MAINROTH

Die Maifeier der Mainrother Sänger ist eine Institution

Die Maifeier der Mainrother Sänger ist eine Institution
Die Maifeier des Gesangvereins Freundschaftsbund Mainroth mit dem damaligen Männerchor in den 1990-er Jahren. Foto: Roland Dietz

Der 1. Mai wird nicht nur als „Tag der Arbeit“ begangen, viele Menschen nutzen den Feiertag zum Frühlingsbeginn für Wanderungen, Ausflüge und Veranstaltungen. So ergriffen die Verantwortlichen des Gesangvereins Freundschaftsbund Mainroth 1973 die Gelegenheit, zu einer Wanderung mit Liedern und geselligem Beisammensein einzuladen. Es sollte der Beginn einer schönen Tradition werden. Durch die Corona-Pandemie wurden die Sänger in diesem und dem vergangenen Jahr allerdings ausgebremst.

Bei der Premiere 1973 luden die Mainrother Sänger per „Flurfunk“ zu einer Wanderung über den Mainrother Eltschig nach Theisau ein. Beachtliche 85 Personen hatten sich am Dorfberg getroffen und wanderten mit. Im Gasthaus in Theisau kamen noch weitere Mainrother per Auto dazu. Weil es im Wirtshaus zu eng wurde, stellte der Wirt kurzerhand drei Bierzeltgarnituren im Garten auf. Für den stimmungsvollen Rahmen sorgte der Männerchor mit rund 25 Sängern mit mehrstimmigen Liedern.

Die Maifeier der Mainrother Sänger ist eine Institution
Der gemischte Chor des Gesangvereins Freundschaftsbund Mainroth bei der vorerst letzten Maifeier 2019. Foto: Roland Dietz

Dem Gesang lauschend, hatten sich auch Theisauer Bürger dazu gesellt. Die bekannten Volkslieder, bei denen jeder einstimmen konnte, und das schöne Frühlingswetter machten den Nachmittag zu einem Erlebnis. Mit Brotzeit, Getränken und Gesang gestärkt ging es beseelt am Abend wieder nach Mainroth zurück.

1974 wandern 100 Teilnehmer nach Eichberg zum Jagdhaus

Der Nachmittag hatte einen solchen Eindruck hinterlassen, dass die Sänger auch für das nächste Jahr den Termin für eine Wanderung freihielten. 1974 marschierten sie mit über 100 Teilnehmern über die Reuth vorbei an der Felsformation „Roter Stein“ nach Eichberg zum außerhalb liegenden Jagdhaus. Dort hatten die fleißigen Helfer Helmut Kohles und Werner Schmidt Getränke für die durstigen Wanderer organisiert. Vereinsmetzger Adam Dietz hatte seinen Rost dabei und servierte Rostbratwürste. Wiederum kam der Gesang nicht zu kurz.

Die Maifeier der Mainrother Sänger ist eine Institution
Mitten im Grünen: Die Maifeier des Gesangvereins Freundschaftsbund Mainroth in den 1990-er Jahren. Foto: Roland Dietz

1975 wurde das Spektakel mit einer Wanderung nach Witzmannsberg und hinunter an den Main wiederholt. Dort am Wegkreuz lauschten die Wanderer den Liedern des Chores. Die Mailieder „Süß Liebe liebt den Mai“ und „Ein Bursch und Mägdlein flink und schön“ sowie „Ein wandernder Geselle“ wurden ein Synonym für die nächsten Jahrzehnte im Mai wie schon im nächsten Jahr als es nach Burgkunstadt ging. Im Jahr 1977 gab es ob des 50-jährigen Bestehen keine Maifeier.

Aber ab 1978 wurde aus der Wanderung endgültig eine Maifeier mit Spaziergang. So wurde nach positiver Anfrage bei Mitglied Hans Stenglein an dessen Grundstück oberhalb des Sportplatzes (Stengleinsleite) die Maifeier ausgerichtet. Dort konnte länger gefeiert werden und es gab eine kleine Unterstellmöglichkeit. 20 Jahre lang wurde das Areal für die Feier genutzt. Ob aus Weismain oder Altenkunstadt – von den Brauereien wurden neben gutem Bier auch Sitzgarnituren zum „Festgelände“ transportiert. Wandernde Gäste von Vereinen aus den Nachbarorten Mainklein, Maineck, Rothwind, Kirchlein, Burgkunstadt und Altenkuntadt wurden unter blühenden Obstbäumen mit toller Aussicht auf das Maintal kulinarisch und gesanglich verwöhnt.

