BURGKUNSTADT

Grüne sind die Überraschungssieger in Burgkunstadt

Stühlerücken heißt es im Burgkunstadter Rathaus nach der Kommunalwahl. archiv- Foto: Dieter Radziej

Die neu angetretenen Grünen sind die Überraschungssieger der Stadtratswahl in Burgkunstadt. Auf Anhieb haben sie drei Sitze errungen (15,3 Prozent der Stimmen) und damit die Mehrheitsverhältnisse durcheinander gewirbelt. Und Sebastian Callens hat als Bürgermeisterkandidat zwar nur respektable 27,9 Prozent erreicht, aber auf der Stadtratsliste die meisten Stimmen errungen (Callens: 2558, Christine Frieß: 2402, Susanne Bock von Wülfingen: 2184).

Die CSU hat ihre sieben Mandate mit 37,2 Prozent der Stimmen verteidigt, die Freien Wähler haben mit fünf Sitzen einen hinzugewonnen (25,5 Prozent, 2014: 21,9 Prozent), der Bürgerverein musste einen Sitz abgeben und hat jetzt noch drei (13 Prozent, 2014: 18,1 Prozent). Drei Sitze hat die SPD verloren und kommt mit neun Prozent (22,8) nur noch auf zwei Mandate. Die Wahlbetreiligung lag bei 59,1 Prozent (2014: 61,7 Prozent).

„Mehr miteinder reden und überparteilich handeln, damit die Politik transparenter wird.“
Sebastian Callens (Grüne) zur künftigen Stadtratsarbeit

„Ein rundum erfreuliches Ergebnis, das unsere Hoffnungen erfüllt hat“, sagte Sebastian Callens. Die Grünen hätten nicht nur vom Bundestrend profitiert, sondern auch bei den Ortsgegehungen im Wahlkampf viel Zuspruch erfahren. Für die Stadtratsarbeit gelte die Devise: „Mehr miteinder reden und überparteilich handeln, damit die Politik transparenter wird.“ Dafür biete die bunte Mischung ohne absolute Mehrheiten die besten Voraussetzungen. Die Grünen würden von anderen Parteien bereits umworben. Über künftige Zusammenarbeit und ob eine der Bürgermeisterkandidatinnen in der Stichwahl unterstützt werden solle, wollten die Grünen am Montagabend entscheiden. Mit dem Bürgerverein bestünden große Schnittmengen, doch das habe zu einer Unterstützung bei der Bürgermeisterkandidatur nicht gereicht.

Auch wenn er auf eine stärkere Hausmacht für Bürgermeisterin Christine Frieß gehofft hätte, sei er mit dem Ergebnis zufrieden, sagte CSU-Fraktionssprecher Günter Knorr. Er danke den Wählern für diesen Vertrauensbeweis. Er sei zuversichtlich, auch mit den Grünen als neuer Fraktion zusammenzuarbeiten: „Als Landwirt, der 60 Prozent seiner Fläche ökologisch bearbeitet bin ich grüner als manch Anderer.“ Jetzt gelte es, die vielen angestoßenen Projekte von der Innenstadtsanierung über die Ortsumgehung von Mainroth bis hin zu Baugebieten auf den Dörfern, um die Jugend in der Region zu halten, gemeinsam zu verwirklichen. „Wir müssen pragmatische Lösungen finden, da kaum Geld da ist und die Wirtschaft schwächelt, und Prioritäten setzen, wenn es für Vorhaben gerade Zuschüsse gibt“, betonte der.

Freie Wähler auf Erfolgskurs: Hoffnung auf die Stichwahl

„Wir sind überrascht und stolz angesichts es großen Vertrauens der Wähler“, freute sich FW-Fraktionssprecher Ulf Müller. Besonders gefreut habe ihn der große Erfolg von Bürgermeisterkandidatin Susanne Bock von Wülfingen, der es in der Stichwahl hoffentlich gelingen werde, die Mehrheit von sich zu überzeugen. Der engagierte und faire Wahlkampf sowie eine solide Stadtratspolitik hätten sich offensichtlich ausgezahlt.

Kurios findet er die Aufregung, um manche Aussagen wie die vom „Dornröschenschlaf in Burgkunstadt“, den viele fälschlicherweise auf sich bezogen hätten: „Es war nicht unserer Absicht, der Verwaltung Untätigkeit vorzuwerfen.“ Er hoffe, dass auch mit dem bunter gewordenen Stadtrat notwendige Investitionen zu Ende geführt werden, obwohl sie viel Geld kosten und nicht jedem einleuchte. Und dass die Schaffung von Wohnraum vorangetrieben werde.

„Die ökologischen und nachhaltigen Parteien haben 50 Prozent zugelegt und jetzt sechs Sitze“, freute sich Thomas Müller vom Bürgerverein. Bedauerlich sei es allerdings, dass der Erfolg der Grünen auch auf Kosten des Bürgervereins erfolgt sei, der einen Sitz abgeben musste. Möglicherweise könnte das auch daran gelegen haben, dass der Bürgerverein aus Gründen der Unabhängigkeit auf eine Wahlempfehlung zugunsten des grünen Bürgermeisterkandidaten verzichtet hatte. Für die Stichwahl sei es noch offen, ob eine der Kandidatinnen unterstützt werde. Das wichtigste sei ihm eine gute, offene Zusammenarbeit im Stadtrat.

SPD trotz des Verlusts von drei Sitzen nicht enttäuscht

Hart getroffen hat es die SPD mit dem Verlust von drei Sitzen, doch die beiden verbliebenen Räte, Zweite Bürgermeisterin Ulrike Koch und Dieter Schmiedel, hatten mit diesem Ergebnis schon gerechnet. Angesichts des Gegenwinds der Bundespolitik und der mangelnden Bereitsschaft vieler Bürger, sich für die Traditionspartei einzusetzen, könne man mit zwei Sitzen zufrieden sein, meinte Ulrike Koch. „Mit einer Neun-Personen–Liste ist nicht mehr zu erwarten“, meinte Schmiedel. Er sei dankbar, sich weiterhin für die Bürger engagieren zu dürfen und danke allen Wählern für das Vertrauen. Gerade auf die Zusammenarbeit mit den Grünen freue er sich, da er Bernarda und Sebastian Callens als engagierte Bürger schätze. Eine Empfehlung für die Stichwahl werde die SPD nicht geben.

Tabellen mit der Aufschlüsselung der Wahlergebnisse nach Kandidaten und Stimmbezirken gibt es in den nächsten

Tagen.

Der neue Stadtrat

CSU: 1. Christine Frieß, 2. Manfred Hofmann, 3. Joachim Ruß, 4. Günter Knorr, 5. Marco Hennemann, 6. Niklas Stadelmann, 7. Michael Foltes (Mögliche Nachrückerin: Katrin Weißmann).

Grüne: 1. Sebastian Callens, 2. Andreas Kothmann, 3. Bernarda Callens.

SPD: 1. Ulrike Koch, 2. Dieter Schmiedel.

FW: 1. Susanne Bock von Wülfingen, 2. Ulf Müller, 3. Ingrid Kohles, 4. Franziska Ramming, 5. Verena Beck (Möglicher Nachrücker: Michael Doppel).

Bürgerverein: 1. Manfred Weigand, 2. Dr. Ulrike Dinglreiter, 3. Thomas Müller.

 

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