an der Nähmaschine beziehungsweise stehen am heißen Bügeleisen – ohne etwas zu trinken oder zu essen, denn es ist Ramadan, und sie halten sich strikt an das Fastengebot: Nesrin Aldiri ist Mutter von fünf Kindern und lebt seit vier Jahren in Burgkunstadt, Safieh Alsayed Ahmast kam vor zwei Jahren nach Burgkunstadt.

Im Landkreis Lichtenfels fertigen Geflüchtete Masken
„Wir haben hier so viel Gutes und Hilfe erhalten, dass wir sehr gerne etwas zurückgeben und helfen wollen“: Hengame Ibra... Foto: LandratsaMT

Weiterhin engagieren sich dort ehrenamtlich mit großem Zeitaufwand das „ökumenische Tandem“ aus der evangelischen Religionslehrerin Angelika Geyer und Magdalena Simbürger, katholische Religionslehrerin im Ruhestand, die täglich von Kulmbach nach Burgkunstadt kommt, Mund-Nasen-Schutz mitbringt, den sie nachts zu Hause genäht hat, und dann in Burgkunstadt weiterverarbeitet.

Pfarrer Heinz Geyer sagt: „Es ist für mich faszinierend und sehr beeindruckend, wie hier Menschen aus verschiedenen Konfessionen, Religionen und Kulturen, mit verschiedenen Sprachen und Traditionen ganz einträchtig und fröhlich zusammenwirken – selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln.“

Angelika Geyer ist auch in Nicht-Corona-Zeiten pausenlos im Café Dialog aktiv und hält aktuell den Kontakt zu den Verteilstellen und den Personen, die nach Mund-Nasenschutz fragen. Es wurden alle Asylbewerberunterkünfte im Raum Altenkunstadt und Burgkunstadt sowie alle ansässigen Migranten mit selbstgenähten Masken versorgt. Außerdem liegt der Mund-Nasen-Schutz in Geschäften in Burgkunstadt aus oder wird für ältere Menschen direkt nach Hause geliefert.

Auf Wunsch mit Lieblingsmotiv

Auf Wunsch wird auch manchmal mit dem Stoff genäht, der für die „Kundschaft“ ein Lieblingsmotiv darstellt. „Die Dankbarkeit der Menschen ist groß und alle beteiligten Näherinnen und Näher freuen sich, so etwas Hilfe für andere in dieser schweren Zeit leisten zu können“, berichtet Angelika Geyer.

In Weismain näht Mary Osas Masken für die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft. Die aus Nigeria stammende Asylbewerberin lebt seit eineinhalb Jahren mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Weismain. Als Karin Pfeiffer sie fragte, ob sie Mund-Nasen-Schutz nähen würde, war sie sofort bereit dazu. Die Verteilung der Masken in der Unterkunft übernimmt die Hausverwaltung.

In zwei Tagen über 100 Masken

Hengame Ibrahimi, die zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern aus Afghanistan geflohen ist, lebt mit ihrer Familie – nachdem diese eine Aufenthaltserlaubnis bekommen hat - seit fast drei Jahren in einer eigenen Wohnung. Auch sie war sofort mit dabei, als Gabi Berg sie fragte, ob sie sich an der Aktion beteiligen würde: „Wir haben hier so viel Gutes und Hilfe erhalten, dass wir sehr gerne etwas zurückgeben und helfen wollen“, war Hengame Ibrahimis spontane Antwort, erinnert sich Gabi Berg. Die Familie fertigte binnen zweier Tage über 100 Masken an, die Gaby Berg und Karin Pfeiffer hauptsächlich in den Asylbewerberunterkünften im Stadtgebiet von Lichtenfels verteilten.

Im Landkreis Lichtenfels fertigen Geflüchtete Masken
Als Mitarbeiterin eines Pflegeheims in Lichtenfels hat die Chinesin Fengling Chan für die Bewohnerinnen und Bewohner und... Foto: rED

Helfen will auch die Chinesin Fengling Chan aus Weidnitz. Sie kam vor ziemlich genau sechs Jahren nach Deutschland, allerdings nicht als Flüchtling. Als Mitarbeiterin eines Pflegeheims in Lichtenfels hat sie für die genäht, für die in der Corona-Krise die Gefahr am größten ist: die Senioren und Pflegebedürftigen. Aber selbstverständlich hat Fengling Chan auch ihre Kolleginnen und Kollegen mit ihren Stoffmasken versorgt. Auch die aus Polen stammende Edyta Józek, die mittlerweile seit fast fünf Jahren in Bad Staffelstein wohnt, hat sich an der Nähaktion beteiligt, um für die Asylbewerber in den Unterkünften aber auch für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Bereich Asyl und Integration eine Mund-Nasenschutz-Maske zu fertigen.

Wie Integrationslotsin Karin Pfeiffer wissen lässt, werden seit rund vier Wochen Masken zum Binden oder mit Gummizug gefertigt, einfarbig oder mit Mustern, Typ „Halbrund“ oder „Eckig mit Faltung“. Momentan haben alle die dieselbe Größe. Modelle für Kinder sollen aber folgen.

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