ALTENKUNSTADT

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
Fast 350 Personen demonstrierten für ein Lehrschwimmbecken auf dem Altenkunstadter Marktplatz. Foto: Roland Dietz

Der technische Leiter der DLRG Burgkunstadt, Thomas Schneider, zeigte sich nach der 50-minütigen Demonstration für den Bau eines Lehrschwimmbeckens zufrieden, dass sich etwa 350 Teilnehmer teils sehr lautstark für ein Lehrschwimmbecken ausgesprochen hatten.

Die Befürworter des Lehrschwimmbeckens mit DLRG-Urgestein und Vorsitzenden des Vereins für kommunale Zusammenarbeit, Volker Thormälen, an der Spitze, haben Bürgermeister Robert Hümmer eine Liste mit über 600 Unterschriften übergeben. 450 wären nötig gewesen, um ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. Die Entscheidung darüber trifft der Gemeinderat Altenkunstadt in der Sitzung am 5. Oktober.

DLRG-Rettungsboot als Bühne vor dem Rathaus

Es ist ein Thema, dass den Kommunen und den Bürgern schon seit 17 Jahren auf den Nägeln brennt. Jetzt fand es auch breiten Widerhall in der Öffentlichkeit, waren doch auch der Bayerische Rundfunk mit Franken aktuell, das BR-Radiostudio Coburg und Radio Plassenburg zur Berichterstattung auf den Altenkunstadter Marktplatz gekommen.

Ein DLRG-Fahrzeug mit Aufdruck eines Kreuzes auf einem Stimmzettel mit der Aufschrift „JA zu einen Hallenbadneubau“ stand mit einem Rettungsboot der DLRG, das man zu einer Bühne umfunktioniert hatte, vor dem Rathaus. Vorsitzender Werner Schneider freute sich, dass so viele Bürger aus dem östlichen Landkreis das Recht der Demonstration wahrgenommen haben. Es zeige sich damit wieder, dass viele für den Bau eines Schwimmbeckens sind.

0,5 Prozent des Haushalts jährlich für den Unterhalt

„Wir brauchen dies für uns, damit Kinder wieder bei uns schwimmen lernen können und nicht erst durch den ganzen Landkreis gefahren werden müssen“, betonte Schneider. Es wäre traurig, wenn bei einem Haushalt von 25 Millionen Euro die Gemeinde nicht mal 0,5 Prozent davon jährlich für ein Bad übrig hätte.

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
Mit großen Abordnungen waren die DLRG Burgkunstadt und die Wasserwacht Altenkunstadt auf der Demo vertreten. Foto: Roland Dietz

Selbst im CDU-Wahlprogramm zur Bundestagswahl stehe geschrieben, dass die Sanierung und der Neubau von Schwimmbädern dazu beitragen, dass wieder mehr Kinder und Jugendliche eine gute Schwimmausbildung erhalten. Dort werde gefordert, dass es ein flächendeckendes sowie attraktives Angebot an Schwimmmöglichkeiten geben soll. Aber auch die FDP, die Grünen und die Linken wollen die bestehende Schieflage beheben. Die Demonstranten kommentierten dies mit lautstarken Trillerpfeifen und Beifall.

Schwimmen ist nach Fahrradfahren die beliebteste Sportart

Auch der Präsident des Landesverbands Bayern der DLRG, Dr. Manuel Friedrich, war der Meinung, dass es gelingen müsse, den Gemeinderat umzustimmen. Denn nach Fahrradfahren sei Schwimmen die beliebteste Sportart. Ein Bad sei auch ein Sozialraum, in dem alle Generationen zusammenkommen. Selbst die Kultuskonferenz habe deswegen die Schwimmbäder für wichtig erklärt.

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
Volker Thormälen übergibt 600 Unterschriften für einen Bürgerentscheid an Bürgermeister Robert Hümmer. Foto: Roland Dietz

Viele Städte und Gemeinden seien in einem Umdenken pro Schwimmbäder begriffen. Dr. Friedrich stellte heraus, dass allein wegen der Corona-Pandemie 100 000 Kinder in Bayern nicht schwimmen lernen konnten. Daher helfe es auch nichts, Gutscheine auszugeben, wenn es im näheren Bereich keine Hallenbäder gibt.

