ALTENKUNSTADT

Bürgerversammlung: Offene Fragen bei Lehrschwimmbecken

Gut besucht war die Bürgerversammlung in der Kordigasthalle. Das geplante Lehrschwimmbecken sorgte für viel Gesprächsstoff. Auch Gemeinderat Rolf Gnatzy von den Freien Wählern (2. v. re.) ergriff das Wort. Rechts neben ihm Bürgermeister Robert Hümmer. Foto: Stephan Stöckel

Die Bürgerversammlung ist gewöhnlich kein Publikumsmagnet. Der seit Jahren kontrovers diskutierte Bau eines Lehrschwimmbeckens für Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain auf dem Schul- und Sportgelände in Röhrig lockte am Mittwochabend rund 100 Bürger in die Kordigasthalle. Für jede Menge Gesprächsstoff war gesorgt.

Während die einen den Bau befürworteten, um Kindern vor Ort das Schwimmen zu lehren, fragtem andere, ob Altenkunstadt sich ein Bad auch leisten könne. Mit Blick auf die Verschuldung, die für das Jahr 2024 auf 14,2 Millionen Euro prognostiziert wird, stellte Dritte Bürgermeisterin Allmut Schuhmann (SPD) fest, dass es dringendere Aufgaben, wie die Sanierung der Mittelschule oder die Erneuerung der Kreuzbergkita gebe.

Von einer Schwimmstunde in Michelau nur 20 Minuten im Wasser

Ein leidenschaftliches Plädoyer für den Bau eines Lehrschwimmbeckens hielt die Mutter einer zehnjährigen Tochter, die den Schwimmunterricht in Michelau als ungenügend bezeichnete. Durch die Hin- und Rückfahrt blieben gerade einmal 20 Minuten für das Schwimmen übrig. Volker Thormählen, Vorsitzender des Vereins für kommunale Zusammenarbeit, ermunterte die Altenkunstadter, beim Bürgerentscheid am 21. November für den Bau eines Lehrschwimmbeckens zu stimmen.

Wie das Bad einmal aussehen könnte, zeigte der Lichtenfelser Architekt Gerd Peter Lauer anhand einer Powerpoint-Präsentation. Das Becken mit zwei Übungseinheiten und fünf Bahnen wäre 25 Meter lang und 12,5 Meter breit. „Der Hubboden ermöglicht die Einstellung auf folgenden Wassertiefen: 30, 60 und 90 Zentimeter sowie 1,35 und 1,80 Meter“, sagte Lauer. Insgesamt 106 Sportklassen aus den Grundschulen in Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain, der Mittelschule Altenkunstadt, sowie der Realschule und dem Gymnasium Burgkunstadt könnten dort ihren Schwimmunterricht absolvieren. Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) teilte mit, dass mit Mainleus und Kasendorf auch zwei Kommunen aus dem Nachbarlandkreis Kulmbach ihre Schüler zum Schwimmunterricht nach Altenkunstadt schicken wollen.

Die Gesamtkosten für das Vorhaben, die Lauer 2019 noch auf 5,9 Millionen Euro geschätzt hatte, korrigierte er aufgrund der steigenden Baupreise auf 6,4 Millionen Euro. „Das stimmt hinten und vorne nicht“, zweifelte Gemeinderat Ludwig Winkler (FBO). Eine siebenprozentige Erhöhung sei zu niedrig veranschlagt. „Meinen Berechnungen liegen Zahlen des statistischen Bundesamtes zugrunde“, rechtfertigte sich der Architekt.

Was passiert, wenn die Baukosten weiter in die Höhe schnellen sollten? Hümmer ist bestrebt, mit dem Landkreis Lichtenfels und der Stadt Burgkunstadt Nachverhandlungen über eine Beteiligung an den Mehrkosten zu führen. Auf Nachfrage eines Bürgers räumte er ein, dass bei einer Weigerung, Altenkunstadt die Mehrkosten alleine zu tragen habe.

Niedrigerer Stundensatz bei eigenem Bad wegen der Fahrtkosten

Betrieben werden soll das Bad ehrenamtlich von den Mitgliedern der DLRG mit Unterstützung der Altenkunstadter Wasserwacht. Die jährlichen Betriebskosten bezifferte Hümmer auf 234 700 Euro. Daraus errechnete er bei einer Auslastung von 51 Schulwochenstunden in einem Zeitraum von 36 Wochen einen Stundensatz von 127,83 Euro. Er wird von den Sachaufwandsträgern, also den Kommunen, die für die jeweiligen Schulen zuständig sind, bezahlt. „Der Stundensatz wird jedes Jahr aufs Neue angepasst, damit es kein Defizit gibt“, sagte Hümmer.

