BURGKUNSTADT

Burgkunstadt bekommt wieder ein Kommunbrauhaus

Burgkunstadt bekommt wieder ein Kommunbrauhaus
Sie wollen nicht nur die jahrhundertealte Tradition des Kommunbrauwesens in Burgkunstadt neu beleben, sondern mit der damit verbundenen Restaurierung des Anwesens im Polizeirangen auch die Altstadt weiter aufwerten: die sechs „Gründungsväter“ der Burgkunstadter Kommunbrauerei „KO... Foto: Matthias Schneider

Die einst so stolze Schuhstadt Burgkunstadt war vor gar nicht allzu langer Zeit auch eine echte Bierstadt. Noch in den 1960-er Jahren brauten nicht weniger als sieben Gaststätten ihr eigenes Bier und dies zumeist im damaligen Kommunbrauhaus im Brauhausweg. Mehr als 50 Jahre später hat es sich eine sechsköpfige Gruppe „echter Burgkunstadter“ zum Ziel gemacht, die Tradition einer Kommunbrauerei neu zu beleben. Der Name „Komm.1059“ macht deutlich, wie weit die Geschichte und damit vermutlich auch die Tradition des Bierbrauens in die Geschichte Burgkunstadts zurückreicht.

Denn als im Jahr 1059 Burgkunstadt in Form einer urkundlichen Erwähnung nachweislich erstmals in Erscheinung tritt, ist dort von Aepelin de Counstat, dem Burggrafen von Kunstadt, die Rede. Dieser sitzt bei einer Synode in Bamberg. Ob er sich dort aus Langeweile nach einem kühlen, süffigen Bier – frisch gezapft aus den Tiefen seines Burgbierkellers – sehnt, ist zwar urkundlich nicht belegt. Seine Erwähnung weckte aber die Kreativität der Initiatoren des Kommunbrauhauses im Jahr 2020.

Geschichtsbewusst und heimatverbunden

„Mit der bedeutenden Jahreszahl im Namen bekennen wir uns bei ,Komm.1059‘ ganz bewusst zu dieser Geschichte und somit zu Burgkunstadt selbst“, erläutert Thomas Klein den Namen dieser etwas anderen Brauerei.

Burgkunstadt bekommt wieder ein Kommunbrauhaus
Ein Logo gibt es auch schon. Foto: Matthias Schneider

Die Abkürzung für „Kommunbrauerei“ macht außerdem deutlich, dass es sich hier nicht um eine fixe Idee einiger Hobbybrauer, sondern um eine professionelle Gemeinschaft handelt – in Verbundenheit zu dem oberfränkischen Traditionsgetränk schlechthin.

„Mit der ,Komm.1059 Kommunbrauerei‘ wollen wir gemeinsam Ideen und Ziele in die Tat umsetzen, die einer allein nicht verwirklichen kann.“
Stephan „Hackett“ Herold, „Rösla“-Wirt

Mit der offiziellen Gründung im Dezember 2020 und der mittlerweile eingeleiteten Eintragung der „Komm.1059 Kommunbrauerei Burgkunstadt e.G.“ wird somit eine jahrhundertealte und erfolgreiche Ära des Kommunbrauwesens in Burgkunstadt wiederbelebt. Die Braustätte befindet sich zwar nicht im Brauhausweg, aber im Polizeirangen und somit erneut in unmittelbarer Nähe des Burgkunstadter Altstadt-Zentrums mit dem fachwerkgeschmückten Marktplatz. Das Gebäude mit historischer Bausubstanz wird aktuell restauriert und für die moderne Brauanlage hergerichtet.

Stephan „Hackett“ Herold, vielen auch als Rösla-Wirt bekannt, ist auch aufgrund der Besetzung der aktuellen Führungsriege überzeugt von einer kompetenten Realisierung des Projekts: „Mit der ,Komm.1059 Kommunbrauerei‘ wollen wir gemeinsam Ideen und Ziele in die Tat umsetzen, die einer allein nicht verwirklichen kann. Ob Finanz-, Bau- oder Brauwesen und Marketing – mit den Gründern und ihrem jeweils spezifischen Know-how schaffen wir die professionelle Basis, um die Braustätte zunächst zu errichten und anschließend die Geschäfte erfolgreich zum Laufen zu bringen.“

Wer will sich an der Kommunbrauerei beteiligen?

