BURGKUNSTADT

Friedrich-Baur-Grundschule wird Schule ohne Rassismus

Friedrich-Baur-Grundschule wird Schule ohne Rassismus
Hier sind alle willkommen: Der Friedrich-Baur-Grundschule in Burgkunstadt wurde das Prädikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen. Foto: Roland Dietz

Außergewöhnlich ist das Engagement von Schülern und Lehrern der Friedrich-Baur-Grundschule in Burgkunstadt. Mit einer außergewöhnlichen Titelverleihung wurden sie für den gesellschaftlich wichtigen Beitrag ausgezeichnet. So trägt die Grundschule jetzt den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.“ Bei einer Feierstunde auf dem Vorplatz wurde die Auszeichnung überreicht.

Rektorin Susi Krauß freute sich, dass die Schulamtsleiterin Stefanie Mayr-Leidnecker, Bürgermeisterin Christine Frieß, der evangelische Pfarrer Heinz Geyer und Projektleiterin Katrin Müller vom Bezirksjugendring Oberfranken zum Gratulieren gekommen waren. Mit dem passenden Lied „Im Land der Blaukarierten“, das das Thema Ausgrenzung kindgerecht beschreibt, begrüßte der kleine Schulchor unter Leitung von Religionslehrerin Angelika Geyer die Gäste. Zum Gemeinschaftsgedanken passte eine Skulptur mit Menschen, die sich einander mit Toleranz, Freundschaft, Hilfe, Demokratie, Courage, Liebe, Respekt und Zusammenhalt annehmen.

„Unsere Schule besteht aus einem bunten Miteinander verschiedenster Menschen – und gerade das macht sie wertvoll und zu einem besonderen Ort.“
Susi Krauß, Rektorin

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt von und für Schüler, die gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorgehen, erläuterte Susi Krauß. Sie leisten damit ihren Beitrag zu einer respektvollen, friedfertigen und demokratischen Gesellschaft. „Als 2015 die ersten Flüchtlingskinder an unsere Schule kamen, war die Bereitschaft zu helfen enorm“, berichtete die Rektorin. Nicht nur die Versorgung mit Schulmaterial, sondern auch die Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache oder die Integration in die Klassengemeinschaft gelangen schnell und in liebevoller, wertschätzender Weise. „Schnell ist allen klar geworden: Anders sein ist völlig normal! Und als wir genau hingeschaut haben und einmal ehrlich waren, stellte sich die Frage, sind wir nicht alle irgendwie anders? Unsere Schule besteht aus einem bunten Miteinander verschiedenster Menschen – und gerade das macht sie wertvoll und zu einem besonderen Ort“, betonte Susi Krauß.

Friedrich-Baur-Grundschule wird Schule ohne Rassismus
Die Auszeichnungsurkunde überreichte die Projektbegleiterin vom Bezirksjugendring Oberfranken, Katrin Müller, an Katja u... Foto: Roland Dietz

Ein im Schuljahr 2017/18 gegründeter Schülerrat, bestehend aus den Klassensprechern und einigen Mitgliedern des Kollegiums, machte sich dafür stark, dass menschliche Werte an der Schule mehr Bedeutung bekommen. So kam es zu der Bewerbung für die Aufnahme in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die federführend von den Kindern der 4. Klassen, in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde vorangebracht wurde.

Viele Flüchtlingen fanden nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimat

Die Schulleiterin wies darauf hin, dass in Burgkunstadt Flüchtlinge leben, die nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Viele Familien mussten während des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat fliehen, um sich vor Gewalt und Tod in Sicherheit zu bringen, und haben in Burgkunstadt ein neues zu Hause gefunden. „In dieser schlimmen Zeit des Nationalsozialismus wurde unser Schulhaus erbaut, und wer genau hinschaut, kann noch Spuren des damaligen, menschenverachtenden Regimes entdecken. Umso wertvoller, dass das Leben und Lernen in diesem Gebäude sich völlig anders gestaltet und durch den Beitritt in das Netzwerk 'Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage' auch ein nach außen sichtbares Zeichen, dass wir Fremde aufnehmen und unterstützen wollen, gesetzt wird“, sagte Susi Krauß.

Für die Kinder stelle es kein Problem dar, andere so zu akzeptieren wie sie sind und für Schwache oder Außenseiter einzutreten: „Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren Kindern! Gehen wir ohne Vorurteil wegen Herkunft, Hautfarbe, Glauben oder sozialem Staus auf andere zu! Bleiben wir neugierig auf sie, statt sie zu verurteilen, gegen sie zu hetzen! So bringen uns viele, gemeinsame kleine Schritte einem großen Ziel näher: Ein Land ohne Rassismus, ein Land mit Courage!“ Dazu sangen die Kinder den selbst getexteten Rap-Song „Schule ohne Rassismus.“

