ALTENKUNSTADT

Endlich wieder Gottesdienst im Landkreis Lichtenfels

Pfarramtssekretärin Sabine Krausche (re.) und Kirchenvorstandsmitglied Anna Krausche zählen mittels Strichlisten die Gottesdienstbesucher. Um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus möglichst klein zu halten, dürfen nicht mehr als 25 Personen an der Feier teilnehmen. Foto: Bernd Kleinert

Bernd Kleinert berichtet seit Jahrzehnten für unsere Redaktion aus der Heimat. Sachlich, zuverlässig und punktgenau. Dieser Artikel kommt ganz vom Herzen. Denn der gläubige Christ berichtet vom ersten Gottesdienst nach der Corona-Pause. Ein Termin, der ihm sehr wichtig ist:

„Sonntagmorgen kurz vor halb zehn. Der Himmel über Altenkunstadt ist bedeckt, es sieht nach Regen aus. Mit dem Gesangbuch in der einen und meiner in einer Schutzhülle steckenden Mund-Nase-Maske in der anderen Hand mache ich mich auf den Weg in Richtung Kreuzbergkirche. Aber brauche ich überhaupt ein Gesangbuch? Vermummt lässt es sich doch sowieso nicht singen.

Nur 25 Plätze sind frei

Egal, in der Zeitung steht, man soll sein eigenes Buch mitbringen, also mach ich das. ,Du bisd obä früh dro', ruft mir eine Nachbarin zu. Ja, das bin ich. Denn es ist der erste Gottesdienst nach einer von der bayerischen Staatsregierung verordneten wochenlangen Zwangspause. Das Coronavirus hat auch vor den Kirchen nicht Halt gemacht. Ich weiß, es wird kein normaler Gottesdienst, so wie ich ihn gewohnt bin. Nur 25 Plätze im Abstand von zwei Metern stehen im Gotteshaus den Gläubigen zur Verfügung. Ist diese Zahl erreicht, wird die Kirche geschlossen. Bin ich also Nummer 26, muss ich womöglich damit rechnen, vor verschlossenen Türen zu stehen. Nach acht Minuten erreiche ich das evangelische Gotteshaus. Ich hole noch mal tief Luft, lege meine Mund-Nasen-Bedeckung an und gehe rein.

Pfarramtssekretärin Sabine Krausche und Kirchenvorstandsmitglied Anna Krausche stehen am Haupteingang. Sie führen eine Strichliste, schließlich darf die zugelassene Besucherzahl nicht überschritten werden. ,Wenn du willst, kannst du dich dort ans Fenster setzen', bietet Waltraud Fischer mir einen Platz an. Die stellvertretende Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes gehört zum Sicherheitsteam, das auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften achtet.

Nutzt man sonst die Minuten vor dem Gottesdienst, um seinen Platznachbarn flüsternd zu fragen, wie es ihm denn so gehe, so herrscht heute weitgehend Stille. Man nickt oder winkt sich kurz zu. Die Kerzen im Altarraum brennen nicht. Eine merkwürdige Stimmung. Das ändert sich, als zum vertrauten Klang der Kirchenglocken Pfarrerin Bettina Beck mit der brennenden Osterkerze den Kirchenraum betritt.

Der bekannte Osterchoral ,Christ ist erstanden' schallt von der Orgelempore, während die junge Seelsorgerin an der Osterkerze die Altarkerzen entzündet. Was bei der Auferstehungsfeier am Ostersonntag hätte geschehen sollen, wird jetzt nachgeholt.

Der heutige Sonntag trägt den Beinamen ,Kantate', was übersetzt ,Singet' bedeutet. Im evangelischen Kirchenjahr ist er der Kirchenmusik gewidmet. Und ausgerechnet an diesem Tag werden nur zwei Lieder gesungen? Pfarrerin Beck begründet dies mit den Masken, die das Atmen erschweren.

Sie bittet uns sogar, leise zu singen oder die Melodie einfach nur mitzusummen. Dafür werden wir aber von Valentina Backert musikalisch verwöhnt. Die Organistin und Kirchenchorleiterin interpretiert mit schöner Stimme das beschauliche ,Liebe ist nicht nur ein Wort' sowie ein Lied speziell für die Mütter. Denn heute ist nicht nur ,Kantate', sondern auch Muttertag. Aufmunternde Worte der Hoffnung in Krisenzeiten findet Bettina Beck in ihrer Predigt, der ein Text aus dem Alten Testament zugrunde liegt. Vier Frauen und Männern aus der Gemeinde, die in den Wochen ohne Gottesdienst verstorben sind, gedenkt man in den Fürbitten und zündet für sie Kerzen an.

Mit Segen und zwei Choral-Strophen

Mit dem Segen und zwei Strophen des Chorals ,Wie lieblich ist der Maien' endet der erste Gottesdienst in der neuen Corona-Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, mit der wir vermutlich noch monatelang leben müssen. Dass dann immer nur eine kleine Gottesdienst-Gemeinde zusammenkommen wird, ist für Pfarrerin Bettina Beck von zweitrangiger Bedeutung. Sie erinnert an das Bibelwort ,Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen'.

Unter Beachtung des Zwei-Meter-Abstandes verlassen wir nach und nach die Kirche. Wieder im Freien und in sicherer Entfernung zu anderen Besuchern befreie ich mich von der Mund-Nase-Bedeckung und atme erst mal tief durch. Aaah, tut das gut.“

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