EBEN

Frühstück für Genießer auf dem Bio-Bauernhof in Eben

Frühstück für Genießer auf dem Bio-Bauernhof in Eben
Die 75 Milchkühe sowie 70 Jungtiere auf dem Bioland Hof Eben der Familie Tzschoppe interessierten Groß und Klein. Foto: Corinna Tübel

Genuss hat bekanntlich viele Facetten. Das gilt auch für viele der 20 Besucherinnen und Besucher des Bioland-Hofs der Familie Tzschoppe in Eben. Im Rahmen der Bio-Erlebnistage der Ökö-Modellregion Obermain Jura hatten diese zur Hofführung mit Bio-Frühstück eingeladen. Vielen wird sicherlich das reichhaltige morgendliche Buffet mit Lebensmitteln aus der Region aus kulinarischer Sicht in Erinnerung bleiben: So konnten sowohl Kinder als auch Erwachsene Roh- und abgekochte Milch vom eigenen Hof probieren. Dieser spendet zudem frische Eier und leckeren Apfelsaft. Auch den Honig liefern Bienenvölker, die auf dem Gelände leben.

Frühstück für Genießer auf dem Bio-Bauernhof in Eben
Ein reichhaltiges Frühstück mit Bio-Lebensmitteln aus der Region lockte viele Besucherinnen und Besucher auf den Bioland... Foto: Corinna Tübel

Während die Wurst etwa vom Naturlandhof Weiß in Laibarös kommt, fand der Käse im Coburger Milchhof seine Vollendung. Letzterer könne auch in einigen Supermärkten des Landkreises erworben werden, verrieten Bianca Faber, Projektmanagerin der Öko-Modellregion sowie Michael Stromer, Leiter der Umweltstation Weismain des Landkreises Lichtenfels und Kreisfachberater.

Während die Eltern sich austauschen, spielen die Kinder wie im Bilderbuch

Frühstück für Genießer auf dem Bio-Bauernhof in Eben
Das Hühnermobil kann versetzt werden und garantiert eine artgerechte und umweltschonende Haltung. Foto: Corinna Tübel

Schon während des Frühstücks herrschte eine lockere Atmosphäre: Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren solche, die Familie Tzschoppe schon kannten, andere hingegen waren zum ersten Mal auf dem Hof. Kinder aller Altersstufen spielten bald wie im Bilderbuch mit den Hofkatzen, kickten einen Ball oder streichelten die Hasen. Deren weiches Fell verlockte zum Schmusen. Unter den Erwachsenen entspann sich bald ein Austausch: Was bedeutet Bioland eigentlich? Was baut die Familie an? Wie schwer ist es, regional erzeugte Lebensmittel weiterverarbeiten zu lassen?

Direktvermarktung mit Besonderheit: Gänse-Aufzucht nur auf Bestellung

Frühstück für Genießer auf dem Bio-Bauernhof in Eben
Auf dem Bioland Hof Eben der Familie Tzschoppe werden so viele Martinigänse aufgezogen wie vorbestellt werden. Foto: Corinna Tübel

Auch die anschließende Hofführung mit interessanten Einblicken schuf ein weiteres Stück Klarheit: Die Lebensmittel, die auf dem Hof erzeugt werden, werden direkt vermarktet. So können etwa Eier und Nudeln im Eierhäuschen auf dem Gelände rund um die Uhr erworben werden. Vorbestellungen für Suppenhühner aus dem Hühnermobil, Jungrinder aus Schlachtungen oder Martinigänse sind ebenfalls möglich. Bei Letzteren hat Familie Tzschoppe aber eine Prämisse: „Die Kunden müssen lange im Voraus bestellen, weil wir nur so viele Gänse aufziehen wie vorbestellt werden.“

