WEISMAIN

Bei Büttenrede des Weismainer Till bleibt kein Auge trocken

Scharfzzüngig: Der Weismainer Till in der Bütt. Foto: Roland Dietz

Viele freuen sich darauf, manche sollen sich sogar davor fürchten – die Büttenrede des Weismainer Till alias Franz Besold ist alljährlich der Höhepunkt des Faschingssonntags in Weismain. Dichtgedrängt stand das Publikum denn auch am Sonntagnachmittag vor der Bühne am Rathaus, um sich den Narrenspiegel vorhalten zu lassen.

So bekamen die Behörden ihr Fett ab, weil wegen der Sicherheitsverordnungen einige Faschingsumzüge abgesagt wurden: „Ach hätten unsere Bürokraten ein Herz für Narren und Jecken, anstatt sich mit ihrem Gebaren, hinter Paragraphen zu verstecken ... und bald ist wohl mit Sicherheit, dank unserer deutschen Gründlichkeit mit Brauchtum, Fastnacht, Narretei, wir haben fertig, aus vorbei.“ Den Auszug des Mainleuser Carnevals Clubs nach Kulmbach kommentiert der Till gelassen: „Kaulhaazia hat es überlebt.“ Bei der Schlagzeile „Die Narren verlassen Weismain“ habe er schon befürchtet, der Stadtrat wäre ausgezogen.

„Im November las man in der Zeitung glatt, die Narren verlassen unsere Stadt. Zuerst dacht ich ja ungelogen, es wäre der Stadtrat ausgezogen.“
Der Weismainer Till, alias Franz Besold

Eine Steilvorlage für den Till ist der Parteiwechsel einiger Kandidaten vor der Kommunalwahl: „Da wird man schnell zum Schwarzbrot-Jochem ... man ist schwarz und darf allein der vierzehnte Nothelfer grad noch sein.“ Für Heiterkeit sorgt auch der Frauenanteil auf der CSU-Liste: „Zwei von 16 sind am End letztendlich mehr als zehn Prozent. Die Frauenquote ist nicht riesig, drum haben die Herren nebenbei auf ihren Bildern, etwas spießig, meist die Emmi mit dabei.“ Ein anderer Müller sei wohl nur zur GUB gewechselt, weil dort die Frauenquote höher sei. „Wenn nichts mehr geht, der Dreier sticht“, laute das Motto bei der SPD. Immerhin kenne er alle Kandidaten auf der Liste, während er bei der Bundespartei nicht einmal mehr die Namen der Vorsitzenden parat habe.

Nur der Bürgermeister mache es ihm als Narren schwer, denn „er spielt die Orgel und nicht viel mehr, keinen Rausch und keine Streiche“. Letztlich bleibe nur der „Dauerwampen“ für Scherze. Ob der Bürgermeister mit dem Hinweis, er habe abgenommen, wohl sein Gewicht im Rathaus meine? Werde er nicht wiedergewählt, könne er bei seiner Mutter im Laden Leberkäse verkaufen.

Zum großen Zapfenstreich blase ein anderer Bürgermeisterkandidat: „Ein Major will dort oben ran, ein so genannter Majoran.“ Wenn er künftig „Stillgestanden“ kommandiere, sei das kein Problem: „Mit Stillstand kennt die Stadt sich aus.“ Angesichts rostender Flieger und fahruntüchtiger Panzer bei der Bundeswehr sei es kein Wunder, dass er lieber Bürgermeister werden wolle. Und beim dritten Kandidaten, der gerne Theater spiele und sich parteilos und unabhängig anpreise, „bestände auch die Möglichkeit, dass gelegentlich von Zeit zu Zeit beim Bürgerblock, so ganz verschmitzt, ganz hinten ein Souffleur noch sitzt“.

Über den endlosen Brückenbau bei Kleinziegenfeld macht sich der Till ebenso lustig wie über die Straßenbauarbeiten im Hutzelbrunnen: „Mir wird heut schon Angst und Bang, wird einst der Marktplatz aufgerissen, denn dann wird sicher jahrelang ins Plumpsklo auf dem Marktplatz geschiss ...“

Zwei Saunen weniger, und das Lehrschwimmbecken wäre bezahlt

Ob die kommunale Zusammenarbeit Zukunft hat, wenn die Altenkunstadter nicht einmal wüssten, dass Rosenmontag nicht am Samstag ist, fragt sich der Till. „D'rum stand der Hümmer ohne Spaß, seit Freitag in der Häfnergass, und wartet dort so neunmalklug seit zwei Tagen auf den Faschingszug.“ Statt der Luftschlösser, die Studenten für die Aufwertung der Innenstadt planten, wünscht sich der Narr, „dass man bei Gehsteig und bei Straßen zuerst einmal die Löcher stopft“. Und zum Lehrschwimmbecken hat er mit Blick auf die Obermain Therme eine einfache Lösung: „Nur ein paar Saunen weniger, und das Becken wäre bezahlt.“

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