ALTENKUNSTADT

Fasching früher in Altenkunstadt: Capri-Fischer und Piraten

Faschin in Altenkunstadt: Capri-Fischer und Piraten
Faschingsvergnügen mit Polonaise wie der „Ball der Vereine“ in Altenkunstadt - aktuell unvorstellbar. Foto: Dieter Radziej

Eigentlich wäre es jetzt die Zeit des „Faschingsendspurts“. Nach dem hoffnungsvollen Neubeginn des „Rosenmontagsballs der Vereine“ in Altenkunstadt hätte er heuer zum zweiten Mal stattfinden sollen. Aber wegen Corona kam es anders.

Früher sorgten vor allem die großen Ortsvereine von Altenkunstadt für eine Belebung des Faschingsgeschehens. Erinnert sei nur an den Turnball, den Fußballerfasching, den Schützenball oder den Faschingsball des Markgrafenclubs. Auch in den Gastwirtschaften, beispielsweise bei den Geschwistern Müller, heute „Zum Preußla“, wurde gefeiert. Als das Faschingsmotto „Der Sheriff von Minnesota“ gewählt wurde, blieb dieser Name an einem Gast hängen, der ihn später auch im Alltag nicht mehr los wurde.

Kordigasthalle eröffnet neue karnevalistische Möglichkeiten

Faschin in Altenkunstadt: Capri-Fischer und Piraten
Die farbenfrohen Bilder wecken Erinnerungen an sorglose Feste. Foto: Dieter Radziej

Unvergessen auch die „Capri-Fischer“, auch weil der Treppenaufgang für die Boote etwas zu knapp bemessen war. Sie wurden an der Hauswand hochgehievt und durch die Fenster in den „Preußla“-Saal gereicht. Oder als ein maritimes Motto gewählt worden war, Seeräuber die Räumlichkeiten enterten und anschließend mit ihren Piratenbräuten in der Strohballenlandschaft verschwanden. Fast jede Gastwirtschaft hielt in dieser Zeit ihren Hausfasching oder Faschingsrummel ab, und auch der „Faschingskehraus“ fehlte nicht.

In einer halben Stunde keine Sitzplatzkarten mehr

Ganz neue gesellschaftliche Möglichkeiten eröffneten sich mit dem Bau der Kordigasthalle. Hier wurde etwa der „Fußballerfasching“ gefeiert. Der karnevalistische Höhepunkt schlechthin entstand aber erst, als sich 16 Ortsvereine zusammentaten und den „Ball der Vereine“ veranstalteten.

In den Anfangsjahren waren beim Kartenvorverkauf, der in im Rathaus der Gemeinde stattfand, nicht selten schon nach einer halben Stunde fast alle rund 700 Sitzplatzkarten weg. Wenig später hieß es dann auch bei den Stehplatzkarten „ausverkauft“. Wer da nicht schnell war, dem konnten die Freiwilligen Feuerwehren, die für den Ordnungsdienst verantwortlich zeichneten, keinen Einlass mehr gewähren. Rund 1000 Besucher füllten dann die Dreifachturnhalle. Das Veranstaltungsteam bemühte sich, mit Auftritten von Prinzenpaaren, Funkenmariechen und Prinzengarden für eine zusätzliche Bereicherung zu sorgen. Beliebt war auch die Tanzgruppe des Turnvereins von Altenkunstadt, die das Publikum nie ohne Zugaben ziehen ließ.

Faschingsumzüge in Altenkunstadt, Maineck und Prügel

Faschin in Altenkunstadt: Capri-Fischer und Piraten
Faschingsfans bleibt derzeit nur die Hoffnung aufs nächste Jahr. Foto: Dieter Radziej

Auch Faschingsumzüge gab es in schöner Regelmäßigkeit. Festwagen stellten neben der Gemeinde-Mannschaft – also der Rathausbesatzung und dem Bauhof – Vereine und Schulklassen. Aufgespießt wurde jede Menge Themen, etwa die Wahlen und dabei besonders die Bürgermeisterwahlen, die Atomkraft, ein „Bettenklau“, oder Alten- kunstadt als Urlaubsort. Auch das Statussymbol, der „Hefenkloß“, fehlte nicht. Alle Teilnehmer waren kostümiert, und mancher Zuschauer musste lange überlegen, wer sich hinter welcher Masken verbarg.

Fasching heuer zumindest online möglich

Einen Gaudiwurm, allerdings in einer etwas kleineren Ausführung, gab es viele Jahre auch in Maineck und Prügel. Eine ganze Reihe von Kinderfaschingsveranstaltungen besteht noch heute. Am Faschingsdienstag fand das närrische Geschehen mit dem Kinderfasching seinen Abschluss, und der Bonbons-Regen erfreute sich allseitiger Beliebtheit.

Im vergangenen Jahr gab es beim „Ball der Vereine“ nach einer schöpferischen Pause einen erfolgreichen und ermutigenden Neubeginn, sodass die Absicht bestand, aus dieser Veranstaltung wieder eine bleibende Einrichtung zu machen. Doch Corona hat diese Faschingsfreuden abrupt zunichte gemacht. Bleibt nur die Hoffnung, dass diese Zeit bald zu Ende geht und sich die Mitglieder der Vereine wieder zusammenfinden können, um ihre Jahreshauptversammlung abzuhalten, in geselliger Runde feiern und dabei vielleicht den Alltag etwas vergessen. Zumindest ist dank der modernen Technik Fasching online möglich – Helau!

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