Wenn es mal regnete, saßen die Gäste eng wie in einer Sardinenbüchse im kleinen Wochenendhaus oder wie der Kirchleiner Chor einmal auf dem Biertransporter, steht es im Protokoll. Der naturbelassene Zugang glich bei Regenwetter einer Rutschbahn und mancher fand sich auf dem Hosenboden wieder. 2001 hieß es dort mit Wehmut Abschied nehmen. Wegen der Hygienevorschriften war eine Feier dort nicht mehr möglich.

Dank dem Sänger Gabriel Vonbrunn, der seinen weitläufigen Garten zur Verfügung stellte, konnte die Feier auch im nächsten Jahr wieder abgehalten werden. Dabei wurden die Mainrother Sänger vom Gesangverein Maineck und der Singgemeinschaft Altenkunstadt sowie dem Duo „Reinhardt und Charlie“ unterstützt. 2005 wurde die Feier an den Festplatz am Oppelsgraben verlegt. Erstmals traten vier Chöre beim Maisingen auf. Mit dem Bau der Mainrother Gemeinschaftshalle im Jahr 2011 bekam die Maifeier ihren heutigen Anstrich. Ab 2012 waren immer mindestens drei Chöre dabei.

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Die Maifeier des Freundschaftsbunds an der Gemeinschaftshalle im Oppelsgraben war immer ein Besuchermagnet. Foto: Roland Dietz

Sänger aus Willmersreuth, Rothwind, Scheuerfeld, der „Hecht'n Dreigesang“ und die Patenvereine des Freundschaftsbund aus Kirchlein und Burgkunstadt traten auf. Klasse Alleinunterhalter wie Christian Bauer, Hans-Georg Busch, Hartmut Zeis oder Robert Hönninger spielten auf. Selbst Tanzmusikikone „Mandy“ Schramm und seine Band „Lucky“ hatten bei einem Tanz in den Mai 2009 ihren Auftritt. Das Gruppensingen der Sängergruppe Kordigast war dreimal im Rahmen des Mainrother Maifestes zu erleben. Und Maiausflügler vom Posaunenchor Veitlahm, dem Tischtennisverein Mainleus oder von der Stadtkapelle Kulmbach wurden zu Zuhörern und Stammgästen. Zur Beliebtheit trug auch das erweiterte Angebot an Mittagessen bei. Und am Nachmittag bei schönem Wetter glich der Oppelsgraben einem riesigen Freiluft-Café.

Voriges Jahr war zum Jubiläum eine Maifeier der Superlative geplant

Einen Besucherrekord hätte die Veranstaltung im vergangenen Jahr wohl erlebt. Neun Chöre, darunter einer aus Polen, waren für das Maisingen im Rahmen der 900-Jahr-Feier angemeldet, doch die Corona-Pandemie machte allen einen Strich durch die Rechnung, wie 2. Vorsitzende Lorenz Götz etwas enttäuscht berichtet. „Manchmal geht alles leicht von der Hand, aber wenn es mal nicht, dann läufts halt einfach nicht“, meint er mit Blick auf die erneute Absage in diesem Jahr wegen der anhaltenden Pandemie.

Die Maifeier der Mainrother Sänger ist eine Institution
Im Garten von Gabriel Vonbrunn wurde 2003 gefeiert. Foto: Roland Dietz

Doch härter getroffen hat den rührigen Verein der Tod des Vorsitzenden Franz Ultsch nach kurzer, schwerer Krankheit. Weitere langjährige Aktive sind verstorben oder schwer erkrankt und werden dem Verein fehlen, wie der aus dem Freundschaftsbund kommende Vorsitzende der Sängergruppe, Roland Dietz, erklärt. „Wir leben leider in einer gesangslosen Zeit, in der die gewohnten Zusammenkünfte, geschweige denn Chorsingen, nicht möglich sind. Eine Umstellung auf virtuelles Singen sei sehr schwer für ältere Sänger.

Ein Nachfolger für den verstorbenen Vorsitzenden ist schon gefunden

„Dennoch legen wir in den Chören nicht die Hände in den Schoß, betont Dietz. So sei es in Mainroth gelungen, einen neuen Vorsitzenden zu finden, aber die zu seiner Wahl erforderliche Versammlung könne nicht tagen. Auch die nimmermüde Chorleiterin Larissa Egloff hat angekündigt, weiterzumachen. „Es wird eine Weiterführung geben, deshalb ist die Hoffnung für ein Maisingen im nächsten Jahr durchaus gegeben“, zeigte sich Lorenz Götz optimistisch.

 

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