Friedrich-Baur-Grundschule wird Schule ohne Rassismus
Bildgeschenke gab's für Ali und Mohammed für ihre Mitarbeit beim Projekt und dieZusammenarbeit mit dem Begegnungsca... Foto: Roland Dietz

Rassismus kann jeden treffen

Es sei sehr wichtig, dass schon Kinder für eine bessere Welt eintreten, sagte Schulamtsdirektorin Stefanie Mayr-Leidnecker. Denn schon in der Schule werde die Frage gestellt, wie die Zukunft in unserem Land und unserem Lebensraum aussehen soll. Auch Bürgermeisterin Christine Frieß zeigte gegen Rassismus klare Kante: „Dabei werden Menschen wegen ihrer Hautfarbe in unterschiedliche Rassen eingeteilt und es wird sogar behauptet, es gäbe Unterschiede in Wesen und den Fähigkeiten. Wenn jemand dies behauptet, denkt er, jemand aus einer anderen Rasse kann nicht alles, was er selbst kann. Dann benachteiligt er diesen oder behandelt ihn nicht mit dem gebotenen Respekt.“ Rassismus könne jeden Menschen treffen. Auch Fremdenfeindlichkeit sei eine Form des Rassismus. Ursachen seien meist Angst vor dem Fremden, um Besitz oder vor Machtverlust. Die Schüler hätten das Klima an der Friedrich-Baur-Grundschule mitgestaltet, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt und damit gegen Rassismus wenden, sagte die Bürgermeisterin. Sie dankte allen, die dieses Engagement möglich gemacht hatten, besonders Angelika Geyer als Hauptinitiatorin.

Angelika Geyer berichtete, dass die Schüler der 4. Klassen sich im Religionsunterricht mit Begriffen wie Rassismus und Courage befasst haben. Dabei wurde die Verschiedenheit der Menschen festgestellt – etwa beim Fußballspiel oder bei der Mode. Für alle Klassen haben die Schüler die Begriffe Rassismus und Courage in einem Brief erklärt und ihre Begeisterung für das Thema an die gesamte Schulfamilie weitergegeben. Sie sammelten 173 Unterschriften für die Bewerbung um den Titel. „Das war ein starkes Bekenntnis zu einem Miteinander“, betonte Angelika Geyer. Als Paten wollten sie Paul Maar („Das Sams“) gewinnen, dessen Bücher sie lieben.

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Die Enthüllung der Schrifttafel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Portal der Friedrich-Baur-Grundschule. Foto: Roland Dietz

Auszeichnung als zweite Grundschule in Oberfranken

Die Schüler setzten sich mit vielen Fragen auseinander: Warum müssen Kinder fliehen? Wie ist das mit der Flucht? Was passt in einen Fluchtkoffer? Was müssen die Menschen zu Hause lassen? Wie gefährlich ist die Flucht? Wie ist das Ankommen in einem anderen Land? Wie geht es weiter für sie? Die Antworten wurden auf Plakaten festgehalten. Unter dem Motto „Unsere Schule ist bunt“ haben Lehrer und Schüler ein Abc zum Thema Courage gestaltet. Eine wichtige Erfahrung war die Zusammenarbeit mit dem „Café Dialog“, dem Begegnungscafe der evangelischen Kirchengemeinde. Dort tauschten die Schüler sich mit Migranten aus, fertigten Schutzmasken, das Banner „Herzlich Willkommen“ und Buttons. Die Migranten Ali und Mohamed, die im „Café Dialog“ mitarbeiten, erzählten von ihren Erfahrungen mit Rassismus. Ali ist 22 Jahre alt, kommt aus Eritrea und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Er arbeitet als Altenpfleger, doch ohne Unterstützung wäre das kaum möglich gewesen. Mohammed stammt aus Syrien, wo er vor Krieg und Terror geflohen ist. Nach drei Jahren in Deutschland und einer Ausbildung in einem Restaurant sieht er optimistisch in die Zukunft. Er hofft auf ein besseres Zusammenleben in Deutschland wie in seinem Heimatland und freut sich schon jetzt auf die nächsten Treffen im „Café Dialog.“

Zeichen für Toleranz und Miteinander setze „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in ganz Deutschland, erklärte Katrin Müller vom Bezirksjugendring Oberfranken. 3000 Schulen in Bayern und 86 in Oberfranken beteiligen sich bei dem Projekt. Die Friedrich- Baur-Grundschule ist erst die zweite in Oberfranken. Der Bezirksjugendring Oberfranken hat die Regionalkoordination für das bundesweite Projekt übernommen und ist erster Ansprechpartner für alle Courage-Schulen aus Oberfranken. Unter Beifall überreichte sie den Schülerinnen Katja und Lena die Auszeichnungsurkunde. Die Schülerinnen enthüllten die am Schulgebäude angebrachte Tafel mit der Aufschrift „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.“ Projektpate Paul Maar meinte: „Wir leben in einem Land, wo doch alle Platz haben sollten.“

 

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