Neben Stephan Herold und Thomas Klein gehören Jungbrauer David Klein, Ulf Müller, Christian Pauler und Andreas Herold zum Gründungteam. Sie sorgen dafür, der Genossenschaft ein tragfähiges Gerüst zu geben und den Umbau voranzutreiben. Zudem sind bereits verschiedene Sichtungen von geeigneten Brauanlagen im Gange.

Insbesondere hier tritt der Genossenschaftsgedanke in den Vordergrund. „Denn vor allem braucht es Unterstützer und Geldgeber für die Umsetzung. Erfreulich viele Interessenten konnten wir bereits für das Projekt begeistern. Im Laufe des ersten Quartals 2021 soll die Zeichnung der Anteile starten“, so Andreas Herold, der nicht zuletzt bei der Gestaltung des Logos sein professionelles Marketing-Wissen eingebracht hat. Weitere Interessenten an einer Teilhabe der Kommunbrauerei können sich jederzeit bei den Initiatoren melden.

Ziel ist eine Produktion von 400 Hektoliter pro Jahr

Ulf Müller hat dabei auch die Attraktivität der Stadt im Blick: „Burgkunstadt wird mit der ,Komm.1059‘ vor allem aufgrund der Initiative Ortsansässiger attraktiv bereichert und erhält zudem ein schmuck hergerichtetes Anwesen, das sich harmonisch in das äußere Altstadt-Ensemble einbinden wird.“

Die Sudanlage soll einen Ausstoß von etwa fünf Hektoliter pro Sud oder zehn Hektoliter im Doppelsud haben, wie Christian Pauler erläutert: „Ziel ist zunächst die Produktion und der Verkauf von 400 Hektoliter pro Jahr. Alle Brauarbeiten werden von fachkundigem Personal wie Braumeister, Brauer und Mälzer professionell betreut. Dazu sind wir aktuell dabei, ein Netzwerk mit entsprechenden Experten aufzubauen, die abwechselnd das Bierbrauen übernehmen werden.“

Beim Brauen werden aktive Helfer benötigt

Auch hier kommt der Gemeinsinn zum Tragen – aktive Helfer werden jedes Mal benötigt, um den Brauern tatkräftig zur Seite zu stehen und anschließend beim Abfüllen und Probieren zu assistieren. Dies gilt vor allem beim Reinigen – „denn Hygiene und Sauberkeit sind beim Brauen das A und O und die Grundlage für gutes Bier“, erklärt David Klein, der vor Kurzem zu Oberfrankens besten Jungbrauer gekürt wurde.

Sein Vater Thomas Klein ist ebenfalls überzeugt von der Zielsetzung der neuen Burgkunstadter Kommunbrauerei: „Mit der ,Komm.1059‘ erfüllt sich ein lang gehegter Traum: In der Gemeinschaft der Genossenschaft und in der Symbiose aus erfahrenen Brauern und jungen Wilden mit neuen Brauideen haben wir die Chance, sowohl traditionelle Biertrinker als auch Fans der neuen Genussgeneration mit unseren Bier-Kreationen zu begeistern.“

Zwei bis drei Dauerbrenner plus saisonal unterschiedliche Sorten

Das „Komm.1059“-Bier soll es als zwei bis drei fränkische Dauerbrauer-Sorten geben – saisonal werden weitere Biere, wie Bock und Weizen, hinzukommen. Nach der Lagerung wird das Bier in handelsübliche Flaschen und Fässer abgefüllt und zum Verkauf bereitstehen, aber auch Gastwirtschaften, Wiederverkäufern und Vereinen angeboten. Besonderes Augenmerk wird man auf die „Genossen“ legen – diese sollen ein Vorkaufsrecht erhalten. Zudem können Privatleute die Brauanlage mieten und unter professioneller Anleitung ihre eigenen hopfigen Bierträume Wirklichkeit werden lassen.

Ulf Müller zeigt sich bei der konkreten Umsetzung optimistisch und realistisch zugleich: „Gutes Bier braucht Zeit. Daher heißt es nach der Fertigstellung des Kommunbrauhauses im Frühsommer 2021 auch erst mal ausprobieren und Geduld mitbringen. Aber wir sind guter Dinge, dass sich das Warten lohnt und wir im Herbst 2021 unseren „Genossen“ und der Öffentlichkeit die ersten ,Komm.1059‘-Seidla präsentieren können.“

 

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