BURGKUNSTADT

Claire Huangci beim Kultursonntag Burgkunstadt

Claire Huangci beim Kultursonntag Burgkunstadt
Mit allen Sinnen, in fließenden Bewegungen und ganz eins mit der Musik: So teilt Claire Huangci den Zauber der Musik mit ihrem Publikum. Foto: Corinna Tübel

„Extrovertierte Wucht“ oder „feinsinnige Klangdramaturgie“ sagen Claire Huangci überregionale Medien nach. Im Rahmen des letzten Kultursonntags der Kulturgemeinde Burgkunstadt in dieser Saison, unterstützt durch die Friedrich-Baur-Stiftung, erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer etwas, das Fachjargon nicht beschreiben kann und durch Persönlichkeit besticht.

Die Amerikanerin, die bereits zum dritten Mal in der Alten Vogtei zu Gast war, entführte das kleine, exquisite Publikum in eine Welt, die musikalische Vergangenheit und Gegenwart zugleich war. Sie „spielte“ nicht nur ausgewählte Werke Ludwig van Beethovens, Frédéric Chopins und Franz Schuberts. Vielmehr adaptierte und interpretierte sie die Melodien mit allen Sinnen in das Hier und Jetzt.

Mit geschlossenen Augen der Musik hingegeben

In dunkel und düster anheimelnden Passagen etwa in Ludwig van Beethovens Klaviersonate d-Moll op. 31 „Der Sturm“ schnellen die Hände der Pianistin immer wieder in die Höhe, um sich sogleich wieder sanft und zielsicher auf die Tasten zu legen. Ihre Hände schwingen nach vielen Berührungen weiter, als wolle Claire Huangci die Töne noch mehr verbinden. Die Augen hat die Pianistin meist geschlossen, dafür wiegt sie ihren Körper mit den Melodien: mal stoßhaft in Richtung ihrer Hände, mal wellenartig durch die Luft, als wolle sie die schwebenden Töne begleiten. Musik und Mensch scheinen zu verschmelzen.

Claire Huangci beim Kultursonntag Burgkunstadt
Die 32-jährige Claire Huangci konzertiert unter anderem an der Philharomonie Berlin sowie der Elbphilharmonie Hamburg. Foto: Corinna Tübel

Worte bedarf es während des Abends kaum. Die 1990 in New York geborene Künstlerin spricht in einer ganz eigenen Sprache zum Publikum. Im Alter von sechs Jahren begann sie mit dem Klavierspiel. Bereits mit neun Jahren konnte sie eine internationale Karriere mit Konzertauftritten und Wettbewerbserfolgen vorweisen, ehe sie am Curtis Institute of Music in Philadelphia studierte, wo sie unter anderem von den Lehrern Eleanor Sokoloff und Gary Graffmann unterrichtet wurde. Von 2007 bis 2016 lernte sie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.

Die Frau mit dem sanften Lächeln und dem „gewissen Etwas“

Besonders als ausdrucksstarke Chopin-Interpretin fiel sie zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn und in weiteren Wettbewerben auf. 2011 gewann sie als jüngste Teilnehmerin zudem den 2. Preis beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb.

Neben großem Talent ist es wohl dieses „gewisse Etwas“, das die Frau mit dem unglaublich sanften Lächeln mitbringt: nämlich den Mut, sich mit allen Sinnen in die Musik fallen zu lassen. Mögen die Übergänge der Stimmungen innerhalb eines Stückes aus heutiger Perspektive auch hart klingen, meistert sie die Pianistin mit großer Selbstverständlichkeit: im Rausch der Geschwindigkeit und extrovertiert, sanft und melancholisch, mitreißend und gleichzeitig traurig.

Eine Darbietung, wie sie aktueller nicht sein könnte

So auch im „Marche funebre“, dem Trauermarsch aus der Feder Frédéric Chopins. Einigen Zuhörerinnen und Zuhörern vielleicht aus einem US-amerikanischen Stummfilm bekannt, erlebten sie eine Darbietung, wie sie aktueller nicht sein könnte – über Grenzen hinweg.

Bei Solorezitaten und als Partnerin internationaler Orchester konzertierte Claire Huangci bereits in bedeutenden Konzertsälen, unter anderem in New York, Tokyo, Paris, München, Hamburg und Wien. Anfang dieses Jahres präsentierte sie in einem groß angelegten Projekt fünf Klavierkonzerte von Prokofjew mit dem Biel Solothurn Orchester. Gemeinsam mit dem Le Concert Olympique kehrt sie außerdem mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 an die Philharomonie Berlin sowie die Elbphilharmonie Hamburg zurück. Auch ihre Solo-Alben bezeugen beeindruckende musikalische Klasse, aber noch mehr Individualität.

Der nächste Kultursonntag findet am 16. Oktober um 17 Uhr mit dem „Trio Jean Paul“ statt. Informationen unter baur-stiftung.de/kultursonntage.

 

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