HAINZENDORF

Auszeichnung für den Familienbetrieb Steuer aus Hainzendorf

Auszeichnung für den Familienbetrieb Steuer aus Hainzendorf
Unscheinbar und doch so wichtig für Rudolf Steuer, dessen Betrieb mit dem Label „Energieeffizienz in der Landwirtschaft“ ausgezeichnet wurde: Der Batteriespeicher, in dem die selbst erzeugte Energie gespeichert wird und für den eigenen Betrieb dann zur Verfügung steht wenn sie be... Foto: Coprinna Tübel

Eine über 350-jährige Tradition, „gekrönt“ mit Innovation: Der Familienbetrieb Steuer aus Hainzendorf lässt sich bis ins Jahr 1644 zurückverfolgen, vor kurzem wurde er mit der Auszeichnung „Energieeffizienz in der Landwirtschaft“ vom LandSchafftEnergie-Team am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Münchberg geehrt – als zweiter Betrieb in Oberfranken.

Das Label wird bayernweit verliehen und honoriert das Engagement der bayerischen Landwirtschaft für die Energiewende und den Klimaschutz. Konkret beinhaltet dies die Steigerung der Energieeffizienz im eigenen Betrieb.

„Wir denken in Generationen und langfristig.“
Rudolf Steuer, Landwirt

Rudolf Steuer hat dies zusammen mit seiner Frau Barbara, seiner Tochter Anna und ihrem Mann Johannes geschafft: Der Milchviehbetrieb besteht aus rund 160 Tieren. Hinzu kommen mehrere Pferde und ein Esel. In der Biogasanlage auf dem Gelände wird pflanzliches Material und Gülle mit Hilfe von Bakterien unter Ausschluss von Sauerstoff abgebaut, wobei Biogas entsteht. Die Abwärme wird für die Beheizung von Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden genutzt sowie eine Trocknungsanlage für Schüttgüter betrieben.

Im letzten Jahr wurden rund 1 300 000 kWh regenerative Wärmeenergie genutzt, die von der Biogasanlage produziert wurden. Dies entspricht einer Heizöleinsparung von 130 753 Litern. Doch erst durch die Kombination mit umgewandelter Sonnenenergie wird das Konzept komplett: „Durch den Einsatz von mehreren Photovoltaik-Anlagen und eines notstromfähigen Stromspeichers zum Stromeigenverbrauch wird dort eine erhebliche Energiemenge selbst erzeugt und genutzt“, begründet das Netzwerk die Auszeichnung. Das spare Kosten und CO2-Emissionen ein.

Das Kernstück des Systems steckt in einem unscheinbaren Betonhäuschen

„Natürlich nicht von heute auf morgen“, weiß Rudolf Steuer. „Wir denken in Generationen und langfristig.“ Denn die Investitionen in die beiden Anlagen belaufen sich auf über zwei Millionen Euro. „Und dabei sieht man die nicht mal“, scherzt Anna Steuer, denn das Kernstück des Systems, der Batteriespeicher, befindet sich in einem unscheinbaren, kleinen Betonhäuschen mitten auf dem Hof.

98 Prozent eigener Strom an Sommertagen

Zwar erhält der Betrieb eine Förderung und die Familie hat etliche Kosten durch Eigenleistung reduziert, doch ein Risiko bleibt. Wenn sich Familie Steuer verkalkuliert, haftet sie mit ihrer gesamten Existenz, erklärt Rudolf Steuer. Wie so häufig in der Landwirtschaft.

Doch momentan scheint das Konzept erfolgsversprechend: Insgesamt haben die PV-Anlagen der Familie Steuer eine installierte elektrische Leistung von 280 kWp. Damit erzeugte und verbrauchte die Landwirtschaft im Jahr 2019 über 50 000 kWh Strom selbst. In Kombination mit dem Energiespeicher deckte der Betrieb in diesem Jahr etwa 39 Prozent des benötigten Stroms selbst ab.

Auszeichnung für den Familienbetrieb Steuer aus Hainzendorf
Der Familienbetrieb Steuer aus Hainzendorf bei Burgkunstadt wurde mit dem Label "Energieeffizienz in der Landwirtschaft"... Foto: Privat

An Spitzentagen im Juli 2019 konnten teils sogar Werte über 98 Prozent erreicht werden. Dadurch werden die Energiekosten gesenkt. Selbst bei Stromausfall sind die elektrischen Anlagen noch in Betrieb. „Das ist in den letzten Jahren gar nicht so selten vorgekommen“, blickt Johannes Steuer zurück. Er fühlt sich heute sicher, denn die Biogasanlage benötigt eine dauerhafte Stromversorgung.

Die Landwirtschaft ist vom Klimawandelt besonders betroffen

Der junge Mann zeigt hohes Fachwissen, dabei hat er „erst“ vor sechs Jahren begonnen, auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Vollzeit zu arbeiten. Zuvor hatte er als Bankkaufmann gearbeitet. Er sowie die gesamte Familie ist stolz auf die Auszeichnung „Energieeffizienz in der Landwirtschaft“: „Wir erzeugen nicht nur viel Energie selbst, sondern können sie auch für uns nutzen“, so Rudolf Steuer und verweist dabei auf die Landwirtschaft als diejenige Branche, die durch den Klimawandel der letzten Jahrzehnte besonders hart betroffen sei.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Münchberg als Koordinationsstelle bietet kostenfreie Beratung zu Fragen rund um die Energiewende und unterstützt im Rahmen einer Energieberatung landwirtschaftliche Betriebe bei der Energieeinsparung und bei der Effizienzsteigerung.

Weitere Informationen gibt es unter: www.aelf-mn.bayern.de oder unter www.landschafftenergie.bayern.

 

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