WEISMAIN

Stichwahl in Weismain: Unschöner Wahlkampf geht zu Ende

Schön war der Wahlkampf nicht, da sind sich Amtsinhaber Udo Dauer (CSU) und Herausforderer Michael Zapf (GUB) einig. Doch damit enden auch die Gemeinsamkeiten der Kandidaten um das Bürgermeisteramt in Weismain. Am Sonntag, 29. März, wird sich entscheiden, ob Dauer in eine dritte Amtszeit gehen kann oder ob mit Michael Zapf ein Vertreter der Gemeinschaft Unabhängiger Bürger ans Steuer des Jurastädtchens kommt.

Für Rathauschef Dauer ist eine Stichwahl Neuland, gewann er doch die Urnengänge 2008 mit knapp 58 und 2014 mit 55 Prozent jeweils auf Anhieb. Am 15. März hatten aber nur 44,9 Prozent der Wähler für ihn votiert. Mit 1272 Stimmen holte er gerade einmal 23 mehr als Zapf, der auf 1249 Stimmen und 44,1 Prozent kam. „Das hat mich schon getroffen“, gibt der CSU-Politiker zu. Und auch sein Herausforderer räumt ein, mit diesem Resultat nicht gerechnet zu haben – Zapf hört sich jedoch viel erfreuter an: „Mein Ziel war, die Stichwahl zu erreichen und eine realistische Chance zu haben, Bürgermeister zu werden.“ Dass der Abstand so gering sei, freue ihn sehr, genau wie das Vertrauen der Bürger.

„Ich will mir nicht nachsagen lassen, dass ich nicht um mein Amt kämpfen würde.“
Udo Dauer, amtierender Bürgermeister (CSU)

Der Herausforderer kann übrigens auf die Unterstützung des im ersten Wahlgang ausgeschiedenen dritten Bewerbers bauen. Uwe Dück, der 11,1 Prozent beziehungsweise 314 Stimmen gewann, und dessen Bürgerblock empfahlen ihren Wählern, am 29. März für Michael Zapf zu stimmen. Sollten sie dies geschlossen tun, wird es für Amtsinhaber Dauer eng.

Der Rathauschef hat dies erkannt und deswegen den Wahlkampf nach dem 15. März intensiviert. „Wir haben beispielsweise in Weismain Wahlplakate aufgehängt“, sagt Dauer und räumt ein, dass die CSU vor der Wahl angekündigt habe, aus Umweltschutzgründen auf diese zu verzichten. „Wir haben mit dieser Kehrtwende aber kein Versprechen gebrochen, wie manche behaupten, denn eine Stichwahl ist etwas anderes als die vorherige Wahl. Außerdem will ich mir nicht nachsagen lassen, dass ich nicht um mein Amt kämpfen würde“, betont Dauer.

Um den Chefsessel im Rathaus kämpft Michael Zapf auch, doch dieser beschränkt sich nach dem 15. März und den seit vergangenen Freitag geltenden Beschränkungen hauptsächlich auf soziale Medien wie Facebook. So hat er kürzlich ein Video von sich auf seine Seite eingestellt, in dem er um die Stimmen der Wähler wirbt. „Ich halte an meiner ruhigen und sachlichen Art fest und bleibe auch im Wahlkampf sehr gemäßigt. Und gewiss reagiere ich auch nicht auf die provokante Art der Gegenseite“, sagt der GUB-Kandidat.

Keine Einzelpersonen, sondern ein Team

Hätte es wegen der Coronapandemie keine Einschränkungen gegeben, hätte er sich eine Podiumsdiskussion mit dem Bürgermeister gewünscht, um viele offene Fragen vor Publikum zu klären. Im Übrigen hat Zapf den Wahlkampf bis zum 15. März als fair empfunden. Die GUB habe gezeigt, dass sie keine 16 Einzelpersonen als Kandidaten für den Stadtrat ins Rennen schicke, sondern ein Team. Das sei bei der Bevölkerung gut angekommen. Zapf betont: „Ich werde mich auch jetzt in keine Schlammschlacht hineinziehen lassen, sondern sachlich bleiben.“

Auch Udo Dauer ist in den sozialen Medien präsent, allerdings erst seit Kurzem, „und schockiert über die dort laufende Schmutzkampagne gegen mich“. So würden Gerüchte über ihn in Umlauf gebracht, seine Person als „Verkörperung des Unheils“ dargestellt. Außerdem sei versucht worden, die Rathausmitarbeiter in die Diffamierungen gegen ihn einzubeziehen, schimpft Dauer. Er erklärt, dass die CSU keine Angriffe auf die Gegenseite geführt habe, diese jedoch von den anderen Parteien geführt wurden. Wer ihn derart attackiere, schädige nicht nur die Person Udo Dauer, sondern auch das Bürgermeisteramt und die Stadt Weismain.

Ein Reset im Stadtrat notwendig für eine gute Zusammenarbeit

Zur Arbeit in der neuen Bürgervertretung (CSU: sechs Sitze; GUB: fünf Sitze; SPD und BB jeweils zwei Sitze; Grüne: ein Sitz; Anm. d. Red.) meinte das Stadtoberhaupt, dass es wohl dauern werde, bis die Wahlkampfaussagen vergessen sind. Man brauche einen Reset im Stadtrat, um dann zum Wohle von Weismain arbeiten zu können. Dagegen freut sich Michael Zapf auf die, wegen der neuen Machtverhältnisse notwendige parteiübergreifende Zusammenarbeit im Stadtrat, das werde „super“. Der Kandidat der GUB erhoffe sich ferner mehr Bürgernähe mit Ortsbegehungen und Versammlungen. Außerdem sollten die Bürger viel besser in die politischen Entscheidungen einbezogen und informiert werden, letzteres vor allem über einen umfangreicheren Juraboten. Optimistisch sind beide Bewerber, was den Ausgang der Stichwahl angeht. Dauer baut darauf, dass die Bürger seine Politik der vergangenen zwölf Jahre wertschätzten. Außerdem stünden sehr wichtige Vorhaben wie die Sanierung des Kanalsystems an, wofür er hohe Fördermittel erkämpft habe. Zapf dagegen verweist auf den großen Zuspruch und die Unterstützung für seine Person über alle Parteigrenzen hinweg, welche er in den vergangenen Tagen und auch mit seinem Wahlergebnis am 15. März erfahren habe.

Weitere Berichte zur Kommunalwahl 2020 finden Sie unter www.obermain.de. Alle Ergebnisse vom Wahlabend sowie erste Reaktionen der Kandidaten lesen Sie außerdem im Liveticker zur Stichwahl am Sonntagabend auf www.obermain.de.