BAIERSDORF

Ehrenamtler halten FC Baiersdorf am Leben

Gehört zum Hygienekonzept: die Eintrittskasse mit Kontaktdatenerfassung.Fotos: FC Baiersdorf

Mit der sofortigen Aussetzung des Spielbetriebs und Trainingsbetriebs Anfang März 2020 durch den Bayerischen Fußballverband (BFV) und die Staatsregierung hat sich auch für den FC Baiersdorf auf einen Schlag alles geändert und die Jahresplanung komplett über den Haufen geworfen.

Nachdem sowohl im Jugend- als auch Erwachsenenbereich die Wintervorbereitung inklusive Freundschaftsspielen noch komplett durchgezogen werden konnte, durfte bereits das erste reguläre Saisonspiel nach der Winterpause nicht stattfinden.

Aktion „Einkaufen für Baiersdorf“ ins Leben gerufen

Da somit auf einmal unsere Spielerinnen und Spieler befreit von ihrem liebsten Hobby, dem Fußball, in Verbindung mit den Kontaktbeschränkungen und der Ausgangssperre viel Zeit hatten und sich in dieser besonderen Situation für das Gemeinwohl, insbesondere die Dorfgemeinschaft in Baiersdorf, einsetzen wollten, wurde von einigen Spielern die Aktion „Einkaufen für Baiersdorf“ ins Leben gerufen. Dabei wurden wir insbesondere vom FC Fischbach aus dem Landkreis Kronach, der in unserer Liga spielt, inspiriert.

Im Rahmen dieser Aktion haben wir für alle Mitbürger, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen wollten, Lebensmitteleinkäufe übernommen, Pakete zur Post gebracht und Medikamente geholt.

Besonders gefreut hat uns, dass neben unserem Nachbarverein, dem FC Altenkunstadt/Woffendorf, auch weitere Vereine nachgezogen haben – wir glauben, das zeigt, dass die Fußballerinnen und Fußballer sich auch über den Sport hinaus stark in die Gesellschaft einbringen und ein wertvoller Bestandteil dieser sind.

Um unseren Mitgliedern während des ausgesetzten Trainingsbetriebs ein sportliches Angebot zu bieten, haben wir über eine Online-Plattform einmal wöchentlich ein virtuelles Training mit Kraft-, Koordinations- und Stabilisierungsübungen durchgeführt. Angeleitet von einer Physiotherapeutin wurden dabei sowohl die jüngsten aus unserer Bambini-Mannschaft über die Herren- und Damenmannschaft sowie sogar einige Mitglieder der Altliga ins Schwitzen gebracht. Auch die Heiners Traumelf, die Integrationsmannschaft des FC Baiersdorf, die zusammen mit Regens-Wagner Burgkunstadt betrieben wird, hat mitgemacht.

Nachdem im Juni seitens der Staatsregierung das Training in Gruppen bei Erwachsenen wieder erlaubt wurde, haben wir damit einmal wöchentlich auf freiwilliger Basis gestartet. Dabei durften Anfangs nur fünf, später zehn Personen, in einer Gruppe trainieren, und Abstände mussten eingehalten werden. Zudem durfte keine Fußballpartie an sich gespielt, sondern nur Übungen ausgeführt werden, in denen Abstände eingehalten werden konnten.

So begrenzte sich das Fußballtraining auf Passübungen, Torschüsse, Laufeinheiten und Kraft- beziehungsweise Koordinationstraining. Vor allem das Koordinationstraining war für einige nach der langen Pause mal wieder eine recht hohe Hürde, was oftmals für Belustigung sorgte.

Duschen und Kabinen mussten geschlossen bleiben

Um das Training ausführen zu können, mussten wir ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeiten. So mussten Duschen und Kabinen geschlossen bleiben, sowie Bälle und sämtliche Trainingsgeräte nach Benutzung desinfiziert werden.

Vereinsamt: das Vereinsgelände des FC Baiersdorf. Foto: FC Baiersdorf

Am 20. Juli konnten wir dann unter den bekannten Auflagen mit der Vorbereitung auf die restliche Saison sowie ab 2. August endlich auch mit Freundschaftsspielen (ohne Zuschauer) starten und durften dabei auch die Kabinen (nicht aber die Duschen) wieder öffnen. Auch die Jugendmannschaften durften wieder trainieren, haben aber wie in den Vorjahren auch die Sommerferien noch abgewartet und erst im August damit angefangen.

Leider mussten wir unsere Damenmannschaft vom Spielbetrieb abmelden. Da in der Mannschaft nicht wenige Mädels in systemrelevanten Berufen arbeiten und das zusätzliche Infektionsrisiko verständlicherweise nicht in Kauf nehmen wollten, waren schlichtweg nicht mehr ausreichend Spielerinnen vorhanden. Dabei muss aber auch ehrlicherweise zugegeben werden, dass bereits vor der Krise die Personallage schon eng war – Corona aber den Rest dazu beigetragen hat.

Statt Ligapokal fanden Freundschaftsspiele statt

Am 6. September war schließlich die Wiederaufnahme des Spielbetriebs mit einen neuen Ligapokal durch den BFV geplant – da jedoch durch die Staatsregierung noch keine Zuschauer erlaubt wurden, wurden die ersten Spiele durch den BFV abgesagt. Stattdessen wurden wieder Freundschaftsspiele ausgemacht.

Am 20. September sollte somit das erste Ligaspiel als Heimspiel mit Zuschauern stattfinden. Dafür mussten wiederum unzählige Vorbereitungen getroffen werden: jeweils eigene Hygienekonzepte für Spielbetrieb und Gastronomie, Kennzeichnung von Laufflächen, Abstandsmarkierungen, Anschaffung von weiteren Desinfektionsmitteln, Aufstellen von Hinweisschildern, Anfertigung von Plexiglasscheiben für die Bratwurstbude und vieles mehr. Zudem mussten von jedem Zuschauer Name und Kontaktdaten erfasst werden.

