BURGKUNSTADT

Burgkunstadt: Udo Langer gibt Konzerte im Garten

Burgkunstadt: Udo Langer gibt Konzerte im Garten
In Udo Langers Haaren haben sich ein paar Schneeflocken verfangen. Der Künstler freut sich auf wärmere Tage mit vielen Gartenkonzerten. Foto: Stephan Stöckel

Der April zeigt sich noch einmal von seiner winterlichen Seite. Schneeflocken wirbeln um einen Künstler herum, der in einem Garten vor einem blühenden Forsythienstrauch sein Keyboard umarmt als wäre es ein kleines Baby. Seine Gedanken schweifen zu wärmeren Tagen, an denen seine Musik an einem lauen Sommerabend oder zur reich gedeckten Kaffeetafel am Nachmittag im Garten erklingt.

Zum Fototermin zwischen Gartenhütte und Sträuchern hat sich Udo Langer eingefunden, der mit deutschen Rock- und Pop-Preisen ausgezeichnete Burgkunstadter. In der warmen Jahreszeit möchte er Alt und Jung mit coronakonformen Gartenkonzerten erfreuen. „Ich will mehr Leben in unsere Gärten bringen. Die Besitzer sollen nicht nur die Vögel zwitschern hören, sondern auch die farbenfrohe Welt der Kunst vernehmen.“ Worte, bei denen die Vorfreude auf Konzerte an wärmeren Tagen über das Gesicht des Künstlers leuchten lässt. Er ist ein Mensch, der nicht nur an sich denkt.

„Wenn die Menschen nicht zu uns Künstlern kommen können, warum komme ich dann nicht zu ihnen nach Hause?“
Udo Langer, Komponist

Langer will Vorbild sein für Künstler aus den verschiedensten Kunstsparten – egal ob Posaunist, Literat oder Komiker. Sie sollen es ihm gleichtun und zwischen Apfelbaum und Mohnblumen den Menschen geistige Erbauung schenken. Denn ohne Kultur, findet der 58-Jährige, werde es still – nicht nur im Landkreis Lichtenfels. Er will Farbe und Leben in den tristen Corona-Alltag bringen, der immer mehr Menschen passiver werden lasse.

Obgleich ihm die Gartenbesitzer, salopp formuliert, derzeit noch gerade nicht die Bude einrennen, stimmen Langer ein fixer Konzerttermin und drei Anfragen zuversichtlich, mit seiner Idee den richtigen Weg beschritten zu haben. Das Coronavirus setzt den Künstlern nämlich besonders zu. Seit Monaten heißt es in Clubs, Freilichtbühnen, Konzertsälen und Theatern: rien ne va plus (nichts geht mehr). Langers geplanter Auftritt am Pfingstsonntag auf der Naturbühne Trebgast muss ein Jahr später stattfinden. Sein Auftritt beim Kunstverein Coburg wurde zum zweiten Mal verschoben. Jetzt ist der 25. Juli anvisiert. Ob es am Ende heißt „Aller guten Dinge sind drei“, hängt vom Virusgeschehen ab, das derzeit niemand voraussehen kann. Und so dachte sich Langer: „Wenn die Menschen nicht zu uns Künstlern kommen können, warum komme ich dann nicht zu ihnen nach Hause?“

Die Nachbarn können vom Balkon oder jenseits des Zauns zuhören

Wohnzimmerkonzerte nannte man das Konzept schon lange vor der Pandemie. Die „Toten Hosen“ spielten einst im Elternhaus von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Reinhard Fehndrich mit seinen Liedern zum Anfassen bei Familie Meyer im schwäbischen Tapfheim. Was einst die Ausnahme war, könnte in Corona-Zeiten zur Regel werden. Zur coronaconformen versteht sich.

Darauf legt Langer großen Wert. Gartenbesitzer dürften nicht Hinz und Kunz einladen, wenn – wie derzeit vorgeschrieben – die Angehörigen eines Hausstandes sich nur mit einer zusätzlichen Person treffen dürfen. Im Falle der Gartenkonzerte wäre das der Künstler. Die Nachbarn könnten, so Langer, vom Balkon aus oder hinterm Gartenzaun das Konzert mitverfolgen.

Für die Gigs im Garten, die auch in der Garage oder auf der Terrasse stattfinden können, wid keinen Stromanschluss benötigt. Langer bringt seine mit Akku und Batterie ausgestatteten Boxen und Keyboards mit. Die Besucher wiederum dürfen an der Zusammenstellung des 90-minütigen Programms mitwirken.

Ein Abend voller Tiefgang ist wichtiger als die Zahl der Zuhörer

Was ist für den Sänger, Musiker, Komponist und Filmemacher das Besondere an einem Konzert im kleinen Kreis? Langer muss nicht lange überlegen: „Bei größeren Konzerten kommt man den Fans nie so nahe. Wenn man direkt in 20 Augen blickt, ist das emotional etwas ganz Besonderes.“ Größe ist für Langer nicht das Maß aller Dinge. „Wenn sich die Fans auf einen Abend voller Tiefgang, Heiterkeit und Gefühlen einlassen, dann ist das für einen Künstler ein großes Geschenk, egal ob es nun 20 oder 200 Zuschauer sind.“

Auch für die Zeit nach Corona kann sich Langer vorstellen, in die Rolle des Gartenmusikanten zu schlüpfen. Ebenfalls reizen würde es ihn, an einem seiner Borkuschter Lieblingsplätze zu spielen, dem Kugelbaum. Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt. „Wenn man Dinge von oben betrachtet, dann werden sie nicht nur kleiner, sondern auch leichter und klarer“, meint Langer.

Anmeldung für die Konzerte

Über Udo Langers Homepage www.klangfeder.de, seine Facebook-Seite und per Mail (udo.langer@klangfeder.de) können Gartenkonzerte vereinbart werden. Die Interessenten sollten aus einem 50-Kilometer-Radius rund um Burgkunstadt stammen.

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