BURGKUNSTADT

Burgkunstadt: Leben auf den Marktplatz bringen

Eine Belebung des Burgkunstadter Marktplatzes haben sich alle drei Bürgermeisterkandidaten auf ihre Fahnen geschrieben.Archivfoto: Markus Drossel Foto: Markus Drossel

Im Rahmen der Berichterstattung zur Kommunalwahl am 15. März stellt diese Redaktion den Bürgermeisterkandidaten Susanne Bock von Wülfingen (FW) und Sebastian Callens (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Amtsinhaberin Christine Frieß (CSU) sieben Fragen, mit welchen Lösungen sie in den kommenden sechs Jahren die Stadt gestalten wollen. Im zweiten Teil beantworten die Bewerber um das Bürgermeisteramt folgenden Fragen:

• 1. Wie wollen Sie die Wirtschaftskraft Ihrer Stadt stärken, mehr Arbeitsplätze schaffen und damit auch höhere Steuereinnahmen generieren?

• 2. Welche Vorschläge haben Sie, um den Marktplatz und die Altstadt attraktiver zu gestalten?

• 3. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Einzelhandel zurück in die Altstadt zu bringen?

Christine Frieß (CSU):

Christine Frieß (CSU). Foto: red

• Zu 1: „In einer Zeit, in der die Auftragslage in der Industrie stagniert, die Arbeitsplätze auf das Notwendigste zurückgefahren werden (mit Kurzarbeit gestreckt), ist es anders als in der Bauindustrie, in welcher Überhitzung stattfindet und bei Ausschreibungen größtenteils überteuerte oder keine Angebote abgegeben werden. Im Rahmen ihrer derzeitigen Möglichkeiten konzentriert sich die Stadt Burgkunstadt deshalb auf die Digitalisierung und Förderprogramme: Unerlässlich für die Infrastruktur und dafür, dass sich Firmen hier ansiedeln und auch heimische Firmen weiterhin in unserer Region wohl fühlen, ist der flächendeckende Ausbau einer Breitbandversorgung, denn der Konkurrenzdruck wächst stetig. Unternehmen sind auf möglichst rasche Übertragung von Daten angewiesen. Die Gewerbegebiete in Burgkunstadt wurden in den letzten Jahren hier bestens versorgt. Auch Home-Office nimmt immer mehr zu.“

• Zu 2: „Einen Meilenstein zur Belebung des Marktplatzes konnten Stadtrat und Verwaltung mit der Umnutzung und Umgestaltung des Deutschen Schustermuseums in Kooperation mit den WfB (federführend Herr Springfeld, dem Leiter der Werkstätten für behinderte Menschen) setzen. Zur Aktivierung und Entwicklung unserer Innenstadtpotenziale haben Stadtrat und Verwaltung ein Stadtumbau-Management beauftragt; es fanden bereits viele Kontakte und Gespräche mit Eigentümern statt und das Projekt: Schaufenster (Schustermuseum im Schaufenster), um leere Schaufenster in der Altstadt zu attraktivieren, ist bereits am Laufen. Im Rahmen des Stadtsanierungsprogramms zahlt die Stadt eine Förderung für verschiedene Baumaßnahmen (dazu gehören auch die entsprechenden Architekten- und Ingenieurleistungen) aus. Die Förderung erfolgt ausschließlich in Form von Zuschüssen. Die Zuschüsse werden im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel bewilligt. Ein Pilot- und Vorzeigeprojekt für die Sanierung von Leerständen findet man bereits in der Kulmbacher Straße 32.“

• Zu 3: „Hierzu möchte ich auf die Frage zuvor verweisen. Unterstützung bietet die Stadt Burgkunstadt auch im Rahmen des Geschäftsflächenprogramms: Die Stadt Burgkunstadt zahlt hierbei eine Förderung für verschiedene Baumaßnahmen (dazu gehören auch die entsprechenden Architekten- und Ingenieursleistungen) aus. Fördergegenstand sind hier Geschäfts-, Dienstleistungs- oder Gastronomieflächen.“

Susanne Bock von Wülfingen (FW):

• Zu 1: „Arbeitsplätze schaffen können nur die Unternehmen. Als Bürgermeisterin möchte ich hier unterstützen. Dazu muss ich jedoch wissen, was die Unternehmen bewegt. Deshalb wäre mir ein kontinuierlicher Kontakt mit den ansässigen Firmen sehr wichtig. Wenn wir als Kommune wissen, was unsere Unternehmen bewegt, können wir tätig werden. Auch die Vernetzung der Firmen wäre mir ein großes Anliegen. Ein gutes Netzwerk hat für jeden Vorteile.

