ALTENKUNSTADT

Bürgerversammlung: Ärger über die teuren Knöllchen

Bürgerversammlung: Ärger über die teuren Knöllchen
Wer auf einem Parkplatz der Get IT Consulting GmbH parkt, dem knöpft das Unternehmen 156 Euro ab. Sehr zum Unmut vieler Bürger. Gemeinde und Polizei sind die Hände gebunden, da Privatrecht gilt. Foto: Stephan Stöckel

Parken kann in Altenkunstadt teuer werden. 156 Euro musste eine Bürgerin blechen, die am Kirchweihsonntag auf dem Parkplatz der Get IT Consulting GmbH parkte. Die Firma, die Unternehmen in Fragen der Digitalisierung berät, ist in das ehemalige Sparkassengebäude eingezogen. Sie hat eine Firma mit der Parkplatzüberwachung beauftragt, die rigoros gegen Falschparker vorgeht.

Sehr zum Unmut vieler Altenkunstadter, wie in der Bürgerversammlung jüngst deutlich wurde. Das Wort von der Abzocke machte im katholischen Pfarrjugendheim die Runde. Anni Gückel sprach vielen aus der Seele, als sie feststellte: „Die Mitarbeiter des Unternehmens parken stundenlang auf öffentlichen Parkplätzen in der Langheimer Straße und sie selbst zocken die Leute ab.“

„Die Mitarbeiter des Unternehmens parken stundenlang auf öffentlichen Parkplätzen in der Langheimer Straße und sie selbst zocken die Leute ab.“
Anni Gückel bei der Bürgerversammlung

Volker Thormählen appellierte an Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) „den Zirkus“ zu beenden. Dieser äußerte Verständnis für die Verärgerung, betonte aber zugleich dass der Gemeinde und der Polizei die Hände gebunden seien, da es sich um Privatrecht handele.

Dieter Radziej: den Dauerparkern einen Riegel vorschieben

Dieter Radziej schlug vor, eine zweistündige Parkbeschränkung zu erlassen, um dem Dauerparken auf öffentlichem Grund durch Mitarbeiter des Unternehmens einen Riegel vorzuschieben. Betroffen sind vor allem Bürger, die Geld in der Sparkasse abheben wollen. Doch Parkplätze rund um das ehemalige Bankgebäude sind derzeit wegen der Bauarbeiten rund um die Raiffeisenbank, wo Altenkunstadts neue Mitte entsteht, rar gesät.

Vor dem Bankgebäude sind nur noch zwei Parkplätze für Kunden des Kreditinstituts vorgesehen. „Die sind von Dauerparkern belegt“, klagte Brigitte Richter, die sich diesbezüglich an die Sparkasse gewandt hatte. In einem Schreiben habe die Bank eine Lösung des Problems zugesichert. Auf dem Parkplatz hinter dem Firmengebäude wurde ein Container errichtet, in dem Mitarbeiter der Get IT Consulting GmbH arbeiten. Ferner wurden einige Parkplätze vermietet.

Hümmer erklärte diesbezüglich, dass die Gemeindeverwaltung auf Bitte von Gemeinderat Hans-Werner Schuster zwei Fragen nachgehen werde: „Wie viele Stellplätze sind durch den Containerbau weggefallen? Reichen die vorhandenen aus oder müssen Parkplätze bei der Gemeinde abgelöst werden?“

Thomas Siebenaller kann Beschluss des Gemeinderats nicht nachvollziehen

Eine Mehrheit im Gemeinderat hatte Anfang Oktober die geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage bei Zeublitz abgelehnt. Einen Beschluss den Thomas Siebenaller nicht nachvollziehen kann. Für ihn wurde eine große Chance vertan. Die Tatsache, dass es nicht zur Gründung einer Energiegenossenschaft kommt, wurmt ihn besonders. „Sie hätte dafür gesorgt, dass ein Teil der Altenkunstadter Haushalte kostengünstig mit Strom versorgt worden wäre.“

Altenkunstadt lasse sich zudem viel Geld entgehen, in dem es auf Einnahmen aus Einspeisevergütung und Gewerbesteuereinnahmen verzichte. „Konkret sind es 1,7 Millionen Euro“, sagte Hümmer, der in der Ratssitzung für das Vorhaben gestimmt hatte. Zudem wies er auf die explodierenden Strompreise hin, die sich von 4,7 Cent auf 63 Cent für die Kilowattstunde erhöht hätten. „Das sind 600.000 Euro mehr im nächsten Verwaltungshaushalt für die Gemeinde Altenkunstadt“, stellte der Bürgermeister fest.

