BURKERSDORF

Die Band Wart a-mol und ihre Ode an eine Zeitungsausträgerin

Die Gruppe „Wart a-moll“ hat aus dem Ozzy Osbourne-Klassiker „Dreamer“ eine fränkische Version gemacht. Das Foto zeigt (von links stehend) Horst Münch, Jürgen Bergmann, Klaus Kutsche und Bernd Maier sowie (kniend) Bertram Hauf. Foto: red

Das Konzert neigt sich dem Ende zu. Eine raue Reibeisenstimme paart sich mit dem weichen Klang der fränkischen Mundart. „Da kümmt die Frieda – sie geht vo Haus zu Haus“, tönt es von der Bühne herab, untermalt von der wohlvertrauten Melodie des Ozzy Osbourne-Klassikers „Dreamer“. Im „TECnet Zentrum“ des Burgkunstadter Kleinkunstvereins „TECnet Obermain“ in Burkersdorf wird es mucksmäuschenstill. Die Gedanken des Musikers lassen jenen Moment im Oktober vergangenen Jahres lebendig werden, als die Gruppe „WART a-moll“, deren Mitglieder aus den Landkreisen Lichtenfels und Kronach (siehe Infobox) stammen, ihren ersten Dialektsong präsentiert hatte. „Mit großen Ohren lauschten die Besucher der gefühlsbetonten Nummer. Es war, als würden sie den Text regelrecht aufsaugen“, erinnert sich Bassist und Sänger Klaus Kutsche aus dem Mitwitzer Ortsteil Schneckenlohe.

An jenem denkwürdigen Abend war es nicht er, der dem Lied seinen stimmlichen Stempel aufdrückte, sondern die Borkuschter (Burgkunstadter) Reibeisenstimme Jürgen „Berches“ Bergmann. Er hatte das Mischpult, hinter dem er für gewöhnlich steht, gegen das Mikrofon ausgetauscht.

Vollbepackt schiebt die Frieda ihr Fahrrad durch Burkersdorf. Wer verbirgt sich dahinter? Im You Tube-Video der Gruppe „... Foto: Red

Die Frieda „is vullbepackt“

„Ich glotz bei Dach und Nocht daham zum Fenster naus“, lässt er im Musikvideo zum Dialektsong seinen Worten Taten folgen. Und erblickt um halba Viera dann die Frieda, die Zeitungsausträgerin, die ihr Fahrrad durch den Küpser Ortsteil Burkersdorf schiebt. „Die Satteldasch is vullbepackt“, singt Berches voller Inbrunst. In der ursprünglichen Version des Liedes guckte nicht der Musiker, sondern die Frieda aus dem Fenster.

Als der englische Rockmusiker Ozzy Osbourne von der Band „Black Sabbath“ 2002 seine Ballade „Dreamer“ veröffentlichte, hatte der Burgkunstadter Sänger die zündende Idee aus dem Radiohit eine fränkische Version zu machen.

Diese verstaubte lange im Gehirn des Künstlers bis sie im Corona-Lockdown einen neuen und vor allem aktuellen Anstrich erhielt. Alle Welt applaudierte den Pflegekräften. „Doch was ist mit den anderen systemrelevanten Berufsgruppen, die unsere Gesellschaft am Laufen halten?“, dachte sich der 56-jährige. Ihnen allen - von der Verkäuferin über den Hausmeister bis hin zu den Pflegekräften – ist das Lied gewidmet.

Dazu zählen für Bergmann und Kutsche auch die Zeitungsausträger und - trägerinnen. „Sie bringen uns die neuesten Informationen rund um die Pandemie an den Frühstückstisch“, meint letzterer. Ersterer hatte eine bestimmte Zeitungsfrau im Kopf gehabt, als er den Song schrieb. Bergmann schwärmt in den höchsten Tönen von einer Frau Dauer, die viele Jahre lang in Burgkunstadt die Tageszeitungen ausgetragen hatte. Mit ihr habe er sich des Öfteren am frühen Morgen, wenn er seinen Hund ausgeführt habe, zu einem Schwätzchen getroffen.

Sofort Feuer und Flamme

Die Musiker der Gruppe „Wart a-moll“ waren sofort Feuer und Flamme für die Idee ihres Tonmeisters, der zumeist hinter den Kulissen tätig ist. „Der Dialekt gibt einem das Gefühl, zu Hause zu sein“, schwärmt Kutsche. Das Konzert der Gruppe im „TECnet Zentrum“ im Herbst vergangenen Jahres war eines von dreien, das 2020 stattfinden konnte. Bei den anderen 23 Konzerten habe das Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht, erzählt Kutsche.

Doch nicht nur für die Gruppe war es ein schwieriges Jahr, auch für den Burgkunstadter Kleinkunstverein „TECnet Obermain“, dessen Vorsitzender Bergmann ist. Ein Großteil der Konzerte musste abgesagt werden. Umso mehr habe man sich über die Spendenbereitschaft der Fans gefreut. Lobende Worte findet der Burgkunstadter für Reinhold Marr („Ein verständnivoller Vermieter“) und seinen Stellvertreter Markus Rauch, der Fördergelder angezapft und ein Hygienekonzept samt Belüftungsanlage entwickelt habe.

Dem Vollblutmusiker Kutsche juckt es gehörig in den Fingern, was das Musizieren anbelangt. Zum Luftbassisten ist der Schneckenloher während der Pandemie jedoch nicht mutiert. Jeden Montagabend trifft er sich mit seinen Bandkollegen via Internet zur virtuellen Probe. Moderne Videokonferenzprogramme machen es möglich. Bergmann fiebert dem Ende der Pandemie entgegen, um endlich wieder Konzerte im „TECnet Zentrum“ zu organisieren.

Mit dem Gedanken, Gigs für Geimpfte zu veranstalten, kann er sich nicht anfreunden. Das würde zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. „Wir leben in einer freiheitlichen Demokratie, wo Auftritte für jedermann zugänglich sein sollten.“

Die Borkuschter Reibeisenstimme „Berches“ hat eine fränkische Ode an alle Zeitungsausträgerinnen geschrieben. „Frieda“ h... Foto: red

Ein Narren an fränkischen Coverversionen gefressen

Einen Narren gefressen haben die Musiker der Gruppe WART a-moll inzwischen an fränkischen Coverversionen internationaler Hits. Wenn alles klappe, werde man nach der Pandemie einen weiteren englischen Song ins fränkische übertragen, verspricht Kutsche und ergänzt, ohne viel verraten zu wollen: „Einer der Hand und Fuß hat und mit Gitarre und Keyboard daherkommt.“

Die Band und das Video

Musiker: Jürgen Bergmann (Gesang/Burgkunstadt), Klaus Kutsche (Bassist und Gesang/Schneckenlohe), Horst Münch (Keyboard/Geige und Gesang/Unterwallenstadt), Bertram Hauf (akustische und elektrische Gitarren, Saxophon, Ukulele und Gesang/Lichtenfels) und Bernd Maier (Schlagzeug/Nordhalben).

Regie: Cornelia Rothe aus Coburg, Grafikerin und Hausfotografin im „TECnet Zentrum“ drehte das Video.

Link zum Video: www.youtube.com

Bandhomepage: www.wart-amoll.info. (red)

 

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