BURGKUNSTADT

Burgkunstadt baut das Glasfasernetz selbst aus

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Siegbert Reuther mit einem Kabelstrang für die Breitbanderschließung. Er bereitet den weiteren Ausbau im Burgkunstadter Stadtgebiet vor. Foto: Archiv-Ulrike Müller

Die Stadt Burgkunstadt setzt den Breitbandausbau fort. Rund 2,262 Millionen Euro sollen für Glasfaseranschlüsse in den Stadtteilen Ebneth, Hainweiher, Theisau, Kirchlein, Reuth, Meuselsberg, Pfaffegetten und Hainzendorf investiert werden. Das hat der Stadtrat am Dienstagabend beschlossen. Erstmals wird die Stadt in einem sogenannten Betreibermodell das Glasfasernetz selbst bauen lassen und es an einen Betreiber verpachten.

Beschlossen wurde der Einstieg ins Auswahlverfahren nach der bayerischen Gigabitrichtlinie. Dabei würde Burgkunstadt rund 90 Prozent der Kosten als Zuschuss erhalten, so dass rund 226 000 Euro selbst finanziert werden müssten, wie Siegbert Reuther vom Planungsbüro Reuther NetConsulting aus Bad Staffelstein erklärte. Sollte das bayerische Förderprogramm nicht ausreichen, könnte auch ein Bundesprogramm genutzt werden.

„Durch das Betreibermodell wird die Stadt Eigentümerin des Glasfasernetzes, das sie bezahlt hat.“
Siegbert Reuther, Reuther NetConsulting
Schnelles Internet: Im westlichen Stadtgebiet von Burgkunstadt sollen Ebneth, Hainweiher, Pfaffegetten und Meuselsberg m... Foto: Reuther NetConsulting

„Durch das Betreibermodell wird die Stadt Eigentümerin des Glasfasernetzes, das sie bezahlt hat“, sagte Reuther. „Wer bezahlt, sollte in der Regel auch Eigentümer werden.“ Anstatt die Planung und den Bau wie bisher einem Betreiber wie der Telekom zu übertragen, muss die Stadt die Arbeiten selbst beauftragen. Dadurch könne sie auch den Zeitpunkt der Erschließung bestimmen. Das bedeute in der Anfangsphase etwas Arbeit, doch mit dem Unterhalt könne der spätere Betreiber vertraglich betraut werden. Durch die Verpachtung könnte die Stadt bei den geplanten rund 300 Anschlüssen Pachteinnahmen von 25 000 bis 30 000 Euro im Jahr einnehmen. Ein Verkauf des selbst errichteten Netzes an einen Betreiber sei angesichts der zu erwartenden Wertsteigerung nicht sinnvoll.

Förderfähig seien zurzeit nur die geplanten 300 Anschlüsse in den Stadtteilen. Die Kernstadt, Mainroth und der größte Teil von Neuses, die bereits von Vodafone mit rund 100 Mbit versorgt werden, könnten daher frühestens ab 2023 ausgebaut werden. Dann solle ein weiteres Förderverfahren den Ausbau auf bis zu 250 Mbit ermöglichen. „Mit 100 Mbit kann man gut lernen oder sich unterhalten lassen, aber für die Zukunft werden größere Bandbreiten benötigt und das geht nur mit Glasfaser“, betonte Siegbert Reuther.

Im östlichen Stadtgebiet von Burgkunstadt sollen Kirchlein, Reuth, Hainzendorf und Theisau mit Glasfaserkabel versorgt w... Foto: Reuther NetConsulting

Geprüft werden solle außerdem die Erschließung einzelner Gebäude wie etwa in Mainroth, deren Versorgung unter 100 Mbit liegen. Die Betroffenen könnten ein Angebot von Vodafone einholen und die Stadt würde es dem Ministerium vorlegen. Das sei allerdings eine Kostenfrage, da ein Anschluss mit maximal 6000 Euro gefördert werde.

Der Anschluss der 300 Haushalte könnte in drei bis vier Jahren erfolgen, sagte Reuther auf Nachfrage von Zweiter Bürgermeisterin Susanne Bock von Wülfingen (FW). Als nächster Schritt erfolge das Auswahlverfahren für einen Betreiber.

„Mit dem Betreibermodell können wir uns die zehn Prozent wiederholen, die wir investiert haben“, bekräftigte Günter Knorr (CSU). Dann hätte sich die Investition in etwa acht Jahren amortisiert, meinte Thomas Müller (Bürgerverein).

Aus dem Stadtrat: Vorreiter bei 2Gplus

Galt bisher für den Zugang von Stadtratssitzungen in Burgkunstadt die 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet), unterzogen sich am Dienstagabend die Stadträte und Besucher angesichts der dramatischen Infektionszahlen freiwillig einem zusätzlichen Schnelltest. Den nahmen Helfer der DLRG routiniert im Foyer der Stadthalle ab. Und während der Sitzung galt sicherheitshalber die Maskenpflicht.

Auf den dritten Anlauf genehmigte der Bauausschuss mit 6:5 Stimmen (BV und Grüne stimmten dagegen) einen bereits errichteten Zaun in der Johann-Cellarius-Straße 5. Der 1,80 Meter Sichtschutzzaun auf einer Stützmauer (insgesamt über zwei Meter Höhe) widerspricht den Bestimmungen des Bebauungsplans, der Einfriedungen von maximal einem Meter vorsieht. Als Kompromiss hatten die Eigentümer angeboten, im oberen Teil des Stabmattenzauns bis auf eine Höhe von einem Meter auf den Sichtschutz aus Kunststoff zu verzichten. Eine Kürzung des Zauns um einen Meter forderten Thomas Müller (BV) und Sebastian Callens (Grüne), da er nicht in die Umgebung passe und alle Nachbarn sich an die Vorschriften gehalten hätten. „Wir sollten den Bürgern auch mal entgegenkommen“, appellierte Dieter Schmiedel (SPD). Günter Knorr war gleicher Meinung und warnte vor Schäden bei der Kürzung des Zauns.

Beschlossen wurde die Widmung von vier Stichstraßen zur Ortsstraße Kriegsäcker (375 Meter).

Über abgestellte Schrottautos auf einem Parkplatz und in einer Einfahrt ärgern sich die Anwohner der Brunnengasse, wie Manfred Weigang (BV) berichtete. Wenn sie auf öffentlichen Grund abgestellt sind, werde die Stadt etwas dagegen unternehmen, ansonsten habe sie keine Handhabe, erklärte geschäftsleitender Beamter Sven Dietel.

Für Ärger sorgt auch die Ablagerung von Blech an der Kläranlage, weil seit acht Wochen der Altblechcontainer fehle, bemängelte Michael Doppel (FW).

Die Informationstafeln, die über die NS-Vergangenheit der Heimatdichterin Kuni-Tremel-Eggert in der nach ihr benannten Straße und die Nazi-Symbolik am Portal der Grundschule informieren sollen, werden vom Institut für bayerische Landesgeschichte vorbereitet, erklärte Sven Dietel auf Nachfrage von Dr. Ulrike Dinglreiter. Die Kosten beliefen sich voraussichtlich auf 1000 bis 1500 Euro.

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