BURGKUNSTADT

Burgkunstadt: Die Sage von der goldenen Wiege

Burgkunstadt: Die Sage von der goldenen Wiege
Heimatspiel zur Sage: Ritter Kuno begutachtet die goldene Wiege. Foto: Repros: Karl-Heinz Goldfuß

Wer kennt Sagen aus unserem Landkreis? Von einer goldenen Wiege in den Tiefen unter der Stadt berichtet eine Stadtsage von Burgkunstadt. Diese Geschichte, vielen bekannt aus dem Heimatkundeunterricht an der Grundschule, regt immer wieder zu Spekulationen an.

Burgensagen im deutschsprachigen Raum sind weit verbreitet. Oft war der Bevölkerung ihre nahe gelegene verlassene Burg oder Burgruine unheimlich. Keiner wollte sie betreten. Die Kinder hielt man von dem Besuch einer Burg mit schreckhaften Geschichten ab. Beliebt waren Geschichten von Geistern und von Rittern ohne Kopf, die in der Nacht umherziehen. Diese Geschichten blieben über Generationen lebendig. Im Landkreis kennen wir einige Volkssagen von der Burg Niesten bei Weismain. Nicht weit entfernt rankt sich eine Geschichte um die Burg zu Burgkunstadt. Eine goldene Wiege steht im Mittelpunkt.

August Wippenbeck erzählt diese Sage im Buch „Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes“ von E. u. K. Radunz aus dem Jahre 1949. Eine Bühnenbearbeitung in Form eines Heimatspiels aus dem gleichen Jahr wurde mehrmals aufgeführt. Davon sind noch einige Fotos im Stadtarchiv Burgkunstadt vorhanden, die wir heute unseren Lesern vorstellen können.

Die Sage erzählt aus der Zeit des Bauernkrieges

Der Burgherr Ritter Kuno ließ 1525 seinen soeben geborenen Sohn in eine goldene Wiege legen. Wenige Tage drauf wütete der Bauernkrieg in unserer Gegend. Aus den umliegenden Dörfern griffen die Bauern unter ihrem Anführer Bader Kelblein die Altenburg über Burgkunstadt an. Nach erbittertem Kampf war die Burg am nächsten Tag in den Händen der Bauern. Ritter Kuno war nicht unter den Toten. Anführer Kelblein ließ nach dem Burgherrn suchen. Er wurde gestellt, die Bauern wollten wissen, wo die goldene Wiege sei. Der Ritter verriet nichts; dafür bezahlte er mit seinem Leben.

Der Bauernanführer suchte vergebens nach der Wiege und zog mit seinen Bauernhaufen weiter nach Ziegenfeld. Es wird erzählt, dass sich Mutter und Kind während der Kämpfe in einem unterirdischen Gang versteckt hatten. Der Gang soll bei den Kämpfen eingestürzt sein. Mutter, Kind und die kostbare Wiege wurden darunter begraben. Weder der unterirdische Gang noch die goldenen Wiege sind je gefunden worden.

Kunstadter Burganlage im 9./10. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum

Bei solchen Geschichten wird oft nachgeforscht: Steckt nicht doch ein Körnchen Wahrheit dahinter? Oder sind sie reine Erfindung? Der in der Sage beschriebene Ritter Kuno ist historisch nicht nachweisbar; seine Existenz gilt als unwahrscheinlich. Fest steht, dass dort um 830 eine mächtige und weitläufige Burganlage erbaut wurde. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat das bei Ausgrabungen auf der alten Vogtei zu Burgkunstadt im Jahr 1975 nachgewiesen. Die Kunstadter Burganlage war im 9. Und 10. Jahrhundert ein bedeutendes militärisches und herrschaftliches Zentrum am Obermain. Im 12. Jahrhundert lag die Burg vorübergehend in Händen der Staufer. 1160 löste Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Burganlage aus dem Reichslehenverband und gab sie an Bischof Hermann II. von Bamberg zurück.

Historische Sage eine Erfindung?

Eine weitere Fassung mit dem Titel: „Die Sage von der goldenen Wiege zu Burgkunstadt“ hatte schon im Jahre 1888 der Korbhändler Thurnauer veröffentlicht. Einer, der sich mit dieser Geschichte näher beschäftigte, ist Studiendirektor i. R. Richard Kerling. Er ist dem Goldene-Wiege-Motiv nachgegangen und stellte überrascht fest: Dieses Motiv ist in Norddeutschland über 60 Mal zu finden. Er schrieb seine Nachforschungen in dem Aufsatz „Die Erfindung einer Sage. Isak Thurnauer und ,die goldene Wiege zu Burgkunstadt“ nieder, veröffentlicht in einem Sammelband des „Historischen Vereins für Oberfranken“.

Auch Rudi Fetzer bezieht sich in seinem Buch „Burgkunstadter Mosaik“ auf die Fassung von Wippenbeck aus dem Jahr 1949. Ebenso gibt es ein undatiertes Manuskript eines Erich Köhler im Stadtarchiv Burgkunstadt, veröffentlicht 2006 im Buch „Geschichte der Stadt Burgkunstadt“ von Dr. Haas.

Ein Bilddokument existiert noch vom „Alten Schloß“ oder die „ Altenburg“ an Stelle der„Alten Hofstatt“, im Bauernkrieg 1525 durch Brand schwer beschädigt. Es wurde 1575 durch Claus von Schaumberg wieder aufgebaut. 1861 durch die Stadt erworben, zuletzt Altersheim für kranke und alleinstehende Menschen der Stadt. 1895 äußerst baufällig an die „Dillingschen Anstalten verkauft. Später abgerissen und durch Neubau der heutigen Vorderfront der „Anstalt“ ersetzt.

Ratschläge bei der Suche nach der goldenen Wiege

Sollte jemand sich auf eigene Faust auf die Suche nach der mysteriösen goldenen Wiege machen, empfiehlt der Autor dieser Zeilen, einige Hinweise zu beachten. Wer in der Umgebung von Burgkunstadt nach möglichen Geheimgängen zur Burg sucht, kann böse Überraschungen erleben. In manchen Geschichten wurden die Schutzsuchenden vom Teufel aufgehalten. Sie waren offensichtlich zur falschen Zeit da. In einer Sage wird berichtet, dass man die goldene Wiege nur in der Johannisnacht finden könne. Der Schatz würde einer anderen Sage nach nur in der Geisterstunde einer Vollmondnacht unter der Bedingung gehoben werden können, dass auf den Hin- und Rückweg und auch während der Arbeit kein Sterbenswörtchen geredet werden dürfe, eine schier unlösbare Aufgabe. Aber vielleicht werden ja mal Mutige in der Nähe von Burgkunstadt bei der Suche tatsächlich belohnt.

Burgkunstadt: Die Sage von der goldenen Wiege
Die „Altenburg“ zu Burgkunstadt von 1575 vor ihrem Abriss 1895. Foto: Repros: Karl-Heinz Goldfuß
Burgkunstadt: Die Sage von der goldenen Wiege
Einige Fotos vom Heimatspiel aus dem Jahr 1949 sind im im Stadtarchiv Burgkunstadt zu finden. Hier das Schauspieler-Ense... Foto: Repros: Karl-Heinz Goldfuß
Burgkunstadt: Die Sage von der goldenen Wiege
Deckblatt vom Titelbild: „Die Sage von der goldenen Wiege zu Burgkunstadt“, der Korbhändler Thurnauer hatte sie im Jahre... Foto: Repros: Karl-Heinz Goldfuß

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