ALTENKUNSTADT

Familienwallfahrt der Pfarrei Altenkunstadt nach Buchau

Familienwallfahrt der Pfarrei Altenkunstadt nach Buchau
Nach Buchau führte eine Familienwallfahrt der katholischen Kirchengemeinde Altenkunstadt. Im evangelischen Gotteshaus feierten die Pilger mit Pfarrerin Claudia Jobst (10. v. li.) und Pastoralreferentin Birgit Janson (2. v. li.) eine ökumenische Andacht. Förster Ludwig Winkler (hi... Foto: Bernd Kleinert

Unter dem Motto „Nauswärts! Nüberwärts! Naufwärts!“ stand eine Familienwallfahrt der katholischen Kirchengemeinde Altenkunstadt. „Wir wollen dabei Grenzen überschreiten. Vom späten Winter in den Vorfrühling, vom Landkreis Lichtenfels in den Landkreis Kulmbach und in konfessioneller Verbundenheit vom katholischen Kirchenort Geutenreuth zum evangelischen Pfarrdorf Buchau“, erklärte Pastoralreferentin Birgit Janson, die zusammen mit Förster Ludwig Winkler die Pilgertour organisiert hat.

Vor der Geutenreuther Filialkirche Sankt Erhardt aus unternahmen Janson und Winkler mit den Ausflüglern und interessierten Dorfbewohnern einen Streifzug durch die Geschichte des Ortes und seines Gotteshauses, das heute von der Pfarrei Weismain betreut wird. Kirchlich gehörte Geutenreuth vom 13. bis ins 19. Jahrhundert hinein zur Urpfarrei Altenkunstadt und wurde somit auch von den Zisterziensern aus dem Kloster Langheim betreut. Mit Motschenbach, Dörfles, Pöhl und Wüstendorf bildete das Dorf eine politische Gemeinde. Im Zuge der Gebietsreform wurde Geutenreuth 1972 in die Stadt Weismain eingegliedert, die anderen Orte nach Mainleus.

Woher der Spitzname „Sackfundesla“ für die Geutenreuther kommt

Die Geutenreuther werden im Volksmund „Sackfundesla“ genannt. Der Spitzname geht auf einen Mehlkutscher zurück, der auf einem Speicher in Melkendorf eine Heiligenfigur gefunden haben soll. Sakrale Plastiken wurden in der Reformationszeit aus katholischen Kirchen verbannt und verschwanden auf Dachböden. Der Sage nach soll der Kutscher aus Geutenreuth die Figur in einen großen Sack gesteckt und unauffällig zur Dorfkirche St. Erhardt gebracht haben. Sie wurde dort aufgestellt und „Heiliger Sackfundus“ genannt.

Über Felder und an Gedenkkreuzen vorbei marschierten die Pilger in Richtung Staatsforst. Als natürliches Kleinod gilt die Wilhelmsquelle. „Sie wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Trinkquelle für Willmersreuth und Heinersreuth ausgebaut. Da die Rohrleitungen weitgehend zerstört sind, kann sie jedoch nicht mehr genutzt werden“, erläuterte Ludwig Winkler. Die Wilhelmsquelle speist auch den Wasserlauf des Krebsgrabens. Wie Einheimische erzählten, wird dieser Bach auch „Totengraben“ genannt. Denn die Geutenreuther pflegten lange Zeit den Brauch, im Frühjahr den „Tod auszutragen“. Im „Totengraben“ wurden die brennenden Strohpuppen gelöscht.

Wie sehr die Waldwirtschaft das Ortsleben prägte, berichteten Konrad Motschenbacher und Ludwig Winkler. Noch vor 30 Jahren wurde der Wald mit Pferdefuhrwerken bewirtschaftet. Zum Schmunzeln regte die Geschichte von den „Pflanzfrauen“ an, die neue Fichtenschonungen anlegten. Auf dem Weg in Richtung Buchau zeigte der Förster den Pilgern das sogenannte „Kreuznest“ sowie kunstvolle Kreuzsteine. Er führte sie zum „Herrenstein“, einem steinernen Ansitz, wo sich einst die Grafen von Giech der Hirschjagd widmeten. Die Wallfahrer marschierten am Buchauer Schloss vorbei zur evangelischen Pfarrkirche.

Buchau war während der Reformation sehr umkämpft

Pfarrerin Claudia Jobst hieß die Pilger willkommen und informierte über die Geschichte der Pfarrei. „Unsere Pfarrkirche wurde wohl noch vor der Reformation gebaut und vom erzbischöflichen Michaelsberg in Bamberg mit versorgt“, sagte die Geistliche. Nach der Reformationszeit sei die Pfarrei konfessionell stark umkämpft gewesen. „So sehr, dass einmal sogar ein protestantischer Adeliger aus Wut, weil statt des von ihm eingesetzten protestantischen Predigers ein katholischer Geistlicher am Altar stand, diesen kurzerhand niederschoss“, erzählte Jobst. Doch auf wundersame Weise sei der katholische Geistliche nur leicht verletzt worden. „Konfessionelle Streitigkeiten gehören Gott sei Dank der Vergangenheit an, zumal das evangelische Pfarrersehepaar Jobst eine lebendige Ökumene mit den katholischen Christen von Weismain erlebt“, stellte Pastoralreferentin Birgit Janson fest.

Im Zeichen der Ökumene stand auch die Schlussandacht. Pfarrerin Claudia Jobst machte deutlich, dass in seinem Sohn Jesus auch Gott immer wieder konventionelle und traditionelle sowie spirituelle und natürliche Grenzen überschritten habe. Eine Abendeinkehr in Buchau rundete die erlebnisreiche Familienwallfahrt ab.

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