ALTENKUNSTADT

Bürgerentscheid: Mehrheit für Lehrschwimmbecken

Den Weg für Schwimmkurse in einem Altenkunstadter Lehrschwimmbecken haben die Bürger freigemacht. Beim Bürgerentscheid hat die Mehrheit für den Bau gestimmt. Foto: reD

Das Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt wird gebaut. Beim Bürgerentscheid „Ja zum Lehrschwimmbecken“ haben sich 1126 Wähler für das Projekt ausgesprochen. Das sind 59,54 Prozent der gültigen Stimmen. Gegen den Bau stimmten 765 Bürger (40,45 Prozent). Die Wahlbeteiligung war mit 42,39 Prozent niedrig – nur 1894 von 4467 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Drei Stimmen waren ungültig. „Das Quorum von 20 Prozent ist erreicht, der Bürgerentscheid mehrheitlich angenommen“, verkündete Wahlleiter Stefan Deuerling um 18.30 Uhr das vorläufige Ergebnis der Schnellmeldungen aus sechs Briefwahllokalen und sechs Urnen-Wahllokalen.

Bürgermeister Robert Hümmer und seine Frau Gabi bei der Stimmabgabe für den Bürgerentscheid „Ja zum Lehrschwimmbecken.“ ... Foto: Dieter Radziej

Den Bürgerentscheid unter dem Motto „Ja zum Lehrschwimmbecken“ hatten Befürworter aus den Kreisen von DLRG und des Vereins für kommunale Zusammenarbeit ermöglicht, indem sie 600 Unterstützungsunterschriften gesammelt hatten. Seit der Schließung des Burgkunstadter Lehrschwimmbeckens 2004 war ergebnislos über den Bau eines Bads diskutiert worden, bis die Gemeinde Altenkunstadt sich mit finanzieller Unterstützung von Burgkunstadt, eines Weismainer Privatmanns und des Landkreises dazu bereiterklärt hatte, es im Schul- und Sportzentrum zu errichten. Allerdings war die Zahl der Befürworter angesichts der finanziellen Lage immer mehr geschrumpft. Einen letzten Versuch von Bürgermeister Robert Hümmer, das Projekt durch einen Bürgerentscheid voranzubringen, hatte im Gemeinderat eine Mehrheit von Grünen, JWU, SPD, FBO und Freien Wählern aufgrund von Bedenken wegen der Finanzierbarkeit durch eine Verschiebung bis nach der Haushaltsberatung verhindert. Und im Etat hatten sie für eine Streichung des Vorhabens aus der Finanzplanung gestimmt und ihm damit die Grundlage genommen.

„Ich freue mich, dass die Bürger sich so deutlich für das Lehrschwimmbecken entschieden haben und dass die endlose Debatte darüber beendet ist.“
Robert Hümmer, Bürgermeister
Teils sehr kreativ waren die Demonstrierenden für ein Lehrschwimmbecken im September, hier mit dem Präsident des DLRG-La... Foto: Archiv-Roland Dietz

„Ich freue mich, dass die Bürger sich so deutlich für das Lehrschwimmbecken entschieden haben und dass die endlose Debatte darüber beendet ist“, sagte Bürgermeister Robert Hümmer (CSU). Für ihn ist das Lehrschwimmbecken ein Herzensanliegen und das Votum der Bürger ermöglicht es ihm, ein Wahlversprechen einzulösen. Die niedrige Wahlbeteiligung spreche nicht gegen das Bad, sondern liege daran, dass die Bürger in der Pandemie innerhalb kurzer Zeit ein zweites Mal zur Urne gerufen wurden: „Hätten wir am Tag der Bundestagswahl abstimmen lassen, wie ich es geplant hatte, wäre die Wahlbeteiligung viel besser gewesen.“ Auch die Warnungen vor den finanziellen Risiken habe manchen wohl zögern lassen.

In eineinhalb Jahren könnte der erste Spatenstich erfolgen

Jetzt werde so schnell wie möglich die europaweite Ausschreibung vorbereitet, damit der Bürgerwille zügig umgesetzt werden könne. Dann wäre in einem bis eineinhalb Jahren mit dem ersten Spatenstich zu rechnen. Eine Auswirkung der zum Teil sehr emotionalen Debatte auf die künftige Arbeit im Gemeinderat sehe er nicht.

Ein Hallenbad sei für die Gemeinde Altenkunstadt finanzierbar, argumentieren die Befürworter des Lehrschwimmbeckens. Foto: red

„Der Bürger hat entschieden, als Demokraten tragen wir das Ergebnis mit“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Karlheinz Hofmann. Als Förderer der Wasserwacht sei er lange für das Bad gewesen, doch letztendlich hätten die Sorgen um die finanzielle Leistungsfähigkeit Altenkunstadts ihn davon abrücken lassen. Sinnvoll wäre es gewesen, ein Bad gemeinsam mit den Nachbarkommunen zu betreiben, doch jetzt blieben die Kosten an Altenkunstadt hängen: „Wir müssen versuchen, das irgendwo wieder einzusparen.“

Warner tragen Ergebnis mit, betonen aber Notwendigkeit zum Sparen

Ein knapperes Ergebnis hatte Georg Deuerling (FBO) erwartet. Selbstverständlich würden FW und FBO den Bürgerwillen akzeptieren, doch mache er sich Sorgen wie das Bad angesichts der vielen Pflichtaufgaben finanziert werden solle: „Wir werden wohl unser Tafelsilber verkaufen müssen.“ Bedauerlich sei es, dass die Anregung der Freien, gemeinsame Stadtwerke mit Burgkunstadt und Weismain zu gründen, um das Bad zu betreiben, keine Mehrheit gefunden habe.

Vor den Kosten eines Lehrschwimmbeckens warnen die Skeptiker, die den Bau ablehnen. Foto: red

„Die Entscheidung ist klar für das Bad gefallen und wir werden dem nicht im Wege stehen“, betonte auch Zweiter Bürgermeister Marco Weidner (JWU). Jetzt gelte es, das Vorhaben auf den Weg zu bringen und noch stärker auf die Finanzen zu achten.

„Es ist eine basisdemokratische Entscheidung und das ist gut so“, sagte Stephanie Dittrich (Grüne). „Jetzt müssen wir alles dafür tun, dass es schnell gebaut wird und an anderer Stelle sparen.“ Sie habe sich immer für eine Bad ausgesprochen, zuletzt aber nicht mehr erkennen können, wie es finanziert werden solle.

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