BURGKUNSTADT

BLLV besucht den Jüdischen Friedhof in Burgkunstadt

BLLV besucht den Jüdischen Friedhof in Burgkunstadt
Unser Bild zeigt die Lichtenfelser Pädagogen auf dem Jüdischen FriedhofBurgkunstadt mit Udo Borschlegel-Diroll (2. v. li.) und BernhardJeßberger (8. v. li.). Foto: Hans Tremel

Der BLLV-Kreisverband Lichtenfels-Bad/Staffelstein traf sich zu einer Führung mit Udo Bornschlegel-Diroll als Referenten beim Jüdischen Friedhof Burgkunstadt. Er liegt oberhalb der Stadt Richtung Ebneth und war für manchen Teilnehmer nicht leicht zu finden.

Der Friedhof , der bei den Juden „Guter Ort“ bedeutet, wurde 1620 am „Hutanger“ angelegt und um 1840 als viereckige Anlage erweitert. 1844 wurde das kleine Taharahaus aus Sandstein gleich hinter dem schmiedeeisernen Eingangstor errichtet. Er ist der größte Landfriedhof Oberfrankens mit über 2000 Grabsteinen und diente den jüdischen Gemeinden am Obermain und den Nachbargemeinden zwischen Kronach, Scheßlitz und Bayreuth als letzte Ruhestätte.

Zustand wird nicht verändert

Der Zustand eines jüdischen Friedhofes wird nicht verändert. Fällt ein Grabstein um, bleibt er liegen, um die Ruhe der Toten nicht zu stören. Der Verstorbene hat sein Grab für immer, in christlichen Friedhöfen wird es auf Zeit gekauft. Auch findet man auf dem Grab keine Blumen, da man Steine auf den Grabstein legt, um dem Verstorbenen seine Dankbarkeit zu zeigen. Der Tote wird in einem Weichholzsarg mit Löchern bestattet, sein Haupt liegt Richtung Grabstein.

Auf manchen Grabsteinen finden sich Verzierungen oder Symbole wie Früchte, Messer... Zwei nach oben gerichtete gespreizte Hände bedeuten, dass hier ein Nachkomme des Stammes „cohen“ liegt, der einem Priestergeschlecht entstammt. Priester konnte man werden, wenn man eine jüdische Mutter hatte und dem Geschlecht Arons entstammte.

Ein Studium wie bei uns war nicht nötig. Um 1624 wurden die ersten Gräber mit Grabstein errichtet, das letzte 1940. 1942 erhielt Frau Jette Lamm das letzte Grab auf dem jüdischen Friedhof in Burgkunstadt, allerdings ohne Grabstein, da die finanziellen Mittel der Familie durch die schrecklichen Maßnahmen der Nationalsozialisten aufgebraucht waren.

600 Grabsteine umgeworfen

Waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Drittel der Burgkunstadter Bevölkerung Juden, ging die Zahl im Revolutionsjahr 1848 durch Abwanderung stark zurück, bis dann in der Nazizeit kaum einer mehr übrig blieb. Für Entsetzen sorgte im Februar 1973 die Schändung des Friedhofes, als über 600 Grabsteine umgeworfen wurden. Am Schluss seiner Führung warb Bornschlegel-Diroll, den Friedhof mit Schulklassen zu besuchen oder auch einmal allein in Ruhe durch die Grabstätte zu gehen.

BLLV-Vorsitzender Bernhard Jeßberger bedankte sich beim Referenten für seine informativen Ausführungen und lud zu einem Umtrunk ein.

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