ALTENKUNSTADT/BURGKUNSTADT

Altenkunstadt erhielt 1863 eine eigene Postexpedition

Einen „Postweg“ gab es einst vor den Toren Burgkunstadts.Repro: Dieter Radziej Foto: Dieter Radziej

Das Zusammenleben in den beiden Kun-städten prägte auch in besonderer Weise die Postgeschichte. Dabei bedurfte es vor allen Dingen von Altenkunstadter Seite einige Anstrengungen, bis die Gemeinde ein eigenes Postamt erhielt. Dies war vor rund 130 Jahren.

Die markantesten technischen Errungenschaften zu damaligen Zeit waren sicherlich 1846 die Eröffnung der Eisenbahnlinie von Lichtenfels nach Hof, wobei es fortan auch einen „Halt“ in Burgkunstadt am Bahnhof gab. Schon 1877 wurde dann der erste Telegraphen-Morseapparat in Betrieb genommen, der eine Verbindung zwischen der Schuhstadt und Weismain herstellte. Auch die Dampfmaschine der Essig-, Senf- und Likörfabrik der Gebrüder Lindner (1862) und die Entscheidung von Joseph Weiermann, mit der „maschinellen Schuhfertigung“ in Burgkunstadt 1888 zu beginnen, leitete gleichsam die industrielle Phase ein.

Nicht nur grenzenloser Jubel über Schuhproduktion in Burgkunstadt

Mit diesem Stempel, der beispielsweise 1933 verwendet wurde, präsentierte sich die „Schuhstadt Burgkunstadt“. Foto: Dieter Radziej

Allerdings gab es gerade hinsichtlich der Schuhproduktion nicht nur grenzenlosen Jubel in Burgkunstadt, denn manche waren der Auffassung, dass damit auch „sozialistische Elemente“ in das beschauliche Städtchen am Obermain kommen würden, was sich allerdings nicht bewahrheitete.

Altenkunstadt, noch zum Zustellbereich des Postamtes von Burgkunstadt zählend, erhielt im Frühjahr 1889 dann eine eigene „Postexpedition“. Bis dahin war auf den jeweiligen Poststempeln immer zu lesen gewesen: „Altenkunstadt über Burgkunstadt“. Die Postversorgung erfolgte dabei über die Postkutschenlinie „Burgkunstadt – Weismain“ mit einem Anschluss an das Bahnpostnetz in Burgkunstadt.

Postexpedition wurde in ein „Postamt 3. Klasse“ umgewandelt

Wie lebhaft dabei der Postbetrieb in den früheren Jahren war, lässt sich auch daran messen, dass werktäglich zweimal und an den Sonntagen einmal die Postzustellung erfolgte.

Ein großes bayerisches Wappen mit der Jahreszahl 1903 schmückt das Gebäude des ehemaligen Burgkunstadter Postamts. Foto: Dieter Radziej

Einen weiteren Aufschwung erhielt das Postwesen in Altenkunstadt am 1. April 1893, denn hier wurde die Postexpedition in ein „Postamt 3. Klasse“ umgewandelt. Allerdings fiel dann, vor 100 Jahren, am 1. Juli, die „Sonntagszustellung“ der Briefe weg.

Um die Jahrhundertwende vollzogen sich im Umfeld der heutigen Bahnhofsstraße von Burgkunstadt, insbesondere für das Postwesen, wichtige Entscheidungen. Es setzte eine rege Bautätigkeit ein. Nachdem schon zirka 1900 der bestehende Bahnhof aufgestockt worden war, entstand 1903 auch das Postgebäude in seinem neubarocken Stil mit einem großen Mansardendach; an der Fassade sind heute noch die Jahreszahl und ein mächtiges Wappen zu sehen. Ab 1913 gab es dann den Motorpostbetrieb, doch waren auch bald die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges zu verspüren, denn mangels Benzin mussten eine gewisse Zeit wieder die Pferde eingespannt werden und die Postlinie „Burgkunstadt-Altenkunstadt-Weismain“ versorgen.

1852 erfolgte sogar die Einrichtung eines „Zweitpostamtes“

1952 erfolgte die Einrichtung eines „Zweitpostamtes“ in Altenkunstadt. Um bei den beengten räumlichen Verhältnissen Abhilfe zu schaffen, wurden auf im Gasthof „Deutsches Haus“ auf dem Marktplatz sogar Gastzimmer und Nebenzimmer als Räumlichkeiten angemietet, bevor schließlich der Umbau zu den „Postdiensträumen“ erfolgte.

So wurden früher die Briefe aufgegeben: Mit dem halbrunden Poststempel und dem Nummernstempel 41 auf einer blauen Drei- ... Foto: Dieter Radziej

Und dennoch blieben die engen Verbindungen zwischen den Kunstädten weiterhin bestehen, denn es ist aus dieser Zeit vermerkt: „An Sonn- und Feiertagen ist um 14 Uhr ein Botengang nach Burgkunstadt durchzuführen“. Und auch weiterhin hatte die Post einen, insbesondere für die männlichen Kunden, „günstigen Standort“ in Altenkunstadt, denn einige Zeit war sie dann im Nebenzimmer der Gastwirtschaft „Sternschuppe“ untergebracht, bevor die Betriebsräume, inzwischen umgebaut, 1956 wieder bezogen werden konnten. Ab 1960 setzte dann die Motorisierung ein. Die teilweise bis zu sechs Vollzeitkräfte im Postamt von Altenkunstadt konnten auf ein Moped, 1962 dann schon sogar einen Pkw bei der Landzustellung zurückgreifen.

1990 konnte der Neubau an der Theodor-Heuss-Straße bezogen werden. Derdamalige Chronist vermerkte: „Das Postamt in Altenkunstadt ist als Außenstelle eines modernen Dienstleistungsunternehmens für die Zukunft gerüstet“. In diesem Gebäude war später auch das „Obermain Tagblatt“ mit einer Außenredaktion untergebracht. Die Neustrukturierung des gesamten Postwesens beendete die Existenz dieses Postamtes, womit die Posttradition nach 130 Jahren zu Ende ging; heute sind am Obermain nur noch die sogenannten Postagenturen vorhanden.

Beliebt: der Stempel „Burgkunstadt – hochentwickelte Schuhindustrie“

Das Postamt Altenkunstadt trug früher die Bezeichnung 8621. Der Stempel wurde angebracht, als die neuen Diensträume in d... Foto: Dieter Radziej

Und dennoch sind aus dieser Epoche viele geschichtliche Zeugnisse – Bilder, Ansichtskarten und Poststempel – erhalten geblieben. So beispielsweise der halbrunde Stempel mit der Schreibweise „Burgkundstadt“; oder der geschlossene Mühlradstempel mit der Bezeichnung „41“. Dieser, zu den Nummernstempeln zählend, kennzeichnete zugleich das Postamt Burgkunstadt. Oder der besonders beliebte Stempel: „Burgkunstadt – hochentwickelte Schuhindustrie“. Wie konnte es auch anders sein, ein Schuh war mit abgebildet.

Selbst ein „Postweg“ entstand in der Schuhstadt, dessen Bezeichnung heute noch im Stadtplan zu finden ist. Es entwickelten sich unter anderem die „Päckchenleitgebiete“, und der Raum am Obermain war mit „13 a“ gekennzeichnet. Auch die ursprünglichen Postleitzahlen „8621“ für Altenkunstadt und „8622“ für Burgkunstadt gehören inzwischen der Vergangenheit ein, denn sie wurden später wie überall durch fünfstellige Postleitzahlenbereiche ersetzt.

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