Schlussendlich kam es, wie es kommen musste: unser erstes Heimspiel wurde wegen eines Corona-Verdachtsfalles beim Gegner abgesagt. So konnten wir erst eine Woche später wieder mit einem Heimspiel starten, welches ohne Zwischenfälle und dank unserer Ehrenamtlichen gut ausgeführt wurde und wir einen Sieg feiern konnten. Auch die Jugendmannschaften starteten dann in den Spielbetrieb.

Spielbetrieb endete nach einem Auswärtsspiel

Leider endete für uns nach einem Auswärtsspiel am 18. Oktober schon der ganze Spielbetrieb wieder: Nach Hochsetzen der Corona-Ampel auf „rot“ im Landkreis Lichtenfels hielten wir es für nicht mehr verantwortlich, Fußballspiele auszuführen und sagten die vier noch anstehenden Begegnungen im Jahr 2020 ab.

Auch der Trainingsbetrieb wurde sowohl in den Herren- als auch Jugendmannschaften vorerst abgebrochen. Hier steht einfach die Gesundheit aller an erster Stelle, schließlich leben wir als Amateure anders als Profifußballer nicht vom Fußball, sondern gehen „normalen“ Berufen nach.

Zwei Wochen später unterbrach auch der BFV mit Ausrufung des Lockdowns den Spielbetrieb. Seitdem ist das Vereinsleben fast wieder bei null.

Jedoch haben wir auch wieder die Aktion „Einkaufen für Baiersdorf“ gestartet. Im Dezember planen wir zudem an den Adventswochenenden einen Straßenverkauf von selbst gebackenen Plätzchen, Eierlikör und Glühwein, wenn es die Infektionslage und die staatlichen Auflagen erlauben – dazu laden wir jeden recht herzlich ein!

Dank Aschenplatz sehr gut aufgestellt

Wie es sportlich weitergehen wird, können wir derzeit schlecht voraussagen. Jedoch erwarten wir, dass in den Wintermonaten definitiv kein Hallentraining stattfinden darf und somit, wenn erlaubt, das Training nach außen verlegt werden muss. Durch unseren Aschenplatz sind wir hier sehr gut aufgestellt. Jedoch wird es somit auch keine Hallenturniere geben, die für Zuschauer immer interessant und bei den Spielern beliebt waren. Auch die Vereinskasse hat sich darüber natürlich immer gefreut.

Doch auch abseits des grünen Rasens wurde die fußballfreie Zeit genutzt. Am Sportgelände haben wir beispielsweise das Sportheim komplett neu gestrichen, das Sportgelände teilweise neu eingezäunt und die Bratwurstbude neu verputzt und gestrichen. Auch wurde eine Gerätehalle komplett in Eigenleistung gebaut.

Auch für die Wintermonate haben wir einige Projekte im Hinterkopf, um unser Sportgelände noch attraktiver zu gestalten – wenn die Corona-Maßnahmen der Regierung es denn erlauben, diese anzugehen.

Wollten der heimischen Gastronomie keine Konkurrenz machen

Um die Vereinskasse etwas aufzubessern, haben wir neben einer kleinen Kerwa im Juli auch einen Frühschoppen mit Mittagstisch im August angeboten, welche gut angenommen wurden. Vor allem die hohen Hygieneauflagen stellten dabei eine große Hürde dar und erforderten einen großen Aufwand und Einsatz seitens der ehrenamtlichen Helfer. Weitere „Feste“ wollten wir aber auch deswegen nicht ausrichten, da wir auch der heimischen Gastronomie keine Konkurrenz sein wollten.

Fabian Krauß, Kassier und Medien-Beauftragter des FC Baiersdorf, auf dem Spielfeld. Foto: FC Baiersdorf

Als kleines bisheriges Resümee lässt sich aus Sicht des FC Baiersdorf sagen: Aufgrund der eher niedrigen Spielklasse und den zahlreichen ehrenamtlichen Trainern und Helfern sind wir bisher ganz gut durch die Krise gekommen. Auch die finanzielle Situation ist dank der guten Arbeit in den letzten Jahren noch in Ordnung, auch wenn im Jahr 2020 das Finanzpolster recht deutlich geschrumpft ist.

Es konnten fast keine Einnahmen erzielt werden

Die laufenden Kosten konnten zwar etwas heruntergefahren werden, mussten größtenteils jedoch weiterhin voll beglichen werden, obwohl fast keine Einnahmen erzielt werden konnten. So hatten wir von 15 geplanten Heimspielen im Herrenbereich nur zwei, mit dem Sportfest und dem Oktoberfest fielen die zwei größten Vereinsfeste ,dank‘ Corona ins Wasser. So hatte man schlussendlich einen Einnahmenausfall von deutlich über 90 Prozent.

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Corona-Soforthilfe des Bundes, die auch wir als Verein in Anspruch nehmen konnten, sowie dank Spenden der Sparkasse Coburg-Lichtenfels und der Raiffeisenbank Obermain Nord eG konnten zumindest ein Teil der Kosten gedeckt und auch nötige Anschaffungen getätigt werden. Auch sind wir den Unternehmen, die bei uns Bandenwerbung machen, dankbar, dass sie diese auch jetzt zahlen. Wir sind uns bewusst, dass auch viele Unternehmen derzeit an der Situation zu knabbern haben.

Unser abschließender Dank richtet sich an alle unsere Ehrenamtlichen und unsere Unterstützer in dieser Zeit – ohne Euch stände der FC Baiersdorf nicht für Freundschaft, Zusammenhalt und Spaß!“

 

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