Susanne Bock von Wülfingen (FW). Foto: Red

Nur allein die besten Arbeitsplätze nützen uns nichts, wenn die Firmen keine Arbeitnehmer bekommen. Deshalb muss unser Schwerpunkt das Schaffen von Wohnraum sein. Burgkunstadt liegt verkehrsgünstig zwischen Lichtenfels/Bamberg, Kulmbach/Bayreuth sowie Kronach und ist in Kombination mit seinen Schulen wie geschaffen für eine Schul- und Wohnstadt.“

• Zu 2: „Wir haben mit der historischen Häuserzeile am Marktplatz heute schon eine attraktive Altstadt. Diese müsste nur wieder lebendiger werden. Burgkunstadt wäre eine schöne Kunst- und Kulturstadt; der Marktplatz durch entsprechende bauliche Veränderungen ein Treffpunkt für Jung und Alt.“

• Zu 3: „Muss der Einzelhandel zurück in die Altstadt? Es wäre sinnvoller, mit weiteren Maßnahmen unser Deutsches Schustermuseum sowie die „Schuh-Werkstatt“, die von den Werkstätten St. Joseph betrieben werden, zu unterstützen. Was uns sicherlich im näheren Umfeld fehlt, ist eine Gastronomie, egal ob Café oder ähnliches, damit Besucher und Bürger auf unserem schönen Marktplatz eine Einkehrmöglichkeit haben. Wenn wir dadurch die Innenstadt lebendig machen, kommen ja vielleicht auch wieder kleine Läden hinzu. Im aktuell laufenden Verfahren Stadtumbaumanagement wurden schon Lösungsmöglichkeiten von Bürgern aufgezeigt, die uns in dieser Hinsicht weiterhelfen. Ein kleiner Regionalladen durch Privatinitiative ist in Umsetzung. Vielleicht sollten wir einfach mal machen.“

Sebastian Callens (Grüne):

• Zu 1: „Wir brauchen neue Impulse, um die kommunale Wirtschaftsförderung anzukurbeln und an nachhaltigen Kriterien wie Umweltfreundlichkeit und Lebensqualität auszurichten. Wir Grünen setzen uns dafür ein, dass die Kommune bei eigenen Vorhaben die Spielräume für ökologische und soziale Kriterien ausschöpft. Um die Wirtschaft nach vorne zu bringen, sehe ich es als Aufgabe des Bürgermeisters, sich um Ansiedlung von potenziellen Unternehmern zu kümmern. Hier will ich persönliche Kontakte und Möglichkeiten schaffen, um Investoren geeignete Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Dafür bedarf es einer aktiven und geschickten Verhandlungsführung mit potenziellen Grundstückseigentümern. Die Teilnahme an öffentlichen Unternehmertreffen sind geeignet, um Probleme direkt zu besprechen und gemeinsame Lösungen zu finden. Die Kontaktaufnahme zu bestehenden Betrieben sehe ich als wichtige Aufgabe, um die jeweiligen Interessen zu unterstützen. Wir wollen regionale Produkte und Dienstleistungen, nachhaltigen Tourismus und Klimaverträglichkeit fördern.“

Sebastian Callens (Grüne). Foto: red

• Zu 2: „Wir müssen uns klar werden, welche Prioritäten wir setzen möchten. Derzeit ist der Marktplatz eher ein Parkplatz. Die Aufenthaltsqualität am Marktplatz und in der Altstadt kann jedoch mit einfachen Mitteln erhöht werden, zum Beispiel durch eine Begrünung ohne bauliche Veränderungen durch Hochbeete, Sitzmöglichkeiten, eine E-Bike-Lade- und Reparaturstation. Hier sind die Wünsche und Ideen der Anlieger und Bürger gefragt. Es gibt Bestrebungen, einen zentralen Regionalladen am Marktplatz in Burgkunstadt zu etablieren. Dieser würde den Marktplatz ebenfalls weiter aufwerten. Die Stadt könnte diesen über eine Online-Plattform zur Regionalvermarktung zusätzlich öffentlich sichtbarer machen und somit weitere Kundschaft anziehen. Aufgrund des hohen Leerstandes ist es erforderlich, die Eigentümer in der Altstadt in Bezug auf eine mögliche Gebäudesanierung mit Informationen über geeignete und lohnenswerte Fördermöglichkeiten zu versorgen und entsprechende Nutzungskonzepte mit ihnen auszuarbeiten.“

• Zu 3: „Die Stadt Burgkunstadt hat in den letzten Jahren Bestrebungen unterstützt, den Einzelhandel im Gebiet Seewiese, östlich der B 289, zu konzentrieren. Auch das Kaufverhalten der Bürger hat sich geändert. Viele Produkte werden im Internet bestellt und nicht mehr beim Einzelhändler vor Ort gekauft. Mit dieser Situation gilt es umzugehen – man kann sie nicht ausblenden. Nur wenige Einzelhändler können unter den veränderten Bedingungen weiter bestehen. Gleichwohl habe ich Ideen für ein Konzept, welches die Unter- und Oberstadt samt der Kulmbacher Straße zu einem zusammenhängenden Altstadtensemble vereint und durch eine umfangreiche Begrünung attraktiver macht. Dies würde auch die Aufenthaltsqualität erhöhen. Erst ein ansprechendes Umfeld wiederum ist in der Lage Geschäfte, Läden oder Gastronomie anzuziehen.“

Weitere Artikel zur Kommunalwahl gibt es unter www.obermain.de.

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