BURGKUNSTADT

Aus für geplante Burgkunstadter Kunst-Fabrik

Ein Schandfleck wird die ehemalige Aro-Schuhfabrik Am Bauershof 2 wohl noch länger bleiben, nachdem sich die Pläne zur Einrichtung einer Kunst-Fabrik zerschlagen haben. Foto: Gerhard Herrmann

Mit ihren Ausstellungen in der Produzentengalerie für Gegenwartskunst haben Lucia Scheid-Nam und ihr Mann Otto Scheid zahlreiche Kunstfreunde nach Burgkunstadt gelockt. Begeistert hatten die Eheleute mit ihren Plänen zur Einrichtung einer Kunst-Fabrik in der Ruine der ehemaligen Büttner-Schuhfabrik (Am Bauershof 2) nicht nur Stadtverwaltung und Stadtrat, sondern auch viele Bürger. Das Vorhaben hätte nicht nur Künstler und Kunstfreunde nach Burgkunstadt gelockt, sondern gleichzeitig den im Volksmund als „Akropolis“ verspotteten Schandfleck beseitigt. Nachdem der Kaufvertrag schon unterschriftsreif war, haben die Investoren abgesagt.

Als Auslöser für ihren Rückzieher nennt Lucia Scheid-Nam nicht nur „private Gründe“, sondern vor allem auch ein Rückkaufsrecht, das die Stadt im Notarsvertrag festschreiben wollte. „Wir hatten vor, rund eine Million Euro zu investieren, da ist uns ein Rückkaufsrecht der Stadt auf fünf Jahre zu riskant“, gibt sie zu bedenken.

Sorge wegen fünfjährigem Rückaufsrecht der Stadt

Dies könnte greifen, wenn die Stadt in Gestaltungsfragen andere Vorstellungen habe als die Bauherren – etwa bei der Fassadenfarbe, der Pflasterung oder Bäumen. Daher ließen die Eheleute den Kaufvertrag von einem zweiten Notar überprüfen. Der habe sie davor gewarnt, sich auf derartige Klauseln einzulassen. „Das Risiko ist zu groß, in fünf Jahren kann viel passieren“, gibt Lucia Scheid-Nam zu bedenken. „Was ist, wenn bei der nächsten Wahl ein neuer Bürgermeister und neue Stadträte drankommen, die das Projekt nicht mehr mittragen?“, hätten sie und ihr Mann sich gefragt.

„Wir wollten etwas für Burgkunstadt tun und haben viel Kraft, Nerven und auch einiges an Geld in die vorbereitenden Planungen investiert.“
Lucia Scheid-Nam, Künstlerin und Galeristin

In einem Telefongespräch darauf hingewiesen, habe Bürgermeisterin Christine Frieß jedoch auf dem Vertragsentwurf bestanden – inklusive der Rückkaufs-Klausel. Daraufhin habe sie der Bürgermeisterin schweren Herzen mitgeteilt, dass sie und ihr Mann die Pläne mit der Kunst-Fabrik fallen ließen. „Wir wollten etwas für Burgkunstadt tun und haben viel Kraft, Nerven und auch einiges an Geld in die vorbereitenden Planungen investiert“, bedauert sie. Vorgesehen war ein Umbau der ehemaligen Schuhfabrik zu Atelier- und Ausstellungsräumen für Künstler im Erdgeschoss sowie sechs bis sieben Wohnungen im Obergeschoss. Angedacht war die Vermietung an Künstler, die im Obergeschoss wohnen und im Untergeschoss arbeiten könnten – auch ein kleines Café war im Gespräch.

Die Investoren konzentrieren sich jetzt auf den Umzug der Galerie

Stattdessen wollen die Künstlerin und ihr Mann sich nun auf den Umzug der Produzentengalerie vom Schönberg an den Marktplatz konzentrieren. Dort renovieren sie ein Fachwerkhaus, in dem sie künftig ihre Ausstellungen zeigen wollen. Eröffnet werden sollen die neuen Räume, sobald es die Pandemie zulasse. Voraussichtlich im Juli.

