BURGKUNSTADT

Folgen der Pandemie für junge Menschen von Regens Wagner

Fröhliche Runde: Ein Teil der Wohngruppe mit den Mitarbeitern Sonja Herzog und Marcus Schießl. Foto: red

Seit einem Jahr stellt Corona das Leben aller Menschen auf den Kopf. Die Folgen der Pandemie gibt es auch in der Kinder und Jugendgruppe Benjamin zu spüren. Sabine Schubert, Gesamtleiterin von Regens Wagner, brichtet.

„,Hat man, wenn es im Hals kratzt, Läuse oder Corona?' Diese Frage stellte so in etwa eine Jugendliche der Gruppe Benjamin. Seit circa einem Jahr begleitet auch die Jugendlichen im heilpädagogischen Kinderwohnheim bei Regens Wagner Burgkunstadt die Pandemie. Wie andere Jugendliche finden die sieben Bewohner Corona ,blöd'. Auf meine Frage, was besonders schwierig ist, kommen spontan viele Antworten: ,Ich kann nicht so oft heimfahren', ,Mein Papa kann nicht kommen, weil die Hotels zu haben.'

Ferienfreizeit? Nichts war es.

Der Vater des Jungen hat nämlich eine weite Anreise. ,Unsere Ferienfreizeit ist ausgefallen', ,Und das nur wegen einer Fledermaus in China', ,Immer, wenn ich daheim war, muss ich getestet werden', ,Quarantäne ist doof'. Die Mitarbeiterin Lisa Schneider verrät mir, dass die Jugendliche K. sich große Sorgen um ihren Vater macht, der schwer krank ist, und den sie auch deshalb nicht oft sehen kann. K. weiß übrigens ganz sicher, dass der Virus männlich ist, spricht sie doch immer vom ,Herrn Corona“.

Bewohner K. erklärt, dass er immer Besuch von seiner Oma und seiner Mama gemeinsam bekam. Beide wohnen nicht zusammen und kommen regelmäßig mit dem Zug nach Burgkunstadt. Aufgrund der Regel mit den zwei Haushalten ist dies nicht mehr möglich. Deshalb sei er traurig und vermisse auch die Oma sehr. Sicherheit gibt allen die zuverlässige Begleitung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die oft auch mal trösten und vom Vermissen der Angehörigen ablenken. Gewöhnt haben sich die Pädagogen zwar an die Maskenpflicht, bedauern aber, ihre Mimik nicht wie normal in die tägliche Begleitung der Jugendlichen mit einfließen zu lassen. Gesichtszüge wie ein Lächeln, mal ein strengerer Blick aber auch die Lippenbewegungen beim Reden waren vor Corona nicht wegzudenken in der heilpädagogischen Begleitung und Bildung. Eine Ausnahme gibt es jedoch, verriet mir Frau Herzog mit grinsenden Augen: ,Manchmal muss man schon lachen, auch wenn es grad nicht passt. Wenn man zum Beispiel überrascht wird von der Schlagfertigkeit Einzelner. Dies kann jetzt leichter verborgen werden'.

Verlässliche Tagesstruktur

Ein weiterer Punkt, der Sicherheit bietet, ist eine verlässliche Tagesstruktur. Zum Glück darf die Schule bei Regens Wagner Burgkunstadt fast normal stattfinden und nicht über EDV-unterstützte Methoden wie in den anderen Schulen. Lediglich die Klassenzusammensetzung hat sich etwas geändert. Da die persönlichen Kontakte, soweit es geht, minimiert werden müssen, wurden die Klassen analog den sechs Wohngruppen organisiert.

Dieser Aufwand lohnt sich, da im Falle einer Infektion die Gefahren und Anstrengungen einfach zu groß sind. Dennoch fordert er auch Opfer. Freundschaften, die für jeden Einzelnen so wichtig sind, können so viel weniger gepflegt werden. Und das Miteinander mit immer den gleichen Menschen über Monate hinweg kann wie in einer Familie zur Herausforderung werden.

D. kann in der weiteren Diskussion der Krise aber auch was Gutes abgewinnen. Besonders die Digitalisierung hat es ihm angetan. Mit Hilfe von Aktion Mensch konnte in der Gruppe Benjamin ein Wlan-Netz aufgebaut werden. D. skypt jetzt öfters mit seiner Mutter und freut sich riesig über die neue Technik. Dies konnten mir dann auch andere Jugendliche und die Mitarbeiter bestätigen. Begeistert sprachen fast alle von Spielen, die sie am Tablet machen können. Auch DVDs werden gerne angeschaut.

Herr Schießl mit Dominik und Lukas am während eines Spiels. Foto: RED

Gruppenleiter Marcus Schießl spricht in diesem Zusammenhang von anderen Aktivitäten in der Tagesgestaltung. Die Gruppe ist leider nicht mehr so viel in der Stadt unterwegs. Sie machen aber andererseits wieder mehr Gesellschaftsspiele. Als ausgebildeter Deeskalationstrainer und langjähriger Mitarbeiter nimmt er wahr, dass der Alltag im Moment sehr für Spannungen und mehr Konflikte sorgt. Die zu lösen oder zu verhindern ist eine große pädagogische Herausforderung. Sowohl die Lehrkräfte wie das Wohngruppenpersonal motivieren mit ihrer Begleitung zum Durchhalten in der Pandemiesituation.

Im weiteren Gespräch kommen wir auch auf die Themen Impfung, Quarantäne, Abstand halten, Schnelltests. Fast jeder hat eine Meinung dazu. Dies alles diskutieren wir lebhaft, teilweise sogar fröhlich am Esszimmertisch. Ich erfahre, dass die Schnelltests unangenehm sind, aber wichtig, wenn man von zu Hause wieder kommt. Impfen wird als was Positives gesehen. Kann man sich doch dann wieder treffen und vielleicht sogar eine mehrtägige Freizeit unternehmen. Froh sind alle über den schönen Garten und die Spielgeräte, die jetzt bald wieder genutzt werden.

Dankeschön für das Durchhalten

Neugierig schaut die Bewohnerin A. während meines Besuchs immer wieder aus dem Fenster, ob vielleicht jemand von den Freunden draußen ist, den man auf Abstand mal ansprechen kann. Ich danke am Ende meines Besuches allen für das Durchhalten und in der Pandemie und das Verständnis für die vielen Maßnahmen.“

 

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