Gut besucht war die diesjährige Bürgerversammlung in der Kordigasthalle. Architekt Gerd Peter Lauer stellte den Bürgern ... Foto: Stephan Stöckel

Derzeit lernen die Kinder aus dem östlichen Landkreis Lichtenfels im Michelauer Lehrschwimmbecken das Schwimmen. Werner Schneider, Vorsitzender der DLRG Burgkunstadt, bezifferte die Kosten in Michelau für eine Schwimmeinheit inklusive Schülertransportauf 235 Euro, was deutlich über den Stundensatz für Altenkunstadt liege. Die jährlichen Buskosten für alle drei Kommunen für eine Klasse bezifferte er auf 14 611 Euro. Auch die Bürger sollen in dem Bad schwimmen können. Laut Schneider sind auch Kurse für Babyschwimmen, Aquarobic, Wasser- und Seniorengymnastik angedacht.

Würden Realschule und Gymnasium das Lehrschwimmbecken nutzen?

Der Landkreis Lichtenfels beteiligt sich mit 500 000 Euro an dem Bad. Darüber gibt es eine Vereinbarung von 2018. Darom heißt es, dass die Schulleiter von Realschule und Gymnasium in Burgkunstadt versichert hätten, dass die wenigen in den Lehrplänen vorgesehenen Schwimmstunden auch problemlos im Burgkunstadter Freibad Kunomare genommen werden könnten. „Sind die 51 Schulstunden also nicht zu 100 Prozent fix?“, wollte Allmut Schuhmann wissen. Zudem heißt es in dem Papier, dass aus der Vereinbarung keine Verpflichtung zur tatsächlichen Nutzung des Schwimmbades durch die zwei Schulen geltend gemacht werden könne. „Haben wir keine Möglichkeit durchzusetzen, dass die Stunden auch tatsächlich genommen werden?“, fragte Schuhmann. „Die Vereinbarung ist überholt“, erwiderte Hümmer. Schneider ergänzte, dass laut der Regierung von Oberfranken auch bei weiterführenden Schulen der Schwimmunterricht in einem Lehrschwimmbecken stattzufinden habe.

Joseph Jachmann (Bündnisgrüne) wunderte sich, dass das Bad mit einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk ausgestattet werden solle, während in der benachbarten Mittelschule eine Holzhackschnitzelanlage eingebaut wurde. Allmut Schuhmann wollte wissen, ob ein Umschwenken auf Gas, förderschädlich sei. Hümmer erklärte, dass man jederzeit von Gas auf Hackschnitzel umsteigen könne. Dann gebe es aus einem anderen Fördertopf einen Zuschuss in Höhe von 45 Prozent.

Schulsanierung 1,1 Millionen Euro teurer als geplant

Neben dem Lehrschwimmbecken brannten den Bürgern keine weiteren Themen auf den Nägeln. Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) sprach in seinem Jahresrückblick auch Aktuelles an. Der Bürgerbus habe sich seit seiner Einführung vor vier Jahren zu einem Erfolgsmodell über die Gemeindegrenzen hinaus entwickelt. „Die Kommune Burgkunstadt hat ihn jetzt angemietet, wo er jeden Dienstag fährt“, stellte der Bürgermeister erfreut fest. Dass es in diesem Schuljahr an der Grundschule drei erste Klassen gibt, war für Hümmer ein weiterer Grund zur Freude.

Weniger erfreulich ist die Verteuerung der Gesamtkosten für die Generalsanierung der Grundschule von 8,7 auf 9,8 Millionen Euro. Das Gemeindeoberhaupt teilte mit, dass die Zuwendungen von 4,7 auf knapp über fünf Millionen Euro steigen werden.

Die Zahl der Asylbewerber, die in Altenkunstadt leben, ist von 70 auf 33 gesunken. „20 anerkannte Flüchtlinge leben derzeit in Altenkunstadt in Privatwohnungen“, informierte der Bürgermeister.

Erfreulich: Alle Klassenzimmer der Grund- und Mittelschule sind mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet.

In Altenkunstadt hat die Corona-Pandemie laut Hümmer im vergangenen Jahr die Zahl der Verstorbenen deutlich ansteigen lassen und zwar von 67 auf 80.

Was lange währt wird endlich gut: Das 35 000 Quadratmeter große Gewerbegebiet Woffendorf, im Jahre 2000 beschlossen und 2021 erschlossen, ist bereits zu einem Drittel an Unternehmen verkauft. Derzeit wird die Weismainer Straße saniert. An der Einmündung zur Straße „Am Külmitz“ wurde laut Hümmer eine Verkehrsinsel geschaffen, die zur Sicherheit von Fahrradfahrern und Fußgängern beiträgt.

 

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