BURGKUNSTADT

Malerei wie Musik in der Produzentengalerie Burgkunstadt

Malerei wie Musik in der Produzentengalerie Burgkunstadt
Öl auf Hanji, ein handgeschöpftes Papier des Maulbeerbaumes: In dieser Technik entstand dieses Portrait einer asiatischen Schauspielerin. Changhee Nam (li.) hat daran über ein Jahr gearbeitet. Rechts ist Professor Peter Angermann, dessen Meisterschüler Nam ist. Foto: Mathias H. Walther

Offizieller Titel der jüngsten Ausstellung in der Produzentengalerie Burgkunstadt ist „Die Vierzehnte“. Er könnte aber auch problemlos „Menschen und Emotionen“ lauten. Denn den rund 100 Besuchern, die am vergangenen Samstag zur Vernissage in die Galerie am Schönberg angereist waren, bot sich genau das. Büstenportraits – meist im Format 50 mal 40 kraftvoll in Öl und Acryl auf gebrauchtes Papier gebracht – und emotionale Farbexplosionen – impulsiv und eindrucksvoll. Eben genau so, wie es der österreichisch-irische Künstler Gottfried Helnwein (*1948) einmal formulierte: „Malerei muss sein wie Rockmusik.“

Malerei wie Musik in der Produzentengalerie Burgkunstadt
Über 100 Besucher besuchten die Vernissage zur Ausstellung „Die Vierzehnte“ in der Produzentengalerie Burgkunstadt. Foto: Mathias H. Walther

Gezeigt werden in der noch bis zum 9. Februar dauernden Ausstellung Werke des in Nürnberg lebenden und arbeitenden Südkoreaners Changhee Nam und des Burgkunstadter Musikers Udo Langer. Hauptsächliches Motiv der Gemälde Changhee Nams sind Bildnisse junger Frauen, die dem Betrachter in entspannter Gelassenheit entgegenblicken. Die eine oder andere Frau ist zu erkennen – etwa Sophia Loren –, andere wiederum sind aus der Welt der asiatischen Prominenz und erschließen sich dem Beschauer zumindest nicht als identifizierbare Person.

In der Tradition der ostasiatischen Tuschemalerei

Was freilich gar nicht wichtig ist. Nicht einmal gewollt, wie der Künstler selbst betont. Auch ein Grund, weshalb seine Gemälde entweder überhaupt keine Titel haben oder einfach nur durchnummeriert sind. Namen sind Schall und Rauch, was bleibt, ist die eindrucksvolle expressionistische Darstellung, die nicht von ungefähr in einer gewissen Tradition zur ostasiatischen Tuschemalerei steht. Der Übergang von der Gegenständlichkeit zur Abstraktion ist dabei fließend.

So sieht das der Bamberger Kunsthistoriker Dr. Matthias Liebel, der die Einführungsrede zur Ausstellungseröffnung hielt und zu Changhee Nam unter anderem ausführte: „Ostasiatisch sind über-dies nicht nur die Modelle, nach denen der Künstler seine Bildnisse schafft, ostasiatisch ist auch des Malers Neigung, nicht auf Leinwand oder auf harten Holzplatten oder sonstigen starren Tafeln zu arbeiten, wie wir dies aus der europäischen Malereigeschichte kennen, sondern auf weichem, fließendem Papier.“

„Ostasiatisch ist auch des Malers Neigung, nicht auf Leinwand oder auf harten Holzplatten [...] zu arbeiten, [...] sondern auf weichem, fließendem Papier.“
Matthias Liebel, Kunsthistoriker
Malerei wie Musik in der Produzentengalerie Burgkunstadt
Udo Langer (li.) im Gespräch mit Dr. Matthias Liebel, Kunsthistoriker aus Bamberg. Foto: Mathias H. Walther

In motivischem wie stilsprachlichem Gegensatz dazu verhalten sich die Gemälde von Udo Langer aus Burgkunstadt, der dem größten Teil des Publikums bislang vor allem als Komponist und Musiker bekannt war. Tatsächlich befasst sich Langer, von Beruf Werbegrafiker, seit geraumer Zeit auch mit der Malerei. „Auf einen bestimmten Motiv- oder Themenkreis hat er sich dabei nicht kapriziert“, führte Dr. Matthias Liebel aus.

Udo Lange ist Autodidakt und malt in erfrischender Unbekümmertheit, nicht selten geleitet von Musikstücken, die ihn zu seinen Bildern inspirieren. Manche seiner Gemälde scheinen aus einem gestalterischen Zentrum heraus förmlich zu explodieren. Dr. Liebel: „Aus einer imaginären Mitte strahlen sie in den realen Raum des Betrachters und berühren ihn dort, wo er am empfänglichsten ist: nämlich in seiner Seele, in seinen Emotionen.“

Eine zutiefst musikalische Malereiauffassung

Das sei, so der Kunsthistoriker, eine zutiefst musikalische Malereiauffassung. Musik sei die abstrakteste Kunstform. Normalerweise würden wir versuchen, Bildwerke logisch zu analysieren – farbästhetisch, kompositionsästhetisch, inhaltlich und so weiter – und die charakteristischen Gesetzmäßigkeiten eines Bildes als sinnstringentes, kohärentes systemisches Konstrukt zu ermitteln.

„Aus einer imaginären Mitte strahlen sie in den realen Raum des Betrachters und berühren ihn dort, wo er am empfänglichsten ist: nämlich in seiner Seele.“
Matthias Liebel, Kunsthistoriker

Doch genau diesem logischen, rationalen und vernunftgeleiteten Zugriff würden sich die Gemälde von Udo Langer beharrlich verweigern. Das, so Dr. Matthias Liebel, sei das „Musikalische“ daran. Und er erinnerte an Wassily Kandinsky, der vom „Klang der Bilder“ sprach.

Malerei wie Musik in der Produzentengalerie Burgkunstadt
Premiere in der Produzentengalerie: Erstmals traten der Gitarrist Thomas Schaller und der Saxophonist Viktor Neuwert gem... Foto: Mathias H. Walther

Apropos Klang und Musik. Die Vernissage in der Produzentengalerie Burgkunstadt erlebte in dieser Hinsicht eine hörenswerte Premiere. Erstmals traten der Gitarrist Thomas Schaller und der Saxophonist Viktor Neuwert gemeinsam auf – überzeugend und eingängig. Beide Vollblutmusiker begnügten sich nicht damit, die Ausstellungseröffnung quasi als „Einheizer“ zu bespielen. Sie unterhielten die Vernissage-Besucher während der gesamten Veranstaltung. Man darf in Zukunft auf weitere musikalische Leckerbissen des Duos gespannt sein.

Begleitet wurden im weitesten Sinn auch die Gemälde von Udo Langer und von Changhee Nam durch kleinplastische Arbeiten des Bamberger Bildhauers Adelbert Heil, durch Skulpturen von Gerhard Nerowski aus Königsberg und durch Bronzeplastiken von Sibylle Waldhausen aus Berlin.

Die Ausstellung „Die Vierzehnte“ ist bis 9. Februar in der Produzentengalerie Burgkunstadt, Schönberg 3, zu sehen. Öffnungszeiten sind immer samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

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