„Wir können es uns leisten, wenn wir wollen.“
Bürgermeister Robert Hümmer, Befürworter des Bads

Der Anteil von Nichtschwimmern sei leider stark angewachsen. Dabei entwickelten sich in den vergangenen Jahren immer mehr trendige Wassersportarten, die immer mehr Anhänger finden. Auch diese Sportler müssten richtig schwimmen können, wenn sie sich nicht in Lebensgefahr begeben wollen. Deshalb dürfe bei niedrigen Zinsen die Finanzierung eines Lehrschwimmbeckens kein Problem sein. Jeder Politiker, der gegen neue Bäder ist, müsse sich fragen lassen, ob er nicht Mitschuld hat, wenn die Zahlen Ertrinkender steigten.

Bürgermeister Robert Hümmer, selbst Befürworter eines Lehrschwimmbeckens, erklärte, dass der Bau für ihn eine Herzensangelegenheit ist. „Wir können es uns leisten, wenn wir wollen“, bekräftigte er, was einen lange anhaltenden Beifall der Demonstrierenden zur Folge hatte. Er selbst und die CSU stünden zum Lehrschwimmbecken, weil es für die Region und die Kinder eine wichtige Pflichtaufgabe sei.

Renate Schrape spricht für Senioren, Irina Hoffmann für Eltern und Kinder

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
Irina Hoffmann übergibt die Regenbogenkarte mit den Unterschriften der Kinder an Bürgermeister Robert Hümmer. Foto: Roland Dietz

Die 82-jährige Leiterin des Seniorenclubs Renate Schrappe erklärte, dass sie regelrecht Abschied vom damaligen Lehrschwimmbecken genommen habe. Es sei seitdem viel geredet worden, aber nichts getan. Sie denke dabei nicht nur an die Senioren, sondern an die nachfolgenden Generationen. Bei der „Neuen Mitte“ sei über die Kosten nicht so intensiv nachgedacht und alleine für Planungen viel Geld ausgegeben worden. „Selbst bei einem schnellen Bau werde ich es wahrscheinlich nicht mehr erleben, in einem neuen Bad zu schwimmen“, meinte sie mit einer Portion Wehmut.

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
DLRG-Vorsitzender Werner Schneider und Bürgermeister Robert Hümmer lauschen den Ausführungen des Präsidenten des DLRg-La... Foto: Roland Dietz

Es waren auch viele Elternbeiräte aus den heimischen Schulen und Kindergärten gekommen. Irina Hoffmann, Sprecherin der Eltern und Kinder, ermutigte die Verantwortlichen, die richtige Entscheidung zu treffen und ihr JA zum Lehrschwimmbecken auszudrücken. Symbolisch, da Kinder keine Stimme abgeben dürfen, hatte sie eine große Regenbogenkarte erstellt, auf der sich die Kinder eintragen konnten. Diese übergab sie dem Bürgermeister.

„Wir werden weiter demonstrieren, bis ein Bad gebaut wird.“
Werner Schneider, DLRG-Vorsitzender
Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
Jung und alt bei der Demo für ein Lehrschwimmbecken: links DLRG-Urgestein Dieter Hasenkämper. Foto: Roland Dietz

Volker Thormählen ging mit dem Verantwortlich des Landkreises Lichtenfels hart ins Gericht: „Nach dem Abriss des Lehrschwimmbeckens in Burgkunstadt ist nichts geschehen. Wir sind im Landkreis regelrecht vergessen worden.“ Unter Beifall äußerte er die Meinung, dass eine Beteiligung des Landkreises mit 500 000 Euro viel zu wenig sei. Er lud alle Gemeinderäte und Verantwortungsträger zu einem Schwimmkurs ein um aufzuzeigen, welche großartige Arbeit geleistet wird.

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
Teils sehr kreativ waren die Demonstrierenden für ein Lehrschwimmbecken, hier mit dem Präsident des DLRG-Landesverbands ... Foto: Roland Dietz

Abschließend bekräftigte Werner Schneider nochmals, dass die DLRG als Betreiber zur Verfügung stehe. Die Gemeinde Altenkunstadt werde nicht alleine an den Kosten hängen bleiben. „Wir werden weiter demonstrieren, bis ein Bad gebaut wird“, rief er den Demonstranten zu. Dies löste Sprechchöre aus, die „Hallenbad, Hallenbad“ skandierten.

Dass die Befürworter der Gemeinderäte rechts von der Bootsbühne standen und ihre Kollegen, die gegen das Bad gestimmt hatten, links davon, war wohl nur Zufall und hatte keinen Einfluss auf die Begeisterung der Demonstranten.

Demonstration für Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt
Demonstrierende Senioren: Renate Schrape mit Leopold Frommelt. Foto: Roland Dietz

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