Bürgermeisterin Christine Frieß äußert sich enttäuscht darüber, dass das Leuchtturmprojekt, das Burgkunstadt über den Landkreis hinaus hätte bekannt machen können, gescheitert ist. „Es wäre die Chance gewesen, Burgkunstadt als Burg-Kunst-Stadt bekannt zu machen“, meint sie. Umso bedauerlicher sei der Rückzug der Investoren, da im Vorfeld gute Gespräche geführt und in allen Fragen eine Einigung mit den Eheleuten erzielt worden sei.

Verwundert zeigt sich die Bürgermeisterin darüber, dass das Rückkaufsrecht der Stadt den Ausschlag für das Scheitern gegeben haben solle. Sie habe Lucia Scheid-Nam so verstanden, dass die Eheleute aus privaten Gründen vorerst kürzer treten wollten. Bei solchen Vorhaben, bei denen es um entscheidende Eingriffe ins Stadtbild geht, sei ein Rückkaufsrecht üblich.

Ausdrucksvolle Farbspiele und Naturmotive bestimmen das Werk der Künstlerin Lucia Scheid-Nam. Mit ihrer Produzentengaler... Foto: Mathias H. Walther

Schließlich stehe das ehemalige Fabrikgebäude am Tor zur Oberstadt und in direkter Blickachse zum Rathaus.

Unterschiedlich Gestaltungsvorstellungen hätten nach Ansicht der Bürgermeisterin auch kein Problem sein müssen, an dem ein solches Vorhaben scheitert: „Da hätten wir uns sicher geeinigt.“ Der Stadt sei es bei der Vertragsklausel mehr um ein Mitspracherecht beim Zeitraum der Verwirklichung gegangen. Gerade weil die „Akropolis“ schon seit Jahrzehnten ein Schandfleck sei, wolle die Verwaltung sichergehen, dass dort bald etwas Attraktiveres errichtet werde. Daher sei die Stadt den Eheleuen auch beim Kaufpreis entgegengekommen.

Jetzt muss der Stadtrat erneut entscheiden: Praxis oder Parkhaus?

Jetzt muss der Stadtrat erneut über die Bauruine beraten. Insgesamt vier Entwürfe hatte das Architekturbüro plan&werk dazu vorgelegt: Zwei Varianten sahen den Abbruch und den Bau eines Parkhauses mit der Möglichkeit von Wohnungen auf dem Dach vor. Untersuchungen haben inzwischen allerdings ergeben, dass kein großer Bedarf an Parkplätzen in der Oberstadt besteht, wenn die Stellplätze am Alten Postweg genutzt werden. Zwei weitere Entwürfe sahen eine Sanierung der soliden Bausubstanz vor, um sie entweder als Kunst-Fabrik oder für eine Arztpraxis beziehungsweise Büros im Erdgeschoss sowie Wohnungen im Obergeschoss zu nutzen. Investoren dafür seien allerdings noch nicht in Sicht, sagte Christine Frieß. Und die Alternativen sind bei weitem nicht so attraktiv wie die Kunst-Fabrik.

Lucia Scheid-Nam

Die Malerin Lucia Scheid-Nam verwandelt in ihren Werken Naturmotive in abstrakte Farbspiele. 2015 beschlossen sie und ihr Ehemann Otto Scheid von Landshut nach Oberfranken zu ziehen. Für die Malerin, die vor ihrer Heirat eine Galerie in Bamberg betrieben hatte, war der Umzug nach Burgkunstadt wie eine Rückkehr in die alte Heimat. Nach Erfahrungen im Team der Produzentengalerie Landshut, beschloss sie in Burgkunstadt überregionale Kunst aus Niederbayern und Oberfranken im Austausch mit der Produzentengalerie Landshut zu präsentieren. Außerdem möchte die in Südkorea geborene Malerin namhafte Künstler aus Asien sowie ganz Europa nach Burgkunstadt holen. Im Februar 2018 hat sie die Produzentengalerie Burgkunstadt für Gegenwartskunst am Schönberg 3 eröffnet. Erfolgreich waren die bisher gezeigten 14 Ausstellungen.
 

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