BURGKUNSTADT/LICHTENFELS

Franken und Bayern: ein „besonderes Verhältnis“

Prachtbau der Wittelsbacher: Schloss Schleißheim. Foto: Roland Dietz

Wie hat sich das Verhältnis von Franken zu Bayern entwickelt und wie ist es historisch zu sehen? Diese Fragen beantwortete Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold in seinem Online-Vortrag beim Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) vor über 250 Teilnehmenden. Es waren – wie angekündigt – „Anmerkungen zu einem besonderen Verhältnis“.

Franken und Bayern: ein „besonderes Verhältnis“
Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold beim Vortrag. Foto: Roland Dietz

Im frühen Mittelalter gab es zwei große Adelsgeschlechter: In Franken waren die Andechs-Meranier zuhause, in Altbayern waren die Wittelsbacher das Zentrum von Macht und Einfluss. Die Andechs-Meranier stammten zwar aus Bayern, wurden aber in Franken als Mitglieder der Reichsaristokratie sesshaft. Sie waren für ihre Zeit ein europäisches Geschlecht, das aber schon mit dem frühen Mittelalter verschwand. In Niesten bei Weismain starb der Letzte des Geschlechtes 1248. Die Grablege befand sich in der nicht mehr existenten Klosterkirche in Klosterlangheim.

Die Wittelsbacher stellen die Herzöge von Bayern

Die Wittelsbacher behaupteten ihre Stellung seit dem Frühmittelalter. Nicht nur in München waren sie ansässig, auch in Straubing oder Landshut hatten sie sich ausgebreitet. In Bayern herrschte der Adel aus München heraus. Die Wittelsbacher stellten die Pfalzgrafen, später auch die Herzöge und Kurfürsten von Bayern.

Dies war in Franken anders, was im Besonderen die Domkapitel Bamberg und Würzburg belegen, wo Fürstbischöfe regierten. Ansbach und Bayreuth waren wiederum preußisch geordnet und gehörten schnell zur bayerischen Noblesse. Außerdem gab es Rittergüter.

Franken war viel kleinteiliger als Bayern

Franken und Bayern: ein „besonderes Verhältnis“
Eine alte fränkische Münze. Foto: red

Franken war also in diese Hinsicht kleinteiliger. So kam es zu Streitigkeiten, die heute noch bekannt sind, etwa um das Schankrecht, was zu regelrechten Bierkriegen ausuferte. Man war untereinander nicht verfeindet, aber jeder forderte sein Recht ein. Ein jeder Ritter oder Abt wollte nach Möglichkeit sein eigenes kleines Versailles haben.

Der Zusammenbruch Preußens im Krieg gegen Napoleon besiegelte das Ende der fränkischen Herrschaftsgebiete. Franken gehörte spätestens ab 1806 zu Bayern mit seinem König Ludwig, einen Wittelsbacher. Die kleinen Gebietsschaften in Franken mussten „über die Klinge springen“.

München wurde ganz gezielt zur Metropole gemacht

In Altbayern wurde München ganz gezielt zur Metropole gemacht. Franken zog es nach München, wo sie die „bayerischten Bayern“ wurden. München explodierte geradezu; am Aufschwung hatte es den 12-fachen Anteil, Franken nur den dreifachen.

Diese Entwicklung sei bis heute spürbar, selbst im Fernsehen. Sendereihen des Bayerischen Rundfunks bezögen sich fast ausschließlich auf das südliche Altbayern. Ober- und Mittelfranken nähmen hier einen geringen Anteil ein. Selbst Berichten aus Südtirol werde mehr Übertragungszeit eingeräumt als welchen aus Franken.

„Sie sind für Bayern wichtig, die gewürfelten Franken.“
Prof. Günter Dippold, Bezirksheimatpfleger
Franken und Bayern: ein „besonderes Verhältnis“
Der ehemalige deutsche Justizminister und gebürtiger Lichtenfelser Thomas Dehler sah die Vormachtstellung Bayerns gegenü... Foto: red

Doch zeige sich auch, dass Franken sich selbst oft schlecht präsentiert. In Oberbayern werde mit den vorhandenen Ressourcen achtsam umgegangen. Dagegen werde durch Infrastruktur und Autobahnen in Franken immer mehr Landschaft verunstaltet. Dies habe schon mit Ungeist und einer gewissen Selbstaufgabe zu tun, kritisierte Dippold. Berühmte Franken wie Thomas Dehler oder Ennoch zu Guttenberg hätten dies schon vor längerer Zeit festgestellt.

Die bayerische Verfassung wurde 1919 in Bamberg verabschiedet. Damit hätte Franken anlässlich 100 Jahren Freistaat und damit bayerischer Demokratie ein größeres Dankeschön verdient gehabt. Bayern brauche Franken. Das Ganze sei auch als eine glückliche Vereinigung von Gemüt und Verstand gewesen. „Sie sind für Bayern wichtig, die gewürfelten Franken. Wie wichtig das sein kann, sollte mehr beachtete werden, auch von den Franken selbst“, schloss Günter Dippold seinen Vortrag.

Schlagworte