Das entspricht einer artgerechten Haltung ebenso wie die großen Weideflächen für die rund 75 Milchkühe sowie 70 Jungtiere und die Versorgung mit größtenteils eigenem Futter. Gespannt lauschten die Teilnehmenden den Erklärungen zum innerbetrieblichen Kreislauf auf dem Bioland Hof Eben, der rund 120 Hektar Ackerland umfasst. Seit dem 18. Jahrhundert ist dieser in Familienhand und wurde kürzlich gar durch den Zukauf eines nahen Hofs mit konventioneller Landwirtschaft erweitert. Der Prozess zur Umwandlung dessen in einen Bioland-Hof dauere an. „Die Vorschriften sind aber komplex und gehen weit über die EU-Bio-Richtlinien hinaus“, erklärt Janine Tzschoppe. „Außerdem ist der bürokratische Aufwand hoch.“

„Die Leute sollen wissen, dass sie mit Fragen, egal wann, immer auf uns zukommen können, nicht nur heute!“
Janine Tzschoppe, Bioland-Hof Eben

Während sie und ihr Mann an der Kuhweide vorbeiführten, kamen einige Frauen und Männer ins Grübeln: „Das hätte ich ja so nicht gedacht.“ Auch das Hühnermobil, das versetzt werden kann und eine artgerechte und umweltschonende Haltung garantiert, und der Milchvieh-Stall stießen auf Neugier bei Groß und Klein. Eine Teilnehmerin scheint aufgewühlt: „Und ich esse das einfach und sehe nicht, wie viel Arbeit manche Menschen damit haben, dass es auch wirklich Bio ist.“

Frühstück für Genießer auf dem Bio-Bauernhof in Eben
Janine und Marcus Tzschoppe führten über ihren Bioland Hof in Eben. Foto: Corinna Tübel

Ein visueller Genuss? Oder ein Umdenken? Die Bio-Erlebnistage der Öko-Modellregion Obermain-Jura sollen dazu dienen, Verbrauchern sowie allen Interessenten die Bio-Produkte aus der Region näherzubringen und sie zu informieren, wo und wie sie produziert, verarbeitet und vermarktet werden. Diese Öffentlichkeitsarbeit ist auch Betriebsleiterin Janine Tzschoppe besonders wichtig und betont immer wieder: „Die Leute sollen wissen, dass sie mit Fragen, egal wann, immer auf uns zukommen können, nicht nur heute!“

Das wünscht sich auch Michael Stromer, der durch die kleinteilige Strukturierung der Region verursachte Defizite in der ökologischen Bewirtschaftung von Flächen anspricht. Auch im Bereich der Grundnahrungsmittel im Lebensmitteleinzelhandel sei noch „Luft nach oben.“ Was jedoch der Vorteil ist: Interessierte können direkt auf den Hof zugehen und sich versorgen.

Welchen Wert die Lebensmittel aus der Region haben

Vermutlich werden das nach diesem Vormittag viele der Besucherinnen und Besucher machen: Einkaufen und weitererzählen. Denn an diesem Tag entstanden neben dem kulinarischen, visuellen und kindlichem Genuss sicherlich bei einigen auch die Delikatesse neuer Erfahrungen und Blickwinkel: Wo und wie Lebensmittel aus der Region kommen und welchen Wert diese besitzen.

Was ist Bioland?

Bioland ist ein Verband von Landwirten und Marktpartnern wie Bäcker, Metzger, Imker, Winzer oder auch Gärtner. Die Mitglieder und Partner arbeiten nach den Bioland-Richtlinien, die vom Saatgut bis zur Verpackung alle Schritte der Erzeugung und Verarbeitung abdecken.

Wer sich für Bioland entscheidet, sagt gleichzeitig Nein zu Gentechnik, Massentierhaltung, chemisch-synthetischen Stickstoff-Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Denn die Bioland-Bäuerinnen und Bauern und ihre Partner aus Lebensmittelhandwerk und -herstellung wirtschaften nach strengen Richtlinien. Diese gehen weit über den gesetzlichen Mindeststandard für Bio-Lebensmittel hinaus. (Quelle: www.bioland.de

 

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