ALTENKUNSTADT

Bald dreht sich das Mühlrad in Altenkunstadt wieder

Das neue Mühlrad für die Altenkunstadter Neumühle wird aus hochwertigen, lange gelagertem Eichenholz gezimmert. Foto: Dieter Radziej

Viele historische Fachwerkbauten, Bürgerhäuser und Rathäuser verleihen der Region am Obermain ihre besondere Prägung. Dieses beschauliche Bild ergänzen Mühlenanwesen, die sich wie Perlen an einer Schnur entlang des Krassachtales und in der Maintallandschaft aneinanderreihen. Fünf wasserbetriebene Getreidemahl- und Schneidemühlen gab es früher in Altenkunstadt, die schon auf einer Karte aus dem 16. Jahrhundert verzeichnet sind. Als Altenkunstadter Wahrzeichen gilt die Neumühle. Zurzeit wird das markante Mühlrad, das wegen Schäden entfernt worden war, durch einen Nachbau ersetzt.

Eine historische Fischkarte aus dem 16. Jahrhundert verzeichnet die fünf Altenkunstadter Mühlen. Von der katholischen P... Foto: Dieter Radziej

Das malerische Anwesen am Mühlbach der Weismain ist in den vergangenen Jahren saniert und für Wohnungen ausgebaut worden. Sogar ein „Mühlen-Café“ lädt jetzt zum Verweilen und zur Begegnung ein. Das malerische Mühlrad, das sich im Besitz der Gemeinde Altenkunstadt befindet, war seit vielen Jahren marode gewesen. Die Überdachung war eingebrochen und das Mühlrad hing so schräg in seinen Lagern, dass es in den Bach zu stürzen drohte. Daher wurde es abgenommen. Jetzt wird es auf Wunsch vieler Bürger durch einen Nachbau ersetzt.

Die Wasserturbine ist bereits installiert

So wurde in den vergangenen Wochen eine große Wasserturbine installiert, um die die Strömung des Bachs zur Stromerzeugung zu nutzen. Auch die Arbeiten am Fundament für die Aufhängung des Mühlrads sind abgeschlossen. Mit dem Bau des Mühlrads wurde die Zimmerei Erich Schuster GmbH aus Welschenkahl beauftragt.

 

Im Laufe der Jahrzehnte war das Mühlrad der historischen Neumühle in Schräglage geraten, sodass es nach der Gebäudesanie... Foto: Dieter Radziej

Mit dem Bau wurde bereits begonnen, wie Geschäftsführer Erich Schuster berichtete. Das Rad und die Speichen werden hochwertigem, langsam getrocknetem Eichenholz gefertigt, während für die Schaufeln Lärchenholz vorgesehen ist. Für Stabilität sorgt ein Trägerelement aus Eisen. Es wird das rund eine Tonne schwere Mühlrad halten und für eine gleichmäßige Rotation sorgen. Voraussichtlich noch im Februar sollen die Arbeiten abgeschlossen und das Mühlrad installiert werden.

Die Geschichte der Mühle reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. So wird in einem der ältesten Langheimer Urbare 1390 eine „Muenchmuel“ erwähnt, später wird sie als „Heroldsmuel“ und auf einer Karte von 1600 als „Heroltzmül“ bezeichnet, später auch als „Mönchmühle.“ Da die Müller der Steffelmühle und der späteren Neumühle das Holz für die Errichtung und Instandhaltung des Galgens auf dem nahen Galgenberg bei Woffendorf zu liefern hatten, wurde sich auch „Gerichtsmühle“ genannt.

Vor über 80 Jahren wurde die Neumühle bei einem Brand stark beschädigt. Foto: Dieter Radziej

Zwei Brände zerstören die Mühle, jedesmal wird sie wieder aufgebaut

Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Neumühle, die über einen Loh- und Walkgang verfügte, nieder. Sie wurde als zweigeschossiges Mühlenanwesen neu errichtet und daher „neue Mühle“ genannt. Neben dem Mahlwerk verfügte sie auch über Stampf- und Sägewerkseinrichtungen. Das Bild der Fassade bestimmt seitdem das große Mühlrad unter einem hölzernen Vorbau. Ein Brand zerstörte 1939 fast das gesamte Dachgeschoss. Es wurde entsprechend dem historischen Original wieder aufgebaut.

Wie wichtig die Mühlen in früheren Jahrhunderten für die Wirtschaft waren, zeigt ihre Zahl. So waren in Altenkunstadt einst die Rohrmühle, die Kienmühle, die Steffelmühle, die Neumühle und die Mühle bei den Badstuben in Betrieb. Vier von ihnen lagen an einem künstlichen Flussarms, dem Mühlbach, der auch „Kastenwasser“ genannt wurde. Die älteste von ihnen war die Rohrmühle bei Röhrig, die schon 1180 urkundlich bezeugt wurde. Sie stand im Bereich des heutigen Schul- und Sportzentrums.

 

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