WEISMAIN/ALTENKUNSTADT

Geschichte und Geschichten über den Kordigast

Geschichte und Geschichten über den Kordigast
Das Gasthaus zur Steinernen Hochzeit ist 150 Jahre alt. Foto: Andreas Motschmann

Der neue Keltenabenteuerspielplatz Spielwienix auf dem 537 Meter hohen Kordigast zwischen Weismain und Altenkunstadt ist seit seinem kurzen Bestehen sehr beliebt. Gerne blickt die Familie bei ihrem Ausflug danach vom Gipfelkreuz in die Ferne oder kehrt zur Erfrischung im Gasthof ein.

Am hinteren Kordigast, politisch der Stadt Weismain einverleibt, stand ursprünglich ein Schafstall. 1870 errichtete hier Heinrich Baier aus Woffendorf einen Berghof, heute das Gasthaus zur Steinernen Hochzeit. Auf seiner Internetseite wird das 150 Jahre alte Gasthaus als Erlebnishof am Kordigast vorgestellt. Neben Ferien auf dem Bauernhof und Urlaubsangeboten für Kids gibt es eine Wanderreitstation.

Namensgeber die Sage von der steinernen Hochzeit

Warum hat das Gasthaus diesen Namen? Die Sage von der Steinernen Hochzeit beschreibt: Ein Brautzug kam nicht rechtzeitig zum Mittagessen und wurde von der Köchin der Gesellschaft verwünscht. Danach fand man das Brautpaar und alle Verwandten in einer markanten Steinformation am Kleinen Kordigast. Diese Volkssage ist nicht einmalig. Vom Dornig bei Staffelstein wird Ähnliches berichtet.

Celine Geldhauser aus Isling war die erste Maibraut auf dem Kordigast. Beim Maitanz vor zwei Jahren wurde sie in diesem Traditionsgasthaus gekürt. Die Kordigast-Wirtin Elisabeth Göring wollte damit die Tradition der Maitänze wiederbeleben, die in den 1950-er und 1960-er Jahren viele Besucher auf den Berg gezogen hatten.

Bei der schriftlichen Erstbelegung vom Jahre 1376 gilt als alleiniger Grundherr am Kordigast das Kloster Langheim. Seit 600 Jahren existiert der Hof am vorderen Kordigast, der 1419 „vöide Korches“ hieß. Ab 1818 gehörte er mit neun Einwohnern zur Gemeinde Pfaffendorf und seit 1972 zur Gemeinde Altenkunstadt. Die höchste Einwohnerzahl wurde 1950 mit 19 Personen registriert.

Der Große und der Kleine Kordigast sind durch einen Sattel voneinander getrennt. Das „Klein“ bezieht sich auf die Fläche. Tatsächlich ist der Kleine Kordigast etwas höher.

Zwei Geschichten erzählen vom Gipfelkreuz

Geschichte und Geschichten über den Kordigast
Das frühere Gipfelkreuz auf dem Kordigast. Die Säule wurde mit einem 16-spännigen Fuhrwerk transportiert. Foto: Andreas Motschmann

Vom Gipfelkreuz hat man einen traumhaften Panoramablick über das Maintal, zum Thüringer Wald und bis ins Fichtelgebirge. Gleich zwei Geschichten erklären die Ursache für das Kreuz. In der ersten Erzählung wurde ein Schäfer mit seiner Herde in der Nacht vor dem Absturz bewahrt. In einer weiteren, bekannteren Geschichte wird vom Fuhrnickel berichtet.

Der Kutscher war oft auf dem alten Weg zu Füßen des Kordigasts unterwegs. Ab und zu gönnte er sich ein Nickerchen auf dem Kutschenbock, denn seine Pferde kannten den Weg. Einmal hatten die Pferde den gewohnten Weg verlassen und führten ihren Herrn bis an den Steilabhang des Bergplateaus. Die Tiere blieben aber am Rande des Abgrundes stehen und bewahrten den Fuhrnickel vor dem Tode.

Als der Mann erwachte, gelobte er an dieser Stelle ein Kreuz zu errichten. Die Säule wurde mit einem 16-spännigen Fuhrwerk auf den Kordigast transportiert und auf einem Sockel errichtet. Der Fuhrnickel ließ ein eisernes, vergoldetes Kreuz anfertigen, und damit krönte er sein Denkmal. So lange er lebte, verbrachte er den Jahrestag auf dem Kordigast. Erst vor 65 Jahren wurde die Säule durch ein schlichtes Holzkreuz ersetzt. Am 29. Juni 1955 wurde es durch Geistlichen Rat Lang eingeweiht.

„Kotigiß“, Kotirsberg“ und „Köttiges“ sind frühere Bergbezeichnungen

Mensch und Tier zog es immer wieder zum Kordigast hinauf. Deshalb hatte er im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche mundartlich geprägte Namen. Vom slawischen Personennamen Chotegost wird heute der Bergname abgeleitet. Bis ins 19. Jahrhundert finden wir Bergbezeichnungen wie „Kotigiß“, Kotirsberg“ und „Köttiges“. Aus dem am meisten gebräuchlichen „Kottigas“ und der Mundartform „Korches“ entstand Ende des 19. Jahrhunderts unsere heutige Bergbezeichnung. Kordigast gehört zu den in Nordostbayern nicht seltenen Namen slawischer Herkunft mit der Endsilbe -gast.

Durch Bergbau war der Kordigast waldfrei

Nicht immer war der Kordigast so bewaldet wie heute. In früheren Jahrhunderten gab es neben etlichen Einzelhöfen sogar eine Siedlung. Sie hieß Rudental. Die Einwohner betrieben Land- und Weidewirtschaft. Doch seit langem existiert dieser kleine Ort nicht mehr. Hinzu kam der Bergbau. Dadurch war der Berg lange Zeit gänzlich waldfrei.

Der Bergbau spielte zwischen 1718 und 1938 immer wieder eine wichtige Rolle. Höhepunkt war die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, als ein „Eisen-Boom“ im Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau am Obermain zu beobachten war. Halde und Stollen der ehemaligen Zeche „Concordia“ im Wald nordwestlich des Kleinen Kordigastes sowie im Grubenfeld „Maximilian“ im Wald nördlich des Großen Kordigastes erinnerten daran. Mangelnde Rentabilität sorgte 1938 für das Ende der 220-jährigen Bergbau-Ära am Kordigast.

Informationen wie Öffnungszeiten des Gasthauses zur Steinernen Hochzeit gibt es unter: www.erlebnishof-kordigast.de.

 

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