WEISMAIN

Sechsköpfiger Familie aus Weismain droht die Abschiebung

Eine Familie kämpft um ihre Zukunft: Irina und Celestin Martins Nwozor mit ihren Kindern (v. re.) Efani, Jessica, Tobi und Edwin sowie Rechtsanwalt Helmbrecht von Mengershausen (li.) und ihrem Übersetzer. Foto: Gerhard Herrmann

Bedrückt blickt der neunjährige Efani Nwozor in die Kamera. Eigentlich ist er ein fröhlicher Junge, der gerne mit seinen Freunden herumalbert oder beim SCW Obermain in der E-Jugend kickt. Beliebt ist er bei seinen Schulkameraden von der 4. Klasse der Abt-Knauer-Grundschule und sonntags engagiert er sich als Ministrant in der Stadtpfarrkirche. Doch nach der Ablehnung des Asylantrags droht ihm, seinen Eltern und den drei Geschwistern die Abschiebung.

Zweimal wurde die Klage von Irina und Celestine Martins Nwozor gegen die Ablehnung ihres Asylantrags abgelehnt. Sowohl das Verwaltungsgericht als auch der Verwaltungsrichthof haben den Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bestätigt. „Allerdings hat die Richterin gesagt, ein Vollzug der drohenden Abschiebung sei wegen der Situation der Familie nicht zumutbar“, erklärt Helmbrecht von Mengershausen. Der Rechtsanwalt aus Bad Staffelstein vertritt die Familie, die in der Weismainer Sammelunterkunft für Asylbewerber lebt. Sein Ziel ist eine Duldung aus humanitären Gründen: „Ein Abschiebungsbescheid, der wegen der unterschiedlichen Nationalität der Eltern die Familie zerreißen würde, kann nicht vollzogen werden“, betont der Rechtsanwalt. Würde der Vater nach Nigeria und die Mutter in die Ukraine abgeschoben, würde die Familie zerstört, warnt er. Ein derartiges Vorgehen würde gegen das im Grundgesetz, in der europäische Menschenrechtskonvention und der bayerischen Verfassung verankerte Recht auf den Schutz der Familie und auf Asyl verstoßen.

Flucht in die Ukraine nach Mordrohungen einer Sekte

Nachdem der Traum der Familie von einer Zukunft im sicheren Deutschland geplatzt ist, steht sie vor dem Nichts. Irina (37) und Celestine Martins Nwozor (38) lernten sich im ukrainischen Charkiw kennen und heirateten bald. Der Nigerianer war in die Ukraine geflohen, weil er in seiner Heimat mit dem Tode bedroht werde, wie er berichtet. Er geriet ins Visier einer religiösen Sekte, deren Anführer sein Vater gewesen war. Als der starb und sich der Sohn weigerte, die Nachfolge zu übernehmen, drohten die Mitglieder der Sekte, ihn zu töten. Als die Angriffe immer massiver geworden seien, habe ihm ein Pfarrer zur Flucht verholfen, berichtet Nwozor.

Die Ukraine war das einzige Land, von dem er wusste, dass es Flüchtlinge ohne Prüfung einreisen lässt. Nach der Heirat mit Irina schien sich sein Schicksal zum besseren zu wenden, doch das Glück währte nur kurz. Die Familie lehnte den schwarzen Schwiegersohn ab und warf die beiden aus dem Haus. Und wer keinen festen Wohnsitz nachweisen kann, bekommt in der Ukraine keine Arbeit, berichtet Irina Nwozor.

Da die beiden nicht weiter wussten, reiste Celestine Martins Nwozor wieder zurück nach Nigeria. Drei Jahre lang versteckte er sich dort – in seine Heimatregion Biafra oder in die Öffentlichkeit traute er sich wegen der Morddrohungen nicht. Währenddessen beantragte seine Frau Asyl in Deutschland und wurde in der Weismainer Sammelunterkunft aufgenommen. Seit vier Jahren lebt auch der Ehemann dort. Die Kinder Jessica (sechs), Tobi (20 Monate) und Edwin (sieben Monate) wurden in Weismain geboren. Die Familie hat sich gut eingelebt und hofft hier auf eine Zukunft. Unverständlich ist ihnen, dass Celestine die Arbeitserlaubnis verweigert wurde. „Ich will keine Almosen, ich bin bereit, jede Arbeit zu übernehmen, um uns zu ernähren“, betont der gelernte Kaufmann.

„Nach dem bestandskräftigen Abschluss der Asylverfahren ist der Aufenthalt der Familie seit Kurzem nicht mehr gestattet, sie ist somit vollziehbar ausreisepflichtig“, teilt die Regierung von Oberfranken auf Anfrage mit. Das ausländerrechtliche Verfahren, in dem über eine Duldung der Familie zu entscheiden ist, laufe derzeit. Allein die Länge des Aufenthalts sowie die Geburt von Kindern in Deutschland seien jedoch kein Duldungsgrund im Sinne des Aufenthaltsgesetzes.

Regierung: Keine getrennte Abschiebug der Familie beabsichtigt

Die durch das Bundesamt erlassene Abschiebungsandrohung sei für die Ausländerbehörde bindend. „Eine getrennte Abschiebung der Familie war und ist von uns jedoch nicht beabsichtigt“, betont Pressesprecherin Dr. Alexa Buckler. Da Celestine Martins Nwozor allerdings auch eine unbefristete ukrainische Aufenthaltserlaubnis besitze, wäre eine freiwillige – und finanziell geförderte Ausreise – der gesamten Familie in die Ukraine jederzeit möglich.

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