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CHW-Vortrag über den Kirchenbau der Nachkriegszeit

CHW-Vortrag über den Kirchenbau der Nachkriegszeit
Die Christuskirche in Bayreuth, erbaut 1953 bis 1956. Foto: Roland Dietz

Die Online-Vorträgen des größten Geschichtsvereins Nordbayerns des CHW-Oberfranken haben wieder begonnen. Der Bezirksvorsitzende des CHW Prof. Günter Dippold freute sich, dass auch diese Form der Angebote des Vereins intensiv genutzt wird. Und so nahmen auch an Roland Schäfers Vortrag unter dem Titel „Bewegte Jahre – Kirchenbauten in Oberfranken zwischen 1945 -1980“ wieder 90 Interessierte dabei.

Mit dem freiberuflichen Kunsthistoriker und Journalisten hatte sich ein echter Kenner heimischer Geschichte diesem, in historischen Dimensionen recht aktuellen Thema, angenommen. Er führte in seiner Einleitung aus, dass nach dem verehrenden Folgen des Zweiten Weltkriegs Europa und seine Kirchen in Schutt und Asche lagen. Die Frauenkirche in Dresden sei ein Sinnbild dafür geworden das 45 Prozent der Kirchen zerstört waren.

Und doch war es so, dass nach den Ostvertreibungen vieler Menschen im Deutschland der Nachkriegszeit, sowie konfessionelle Verschiebungen dazu führten, dass wieder Kirchengebäude benötigt wurden, um den Glauben leben zu können. Dabei spielte die Konfession nicht die wichtigste Rolle. Da der Bedarf enorm war, kam es zunächst zum Bau von Not-oder Diasporakirchen. Dieser regelrechte Bauboom hielt bis in die 1980er Jahre an.

CHW-Vortrag über den Kirchenbau der Nachkriegszeit
Referent Robert Schäfer. Foto: Roland Dietz

Robert Schäfer stellte dazu ausgewählte Bauten vor und gab einen Überblick über die facettenreiche Entwicklung in der Nachkriegszeit. Diese Bauten waren oft sehr einfach gehalten. So in Mühlhausen, wo die Kirche wie ein größeres Wohnhaus wirkt und vorher als Spenglerwerkstatt genutzt worden war. So auch dann der Name des Patroziniums „St. Josef der Arbeiter“. In Schalkau wurde das Gebäude einer Fabrikantenvilla genutzt, in der katholische Vertriebene im Jahr 1945 unterkamen.

Die neugebauten Kirchen haben dann aber wieder die vor dem Krieg vorherrschende mittelalterliche Prägung. Beispiele sind die Kirchen in Thonberg, Ziegelerden und in Frankendorf. Aber auch barocke Bauweisen gab es wieder. Ein emsiger Architekt war Georg Holzbauer, der im Frankenwald tätig war und oft romanische Einflüsse in seine Bauten brachte. Mit der Kirche St. Marien in Teuschnitz erbaute er ein ausladendes Gebäude aus Bruchstein. Innen handelt es sich um einen schlichten einschiffigen Kirchensaal.

Mehr von zeitgenössischer Kirchenbauarchitektur und neuzeitlichen Formen sind bei der 1953 bis 1956 entstandenen Bayreuther Christuskirche des Architekten Karl-Pfeiffer-Hardt zu sehen. Vor allem prägen die drei Turmspitzen das Umfeld des Gebäudes. Der Grundriss des Kirchensaals entspricht einem sechseckigen Zentralbau.

Die Dreieinigkeitskirche in Bad Staffelstein

In ebenfalls etwas eigenwilliger Form mit dreieckigem Grundriss und steil aufragenden Pyramidendach wurde 1955 bis 1958 die Dreieinigkeitskirche in Bad Staffelstein gebaut. Als etwas besonders kann man sicher die Marienkirche in Bad Rodach bezeichnen. Schon der kleine Treppenaufstieg vor dem Gebäude und der Glockenturm daneben sind Neuerungen in der Architektur. Der Volksalter löst dabei den Hochaltar ab. Dieser wird von einer bunten Fensterglaswand mit dem Symbol eines Fisches abgehoben.

Pilgerndes Gottesvolk auf Erden

CHW-Vortrag über den Kirchenbau der Nachkriegszeit
Der Innenraum der Marienkirche in Bad Rodach mit bunter Fensterglaswand vor dem Volksaltar. Foto: Roland Dietz

In ihrer Form etwas Besonderes ist die Kirche in Gundelsheim „Sieben Schmerzen Mariens“. Das Gotteshaus entstand nun nach den liturgischen Richtlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es wurde dem Verständnis von Kirche als „pilgerndes Gottesvolk auf Erden“ gerecht. So erschien den Auftraggebern und Architekten in Gundelsheim ein Kopieren alter Baustile nicht angebracht. Die im Volksmund genannten Begriffe wie „Ozeanseelendampfer“ weisen dennoch auf die außergewöhnliche Bauweise hin. Endgültig zum multifunktionalen Gebäudekomplex wurden Kirchen dann wie das Beispiel der Heilig Geistkirche in Bayreuth belegt. Das sogenannte Betonfachwerk weist von außen kaum mehr sakrale Wirkung auf.

Geistliches und Weltliches verbunden

Aber auch in der Entwicklung neuer Kirchen tat sich einiges so beim Bau der Kreuzbergkirche in Altenkunstadt 1970. Architekt Theodor Henzler verband durch große Fensterfronten das Geistliche mit dem Weltlichen. Und es gab keine Erhöhung des Altares. Gläubige und Geistliche sollten seiner Meinung nach auf Augenhöhe sein. Auch sah er in einer veränderbaren Bestuhlung Vorteile gegenüber fest eingesetzten Bänken. „In Deutschland wurden zwischen 1945 und 1980 mehr Kirchen gebaut als in den 400 Jahren vorher. Doch ab 1980 flachte der Kirchenbauboom wieder ab. Dazu das heute Kirchen wieder geschlossen oder gar abgerissen werden meinte Schäfer: „Man sollte erst mal den Wert von Kirchen überlegen, wenn es sie nicht mehr geben würde“.

 

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