Wieviel Strom benötigt die Weihnachtsbaumbeleuchtung?

In der Adventszeit soll es in der Gemeinde glitzern und funkeln, wenn es nach dem Bürgermeister geht. Die Stromkosten für den Weihnachtsbaum vor dem Rathaus bezifferte er auf drei Euro für den ganzen Monat bei einer täglichen Beleuchtungszeit von sechs Stunden. „Im Dezember gilt noch der alte Stromtarif“, erklärte er den günstigen Preis.

Auch die übrige Adventsbeleuchtung sollte zeitlich begrenzt werden, sprach das Gemeindeoberhaupt den rund 50 Anwesenden aus der Seele. Spendabel zeigte sich Dieter Radziej: Er will die LED-Beleuchtung für den Christbaum spendieren.

Im Ortsteil Baiersdorf wurde festgestellt, dass es sich bei den Kanalrohren in der Mainecker Straße, die saniert werden sollen, um Asbestzementrohre handelt, die ausgebaut und als Sondermüll entsorgt werden müssen. „Das verursacht Mehrkosten von 600.000 Euro“, informierte Hümmer die Öffentlichkeit. Der Bürgermeister freute sich darüber, dass 2021 die Zahl der Geburten von 45 auf 63 gestiegen war. Zudem teilte er mit, dass es im nächsten Jahr in der Grundschule wieder drei erste Klassen geben werde.

Läuft die Generalsanierung der Grundschule Altenkunstadt aus dem Ruder?

In Altenkunstadt kursieren derzeit unterschiedliche Zahlen zu den Kosten für die Generalsanierung der Grundschule. Der Bürgermeister hatte in seinem Rechenschaftsbericht von rund zehn Millionen Euro gesprochen. In einer Versammlung der Jungen Wähler Union war kürzlich sogar von 14 Millionen Euro die Rede. Hümmer erklärte auf Nachfrage Thormählens, dass er die Zahlen der Wählergruppierung nicht nachvollziehen könne. Von diesem darauf angesprochen, dass sich die Kosten von 6,1 auf zehn Millionen Euro erhöht hätten, räumte Hümmer ein, dass der verpflichtete Architekt nicht die beste Arbeit abgeliefert habe. „Der Rohbau kam doppelt so teuer wie geschätzt“, sagte Hümmer. Für Ehrenbürger Otto Schuhmann (SPD) lautete die Moral aus der Geschichte: „Damit Projekte nicht aus dem Ruder laufen, sollte vor Ort jemand eingestellt werden, der das Vorhaben täglich überwacht.“

Dies habe sich beim Bau des Burgkunstadter Gymnasiums in den 1970er Jahren gut bewährt. Die Entscheidung des Gemeinderats für eine Generalsanierung sei die richtige gewesen. Die geräumigen Zimmer in den Gebäuden seien optimal für die Schüler. Bei einem Neubau, der auch diskutiert worden war, hätte es nur kleinere Räume gegeben, was Hümmer bestätigte.

Für den Bau des Lehrschwimmbeckens, der auf 2024 verschoben wurde, sieht Schuhmann schwarz: „Ich glaube nicht mehr an eine Verwirklichung.“ Der ehemalige Gemeinderat von der SPD und regelmäßige Schwimmer berichtete aus eigener Erfahrung, dass 90 Prozent der Badegäste im Michelauer Hallenbad aus Altenkunstadt und Burgkunstadt stammten. „Der Bedarf nach einem Bad wurde in Altenkunstadt ignoriert“, kritisierte der Redner.

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